Sonntag, 15. Dezember 2024

3. Advent

Er saß vor seinem neuen Laptop. Es war kurz vor 7 Uhr und der 3. Advent. Als er eine Excel Tabelle öffnete, meldete ihm die Software, dass sie innerhalb von 4 Tagen aktiviert werden müsste. Trotz mehrmaligem Versuchen gelang es ihm nicht. Er kaufte Software im Wert von 45 Euro und musste nun bis Mitte nächste Woche warten. Er empfand es als Zeichen, dass es die nächsten Tage wichtigeres als Arbeit gab. l

Eigentlich hatte er sich fest vorgenommen in den Gottesdienst der Connect-Gemeinde in Gundelfingen zu gehen, aber er saß da und der ganze Schmerz, den er in letzter Zeit gesammelt hatte, suchte seinen Weg. Eine Schleuse öffnete sich und er fing an heftig zu weinen. 

Er war wie gelähmt. Er schaffte es wieder nicht ins Bad. Er setzte sich aufs Sofa und die schwarzen Gedanken drehte ihre Kreise. Er schrieb seiner Frau und seiner besten Freundin. Seiner besten Freundin sagte er das heutige Treffen ab, für das sie wenig Verständnis zeigte. Egal. Es war sein Leben, seine Entscheidung.

Allerdings gelang es ihm für sich ein einfaches Mittagessen zu kochen: Sahnehering mit Kartoffeln. 

Danach entschloss er sich den Gottesdienst der Connect-Gemeinde auf Youtube anzuschauen. Die Lieder und die Predigt erreichten sein Herz. Zum ersten Mal dieses Jahr fühlte er ansatzweise die echte Bedeutung von Weihnachten.

Der Blick wurde frei, auf dieses große Ereignis vor 2.000 Jahren, das für manche Menschen immer noch ein ergreifender Feiertag war. Allerdings wurden es immer weniger, die daran glaubten, dass Jesus als schutzloses Kleinkind als Gottes Sohn zu Bethlehem zur Welt kam, um einen Auftrag durchzuführen. Legende, Mythos, Märchen - kein Glaube mehr Jesus Christus und die Wunder, die mit seiner Person verbunden sind. 

Entweder ist man heutzutage Atheist oder man glaubt an irgendetwas, was man aus all den vielen Lehren, die angeboten werden, selbst zusammen gebastelt hat. Auf jeden Fall nichts, was das eigene Leben einschränken könnte.

Er spürte eine Sehnsucht sich Weihnachten weiter anzunähern. 

Mittwoch, 27. November 2024

Versuch einer Daseinsbeschreibung

Wie krank bin ich eigentlich? 
Ok, ich führe eine Ehe
Ok, ich wohne alleine und selbstständig 
Ok, ich habe einen Minijob
aber ist es das schon? 
Oft diese Leere im Kopf 
Erinnerungen verschwinden im schwarzen Raum
Gestern, vorgestern, letzte Woche
Alles gleich - alles weg 

Mein Herz hüpft nicht mehr
Über 60 scheint jeder Tag einerlei 

Ich will nicht klagen 
Es ist durchaus auszuhalten
Ein gutes Luxus-Leben

Aber diese Leere
diese Schatten 
meine Dämonen 
quälen mich

Aus den Höhen, über den Sturm in die Tiefen 

Und du hast dich mal wieder fortgeschlichen
Aber ich halte an dir fest
Wenn auch gebremst 

Die Menschen habe ich aufgegeben 
Nur das Göttliche bleibt 


Freitag, 15. November 2024

Der Blog "Rainers Welt" wird wieder geöffnet

mein halbes Leben habe ich mich für psychiatrieerfahrene Menschen eingesetzt - und tue es immer noch. Aber in einem weit geringerem Umfang..

Inzwischen lebe ich alleine in einer Einzimmerwohnung, nicht weit von meiner Frau entfernt, mit der ich immer noch verheiratet bin und gut verstehe. Wir sind jetzt schon in einer Seniorenwohnanlage gezogen. Mein Frau lebt drei Minuten trockenen Fußwegs von mir entfernt, ebenfalls in einer Einzimmerwohnung.

Ich fühle mich durchaus wohl in meiner Wohnung. Ich habe alles um mich, was ich brauche. 

Trotzdem habe ich Probleme mit der frei gewordenen Lebenszeit gut umzugehen. 

Ich bin nach wie vor froh, dass ich meine Arbeit für den Landesverband Psychiatrieerfahrener Baden-Württemberg beendet habe. Es war für mich eine Quälerei geworden. Meine Begeisterung für Psychiatriepolitik war über lange Zeit verschwunden. Was blieb mir anders übrig als meine Konsequenzen zu ziehen?

Ich bereue das nicht, auch wenn ich im Moment auch nicht glücklich bin. Ich lebe doch viel entspannter und mit weniger Stress als zuvor. 

So viel für heute.

Somit ist der Blog "Rainers Welt" wieder eröffnet...




Sonntag, 29. August 2021

Beendigung des Blogs "Rainers Welt"

Liebe Freunde und Leser,

vielen Dank, dass ihr mir über die Jahre hinweg die Treue gehalten habt oder erst seit kurzem hier mitlest oder heute sogar zum ersten Mal auf dieser Seite seid. Heute, am Sonntag 29.8.2021, schließe ich meinen Blog "Rainers Welt" mit diesem Eintrag. Ich halte es nun für besser, wenn ich hier nicht mehr schreibe. Ich nutze vorerst für Persönliches nur noch meine digitale Visitenkarte rainer.hoeflacher.info und die Tagebuch-App Diaro.

Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe, Gute und Schöne - was immer das auch sein mag.

Auf Wiederlesen...    :-)

Euer Rainer

Mittwoch, 18. August 2021

Bewegung

Das Smile am Fußende meines Bettes spottet meiner Handynutzung. Mein Aktions- und Emotionstracker zeigt mir, dass ich bereits 11 Tage in Folge Gruppenerlebnisse hatte und die meisten Smileys im grünen Bereich liegen. Ach so, deshalb geht es mir gut - meistens. 

Die Routine durchbrochen durch Nähe der anderen Art. Undefinierbar. Nicht das Eine, aber auch nicht das Andere. Einfach existent. Neue Qualität oder nur Ausbruch? Nicht nur Coronalockerungen. ;-) 

Wieder Neugierde spürbar auf den privaten Weg. Anstoß zum Wandel? 

Mails aufgemacht, kurzer Blick, 2 überflogen und Gmail wieder geschlossen. Hintergründig die Last, dass sich die Mails sammeln und der Tag kommt.... 

Und die Förderung des Recoverycollege in 2022? Die Zeit drängt. Aufgaben vor mir hergeschoben. Schlechtes Gewissen. 

Egal

Es klopft an die Tür und ich öffne sie einen Spalt. Wer weiß, wer draußen steht? Die Wohnung ist warm und behaglich. Wie ist das Wetter draußen? Tür wieder zu? Rausgehen? Draußen und Drinnen ist nicht dasselbe. Die Therapeutin hat mir Bewegung verordnet.  ;-) 






Aber wie? Aber wann?

Wie die Dämonen überwinden?
Die inneren Kämpfe einstellen? 

Mich annehmen
Mein Sosein sein lassen
Meine guten Taten würdigen
Den Druck des Müssens auflösen 
Die negativen Spiralen verlassen 
Mein Bester Freund sein
Gnädig und mitfühlend mir selbst begegnen 

Aber wie? 

So viele Jahre in denselben Kreisen gefangen 
Sie ohne Unterlass mit tausenden Worten beschworen
Geklagt, gejammert, gelitten 
Im letzten Lebensviertel angekommen 

Grund genug die Hoffnung aufzugeben? 

20 Jahre ohne Psychiatrie
20 Jahre Seelenhölle
20 Jahre berufen tätig 
Vielleicht noch 20 Jahre Zeit? 
Vielleicht noch Seelenwandel möglich? 

Aber wie? 

Schon länger Suche nach Gottes Wirken
Schon länger steht ihm mein Herz offen 
Ich weiß, er ist schon da
Aber er heilt noch nicht
Er wird wohl die Lösung sein

Aber wann? 











Freitag, 13. August 2021

Alles Stigma

Stigma
Was ist das?
Meine Psychiatrieblase erzeugt Schutz
Keine Angriffsfläche
Höchstens unbemerkt geächtet 
Wie es oft passiert 

Doch andere erzählen mir:
Stephanie: Von misslingenden Wohnungssuchen 
Klaus: Von gescheiterten Bewerbungen trotz guter Noten
Anne: Von lebensgefährlichen Behandlungen wegen psychosomatischen Diagnosen 
Dieter: Von Anfeindungen, Drohungen, Beleidigungen in der Öffentlichkeit 
Gaby: Von Verachtung durch den Vater 
Manfred: Von Intrigen bei der Arbeitssuche
Stefan: Von Ungleichbehandlung in der Freizeitgruppe

Alle müssen einen Weg finden, damit zu leben: 
Selbstwert erhalten 
Freude bewahren 
Weiter vertrauen 
Depression verhindern 
Sich wehren

Je nachdem: eine Kunst, eine Meisterleistung
Der unbemerkten Helden

Alles Wirklichkeit, alles Wahrheit 
Alles Stigma






Besserung genießen, dankbar sein. Aber lernen?

Was will ich wirklich?
Neue Themen? Hobbies? Freizeit? 
Genaugenommen ist es das nicht
Es wären vielleicht Wege dorthin zu kommen, aber nicht die einzigen
Außer mehr Bewegung finden, sind es innerpersönliche Veränderungen, die ich anstrebe

Den inneren Kampf aufgeben
Mich selbst aushalten lernen 
Meine Dämonen austreiben 

Das geht nur über den ersten Schritt der Annahme 
Es sein lassen und begrüßen wie es ist
Der Achtsamkeit mir selbst gegenüber 

Eim Leben ohne Leiden ist Illusion 
Aber ein Leben mit weniger Leiden ist möglich 

Corona war eine schwere Prüfung für mich 
Die aktuellen Lockerungen ein Segen
Eine Chance des Lernens? 

Erkenntnis war:
Dass mein Selbstbewusstsein fragil ist
Dass mein Selbstwertgefühl auf unsicheren Füßen steht 
Dass mein Tun draußen und meine Arbeit mich in hohem Maße bestimmt 

Zuersteinmal ist es, wie es ist
Und ich genieße die Besserung und bin dankbar 

Ist aber daraus lernen noch möglich? 







Sonntag, 1. August 2021

MITEINANDER STARK!

Mit Corona alte Muster wieder aufgebrochen 
Hadern, Selbstvorwürfe, Selbstzerfleischung
Der innere Kritiker spricht lauter und öfter als früher
Weniger Aktivität, weniger Selbstbewusstsein 
Weniger Reisen, weniger Selbstwert
Rückschritte oder Entwicklung? 
Chance! 
Ist es möglich aus der Ablenkungsmühle heraus zu kommen? 
Zur inneren Stabilität zu gelangen? 
Eine Chance das Selbst zu stärken? 
Oder mit den Lockerungen zurück zum alten Spiel? 

32 Jahre Selbsthilfearbeit und nichts gelernt? 
32 nur weiter dem Leistungsprinzip verfallen? 
60 Jahre und kein bisschen weiser geworden? 
Wie Neugierde auf Neues wecken? 
Ergotherapie als Konsument nicht genutzt 
Beratungsresistent schlaue Sätze gesagt 

Sind das Erkenntnisse mit Änderungspotential oder nur weitere destruktive Kreise? 
Negative Abwärtsspiralen? 

Die Selbstkritik fließt flüssig aus mir heraus 
Wo bleibt das Selbstmitgefühl? Die Hoffnung? Der Sinn? Die Selbststärkung? 
Ist da mit 60 noch etwas zu machen? 

Vor der Änderung liegt die Selbstannahme
"Mit Gott ich selbst sein" hängt über meinem Bett vom 23.8.20
Und weiter machen
Und nicht aufgeben 
Hin zu einem echten, starken Selbst

MITEINANDER STARK! 






Samstag, 31. Juli 2021

Der Teufel in mir

Und wieder treibt es mich in der Nacht zu meinem Blog. Nicht mal genau wissend warum. Ohne ein Anliegen im Gepäck. Einfach sehen was kommt.

Ein Text aus meinem Inneren ohne quälende Selbstverstümmelung? Ohne Klagen über mein wortreich leidendes Selbst? Wie soll das gehen?

Andererseits keine Lust auf mut- und hoffnungmachendes, verständnissimulierendes Gesäusel. Was gibt es denn sonst noch? 

Das übersteigt hemmungslos mein Repertoir!

Höchstens noch einen Ausflug zum lieben Gott habe ich im Angebot. Aber wer will dies heute schon noch außer ein paar gefühlsechte Naivlinge?

Schade, dass du nicht bei mir bist und mir einen Tipp geben kannst. Ja sogar einen Wunsch äußern, der dann allerdings vermutlich mein Talent übersteigen würde. Also ist mein Alleinsein vielleicht doch die bessere Alternative.

La, li, lu
Nur der Mann im Mond schaut zu....

Hab ich jetzt "Shining" oder nicht? Wir alle haben ja etwas davon. Aber ich hätte gerne jede Menge. Könnte dann in deinem Kopf sprechen. Könnte dir Bilder und Visionen schicken, die dir Angst machen oder Erkenntnis bringen. Könnte hunderte Löffel an die Decke pinnen oder über den Wolken fliegen. Klar gehöre ich zu den Guten. Hab mich ja ein Leben lang darauf trainiert und brav meine Lektionen gelernt.

Hallo? Wo bist du denn, mein Teufel in mir? Platt gemacht unter den wohlfixierten Gewichten des Gutsein. Aber trotzdem rumorst du immer wieder im Untergrund, wobei ich keine Ahnung habe, was wäre, wenn ich dich entfesseln würde. Kenne deine Kollegen höchstens aus den Nachrichten oder den Filmen bei Netflix. Aber in der Tiefe spüre ich dich immer wieder. Und manchmal brichst du ansatzweise aus und wirst von Neuroleptika wieder eingefangen. 

Also gehe ich weiter den vorsichtigen Weg des um Frieden und Harmonie Bedachten, für alles andere ist es wohl Gott sei Dank zu spät. 

3. Advent

Er saß vor seinem neuen Laptop. Es war kurz vor 7 Uhr und der 3. Advent. Als er eine Excel Tabelle öffnete, meldete ihm die Software, dass s...