Sonntag, 29. August 2021

Beendigung des Blogs "Rainers Welt"

Liebe Freunde und Leser,

vielen Dank, dass ihr mir über die Jahre hinweg die Treue gehalten habt oder erst seit kurzem hier mitlest oder heute sogar zum ersten Mal auf dieser Seite seid. Heute, am Sonntag 29.8.2021, schließe ich meinen Blog "Rainers Welt" mit diesem Eintrag. Ich habe eine neue Liebe gefunden und halte es nun für besser, wenn ich hier nicht mehr schreibe. Ich nutze vorerst für Persönliches nur noch meine digitale Visitenkarte rainer.hoeflacher.info und die Tagebuch-App Diaro.

Ich wünsche euch von Herzen alles Liebe, Gute und Schöne - was immer das auch sein mag.

Auf Wiederlesen...    :-)

Euer Rainer

Dienstag, 24. August 2021

Keine Option mehr

Wir sind schon viel zu weit gegangen, um zu zweifeln. Das ist keine Option mehr. Jetzt muss gelebt und erlebt werden 😉❤️

Carina 

Mittwoch, 18. August 2021

Bewegung

Das Smile am Fußende meines Bettes spottet meiner Handynutzung. Mein Aktions- und Emotionstracker zeigt mir, dass ich bereits 11 Tage in Folge Gruppenerlebnisse hatte und die meisten Smileys im grünen Bereich liegen. Ach so, deshalb geht es mir gut - meistens. 

Die Routine durchbrochen durch Nähe der anderen Art. Undefinierbar. Nicht das Eine, aber auch nicht das Andere. Einfach existent. Neue Qualität oder nur Ausbruch? Nicht nur Coronalockerungen. ;-) 

Wieder Neugierde spürbar auf den privaten Weg. Anstoß zum Wandel? 

Mails aufgemacht, kurzer Blick, 2 überflogen und Gmail wieder geschlossen. Hintergründig die Last, dass sich die Mails sammeln und der Tag kommt.... 

Und die Förderung des Recoverycollege in 2022? Die Zeit drängt. Aufgaben vor mir hergeschoben. Schlechtes Gewissen. 

Egal

Es klopft an die Tür und ich öffne sie einen Spalt. Wer weiß, wer draußen steht? Die Wohnung ist warm und behaglich. Wie ist das Wetter draußen? Tür wieder zu? Rausgehen? Draußen und Drinnen ist nicht dasselbe. Die Therapeutin hat mir Bewegung verordnet.  ;-) 






Aber wie? Aber wann?

Wie die Dämonen überwinden?
Die inneren Kämpfe einstellen? 

Mich annehmen
Mein Sosein sein lassen
Meine guten Taten würdigen
Den Druck des Müssens auflösen 
Die negativen Spiralen verlassen 
Mein Bester Freund sein
Gnädig und mitfühlend mir selbst begegnen 

Aber wie? 

So viele Jahre in denselben Kreisen gefangen 
Sie ohne Unterlass mit tausenden Worten beschworen
Geklagt, gejammert, gelitten 
Im letzten Lebensviertel angekommen 

Grund genug die Hoffnung aufzugeben? 

20 Jahre ohne Psychiatrie
20 Jahre Seelenhölle
20 Jahre berufen tätig 
Vielleicht noch 20 Jahre Zeit? 
Vielleicht noch Seelenwandel möglich? 

Aber wie? 

Schon länger Suche nach Gottes Wirken
Schon länger steht ihm mein Herz offen 
Ich weiß, er ist schon da
Aber er heilt noch nicht
Er wird wohl die Lösung sein

Aber wann? 











Freitag, 13. August 2021

Alles Stigma

Stigma
Was ist das?
Meine Psychiatrieblase erzeugt Schutz
Keine Angriffsfläche
Höchstens unbemerkt geächtet 
Wie es oft passiert 

Doch andere erzählen mir:
Stephanie: Von misslingenden Wohnungssuchen 
Klaus: Von gescheiterten Bewerbungen trotz guter Noten
Anne: Von lebensgefährlichen Behandlungen wegen psychosomatischen Diagnosen 
Dieter: Von Anfeindungen, Drohungen, Beleidigungen in der Öffentlichkeit 
Gaby: Von Verachtung durch den Vater 
Manfred: Von Intrigen bei der Arbeitssuche
Stefan: Von Ungleichbehandlung in der Freizeitgruppe

Alle müssen einen Weg finden, damit zu leben: 
Selbstwert erhalten 
Freude bewahren 
Weiter vertrauen 
Depression verhindern 
Sich wehren

Je nachdem: eine Kunst, eine Meisterleistung
Der unbemerkten Helden

Alles Wirklichkeit, alles Wahrheit 
Alles Stigma






Besserung genießen, dankbar sein. Aber lernen?

Was will ich wirklich?
Neue Themen? Hobbies? Freizeit? 
Genaugenommen ist es das nicht
Es wären vielleicht Wege dorthin zu kommen, aber nicht die einzigen
Außer mehr Bewegung finden, sind es innerpersönliche Veränderungen, die ich anstrebe

Den inneren Kampf aufgeben
Mich selbst aushalten lernen 
Meine Dämonen austreiben 

Das geht nur über den ersten Schritt der Annahme 
Es sein lassen und begrüßen wie es ist
Der Achtsamkeit mir selbst gegenüber 

Eim Leben ohne Leiden ist Illusion 
Aber ein Leben mit weniger Leiden ist möglich 

Corona war eine schwere Prüfung für mich 
Die aktuellen Lockerungen ein Segen
Eine Chance des Lernens? 

Erkenntnis war:
Dass mein Selbstbewusstsein fragil ist
Dass mein Selbstwertgefühl auf unsicheren Füßen steht 
Dass mein Tun draußen und meine Arbeit mich in hohem Maße bestimmt 

Zuersteinmal ist es, wie es ist
Und ich genieße die Besserung und bin dankbar 

Ist aber daraus lernen noch möglich? 







Sonntag, 1. August 2021

MITEINANDER STARK!

Mit Corona alte Muster wieder aufgebrochen 
Hadern, Selbstvorwürfe, Selbstzerfleischung
Der innere Kritiker spricht lauter und öfter als früher
Weniger Aktivität, weniger Selbstbewusstsein 
Weniger Reisen, weniger Selbstwert
Rückschritte oder Entwicklung? 
Chance! 
Ist es möglich aus der Ablenkungsmühle heraus zu kommen? 
Zur inneren Stabilität zu gelangen? 
Eine Chance das Selbst zu stärken? 
Oder mit den Lockerungen zurück zum alten Spiel? 

32 Jahre Selbsthilfearbeit und nichts gelernt? 
32 nur weiter dem Leistungsprinzip verfallen? 
60 Jahre und kein bisschen weiser geworden? 
Wie Neugierde auf Neues wecken? 
Ergotherapie als Konsument nicht genutzt 
Beratungsresistent schlaue Sätze gesagt 

Sind das Erkenntnisse mit Änderungspotential oder nur weitere destruktive Kreise? 
Negative Abwärtsspiralen? 

Die Selbstkritik fließt flüssig aus mir heraus 
Wo bleibt das Selbstmitgefühl? Die Hoffnung? Der Sinn? Die Selbststärkung? 
Ist da mit 60 noch etwas zu machen? 

Vor der Änderung liegt die Selbstannahme
"Mit Gott ich selbst sein" hängt über meinem Bett vom 23.8.20
Und weiter machen
Und nicht aufgeben 
Hin zu einem echten, starken Selbst

MITEINANDER STARK! 






Samstag, 31. Juli 2021

Der Teufel in mir

Und wieder treibt es mich in der Nacht zu meinem Blog. Nicht mal genau wissend warum. Ohne ein Anliegen im Gepäck. Einfach sehen was kommt.

Ein Text aus meinem Inneren ohne quälende Selbstverstümmelung? Ohne Klagen über mein wortreich leidendes Selbst? Wie soll das gehen?

Andererseits keine Lust auf mut- und hoffnungmachendes, verständnissimulierendes Gesäusel. Was gibt es denn sonst noch? 

Das übersteigt hemmungslos mein Repertoir!

Höchstens noch einen Ausflug zum lieben Gott habe ich im Angebot. Aber wer will dies heute schon noch außer ein paar gefühlsechte Naivlinge?

Schade, dass du nicht bei mir bist und mir einen Tipp geben kannst. Ja sogar einen Wunsch äußern, der dann allerdings vermutlich mein Talent übersteigen würde. Also ist mein Alleinsein vielleicht doch die bessere Alternative.

La, li, lu
Nur der Mann im Mond schaut zu....

Hab ich jetzt "Shining" oder nicht? Wir alle haben ja etwas davon. Aber ich hätte gerne jede Menge. Könnte dann in deinem Kopf sprechen. Könnte dir Bilder und Visionen schicken, die dir Angst machen oder Erkenntnis bringen. Könnte hunderte Löffel an die Decke pinnen oder über den Wolken fliegen. Klar gehöre ich zu den Guten. Hab mich ja ein Leben lang darauf trainiert und brav meine Lektionen gelernt.

Hallo? Wo bist du denn, mein Teufel in mir? Platt gemacht unter den wohlfixierten Gewichten des Gutsein. Aber trotzdem rumorst du immer wieder im Untergrund, wobei ich keine Ahnung habe, was wäre, wenn ich dich entfesseln würde. Kenne deine Kollegen höchstens aus den Nachrichten oder den Filmen bei Netflix. Aber in der Tiefe spüre ich dich immer wieder. Und manchmal brichst du ansatzweise aus und wirst von Neuroleptika wieder eingefangen. 

Also gehe ich weiter den vorsichtigen Weg des um Frieden und Harmonie Bedachten, für alles andere ist es wohl Gott sei Dank zu spät. 

Donnerstag, 22. Juli 2021

Engagement - wissend Applaus zu bekommen

Was passierte mit den Jahren? 
Wohin sind deine Ideale und Werte verschwunden? 
Ein Konstantin Wecker aus den 70ern zeigt dich 1984
So satt geworden
Den Kampf gegen Willkür und Herrschaft aufgegeben 
Stromlinienförmig, diplomatisch offene Türen einrennen
Das kann jeder
Wissend Applaus zu bekommen
Sich für Psychiatrieerfahrene einsetzen, die bei Zoom-Konferenzen konsumieren
Gute Ausbildungen hinter sich, gebildet, eloquent
Wo sind die geblieben, die gestern noch im Fixierbett lagen?
Wo sind die geblieben, die sich gegen 6 Pfleger gegen die Zwangsspritze wehren?
Wo sind die geblieben, auf die nach der Entlassung kein geordnetes Zuhause wartet?
Die im Chaos leben. Immer am Rande des Untergangs.
Schon zu lange bist du satt geworden
Deine Höllen hinter dir gelassen
Es ist schwer für die Verlassenen zu kämpfen, wenn du in einer anderen Welt lebst
Dir nur noch die Elite der Psychiatrieerfahrenen begegnet.
Ein Zurück gibt es nicht
Aber vielleicht ein anderes Morgen...



Manchmal weine ich sehr....

https://youtu.be/UU7MR4tRqxA

Konstantin Wecker - mein Lebensbegleiter seit 1984
Manchmal mehr
Manchmal weniger
Aber immer in meinem Herzen 

Schon wieder Jammerlyrik von Rainer?

Nun möchte ich versuchen meine Sprachlosigkeit zu überwinden
Aber was schreiben ohne wieder zu klagen? 
Über meine Zerrissenheit, meine Ängste, meine Zweifel 
Das Leben ist so schwer geworden
Die Arbeit oft zur Last
Erschöpfung und Lustlosigkeit behindern mich immer häufiger
Hat mich Corona besiegt? 

Meine einzige Hoffnung ist, dass mich das alles mehr zu Gott führt
Dass mein Glaube an ihn mir wieder Ruhe und Stärke gibt 
Dass ich aufhöre, nur um mich zu kreisen
Dass ich mich ENDLICH annehmen kann, wie ich bin
Den Blick weg von dem was Schlimmes sein könnte
Den Blick weg von dem was nicht ist
Da ist immer etwas, was erfreuen kann
Das Leben selbst ist ein unbezahlbares Geschenk, das Freude verdient 
Jedes Klagen ein Zugeständnis an Undankbarkeit
Den Blick hin zu dem was Gut tut und ist

Vor 2 Tagen in die 60er gekommen
Zeit für Neues? 
Ein Wandel noch möglich?
Alles in mir sehnt sich danach Selbstsicherheit und Freude zurückzugewinnen
Aber ein Zurück gibt es nicht
Nur neue Wege versprechen noch Lösungen
Aber dafür braucht es Mut, Kraft und Selbstdisziplin 
Und einen Plan 

Gottes Gegenwart gewiss sein
Seine Liebe in mir wirken lassen
Egozentrik überwinden
Von der Depression, über den Glauben, zum Tun kommen 
Worte allein genügen nicht
Wenn Gott mich und meinen Alltag wirklich erfüllt, ist alles gewonnen 
Wenn ich so weiter mache wie bisher, ist alles verloren
Nur beim Dasein für das Du wartet die Erlösung 
Bei Gott und auch bei dir - lieber Leser

Dienstag, 13. Juli 2021

60 - was nun?

Noch eine Woche und er wurde 60. Was besonderes? Manche würden sagen: "Na und? Noch jung! Die heutigen 60er sind die 50er von früher." Aber ihn macht diese Dekade schon nachdenklich. Nachdenklicher, als bei allen Dekaden zuvor. Vielleich steckt er sowieso in einer Wandlungsphase und es hat gar nichts mit dem Alter zu tun? Da ist er allerdings anderer Meinung. 60 ist ein besonderes Alter. Für ihn ist es der Beginn der Notwendigkeit sich neu zu orientieren. Der Körper zeigt nun deutlich, dass es einfach nicht mehr so geht wie früher. Ebenso lassen bei ihm Motivation und Begeisterungsfähigkeit nach. Doch vor allem stellt sich die Frage: "Was geht noch? Welche Ziele sind dem Alter noch angemessen? Welche neuen Projekte können noch angegangen werden, die er auch noch beenden will?" Es ist endgültig an der Zeit die eigenen Werte zu überdenken. Leistung und Erfolg sollten nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Die Tür öffnet sich einer Zeit, wo die Sicht auf die Welt eine gelassene wird. Wo es Zeit wird, das Hamsterrad zu verlassen. Die Erfahrung von 60 Jahren für sich nutzen und Hektik und Streben zu einer gewissen Lebensweisheit der Ruhe und der Besonnenheit zu transformieren. Sicher noch keine Altersweisheit, aber schon ein Wissen, dass das Leben nun in einem anderen Licht erscheinen lässt. Zeit für einen Rückblick. Was ist mir gelungen in meinem Leben, was eher nicht? Gibt es irgendetwas zu bereuen oder würde ich alles nochmal so machen? Für diese Gedanken ist es vielleicht noch etwas früh, aber 60 ist die Eingangstür für diese Form der rückwärtsgewandten Denkweise.

Also, was nun? 

Samstag, 3. Juli 2021

Alles weiter wie bisher?

Aufgrund Corona traf mich der Verlust des Selbstvertrauens. Ich vermisse die positive Verstärkung durch ein erlebnisreiches Leben. Sowieso zum häuslichen Rückzug neigend, verlies mich Energie und Motivation. Aber schon seit langem reift der Entschluss in mir, mein Leben grundlegend zu ändern. Nun habe ich zwei Erfolgserlebnisse bei der Regiotagung erfahren dürfen: die Leitung der Mitgliederversammlung und mein der mit Lob aufgenommene Vortrag einen Tag später. Die Reise nach Stuttgart brachte Schwung in mein Leben und der Aufenthalt in einer größeren Menschversammlung wirkte sich belebend auf mich aus, auch wenn ich dabei durchaus auch Tiefs der Unkonzentriertheit, Müdigkeit und Kommunikationshemmungen spürte.

Und nun? Alles so weiter wie bisher? Die Verlockung ist groß. Keinen Druck mehr nach Lösungen zu suchen, wie ich Psychiatriearbeit reduzieren könnte, wie ich neue Wege des Interesses und der Beschäftigung finden könnte. Keine Notwendigkeit mehr einen altersgerechten Wertewechsel anzustreben. Eine für mich fast nicht zu meisternde Aufgabe. Zu sehr bin ich verstrickt in meiner Abhängigkeit zu meinen täglichen Tätigkeiten. Keinen Antrieb mich auf die Suche nach Alternativen zu machen. 

Soll ich die Freudlosigkeit einfach weiter ertragen, bis Corona wieder ein abwechslungsreiches Leben zulässt? Mich abfinden mit dieser reduzierten Stimmung? Einfach weiter machen mit meiner Arbeit wie bisher, weil das genau das Leben ist, das mir entspricht? Kann ich hier eine Entscheidung treffen oder wird mich dieses Dilemma dauerhaft begleiten?

Ich bin ratlos! 

Mittwoch, 30. Juni 2021

MV und Regio 2021 in Stuttgart

Mitgliederversammlung, Regio 2021 in Stuttgart
Bisher Angst vor meinen Auftritten dort 
Vor 3 Tagen schreckliche hysterischer Unruhezustand mit nahezu Kontrollverlust
Moderation MV
Geschäftsbericht
Wahlen
Begrüßung 
Vortrag "Meine Krisenerfahrungen und was daraus folgt"
Heute Morgen Ruhe in der Brust
Freude auf Zugfahrt mit Steffi
Was kommt, das kommt
Mich einbringen
Authentisch bleiben 
Was habe ich zu verlieren
Meine Existenz ist unabhängig von allem dem
Lass die Leute reden
Sorge für dich
Sorge für Karin und dich

Hadere nicht!

Hadere nicht!
Niemand zwingt dich so zu leben
Deine Neigungen treiben dich dem zu was du bist
Orientiere dich nicht am Sollen
Orientiere dich an deiner inneren Stimme 
Aber wie unterscheide ich?
Du wirst merken, wenn die Zeit gekommen ist 
Um zu entscheiden
Um zu handeln 
Bis dahin: Lebe deine Gegenwart 

Frei genug?

Nicht wissend wie
Verloren zwischen Zielen und Mails
Hetze ich hinterher 
Wo ist der Genuss?
Die Lenenslust
So viel läuft schief!
Wirklich? 
Vielleicht bin ich eben das 
Und es entspricht mir?
Lege dein eigenes Maßband an
Erst wenn du die Gegenwart annimmst 
Bist du frei genug anders zu leben 

Den positiven Blick gewinnen - das Leben neu gestalten - Paradigmenwechsel mit 60

Versuchs doch mal mit Optimismus! Den anderen empfiehlst du den Blick auf das Positive und selbst drehst du sich in negativen Abwärtsspiralen. Suchst geradezu was nicht geht und wo es Probleme geben könnte und siehst nicht wieviel Gutes in deinem Leben passiert. Wieviel Glück du trotz allem gehabt hast. Du hast eine Ehefrau, die dich liebt, du hast keine finanziellen Probleme, du bist gesund. Du musst dich nur dem Alter stellen. Bewusst das Schwinden deiner körperlichen und kognitiven Kräfte akzeptieren. Was nutzt es darüber zu jammern? Es ist, wie es ist. Es ist an der Zeit eine andere Lebensform für dich zu finden und vor allem im LVPEBW weniger zu machen. Wenn du ehrlich bist, interessieren dich viele der Themen sowieso nicht mehr. Es reizt dich noch, eine Art Selbsthilfemanager zu sein, aber Interessenvertreter bist du nur noch am Rande. Wage es doch einfach ins kalte Wasser zu springen und dein Leben neu zu sortieren. Es ist wirklich an der Zeit.

Und bewahre bzw. lerne das Positive zu fokussieren. Behalte dir das immer im Bewusstsein. 

Probleme und Klagen? Nein danke! Zuversicht, Vertrauen und Hoffnung. Der Blick auf das was gut ist und die entsprechende Dankbarkeit. Ein Paradigmenwechsel mit 60. Gehen wir es an. Und dabei nicht Perfektion erwarten, sondern die Tendenz erhalten. Dann wird wieder alles gut. 

Freitag, 25. Juni 2021

Was heißt schon genießen...

Genieße ich eigentlich mein Leben? Es gibt so viele Dinge, die man tun kann. Von einem Spaziergang ums Haus, bis zu einer langen Reise. In die Natur gehen, sich bewegen, sich mit vielem beschäftigen.
Und ich? Gehe nur aus dem Haus, wenn ich einen Termin habe. Schreibe stundenlang mit dem Smartphone und beschäftige mich mit Psychiatriethemen. Meine Frau hat sich mehr oder weniger damit abgefunden, weil sie weiß, dass ich das brauche. Immer wieder sagen mir Menschen, dass ich falsch lebe. Dass ich zu einseitig bin. Dass ich etwas für meinen Körper tun soll - ich habe Übergewicht und bin beim Treppensteigen sofort außer Atem. Meine Ergotherapeutin nennt mich einen Therapiekonsumenten, weil ich nichts von dem umsetze, was wir in guten Gesprächen verabreden.
Und nun? Was tun? Eigentlich tue ich ja, was ich will. Niemand zwingt mich zu diesem Leben. Das Meiste mache ich ohne Bezahlung. Ist es sinnvoll mir immer wieder meine Unfähigkeit zu genießen vorzuhalten? Immer das Gefühl zu haben, ich verhalte mich nicht richtig. Sicherlich, meine Art zu leben ist nicht gesund und vermutlich würde es mir sogar besser gehen, wenn ich anders leben würde. Aber würde ich es nicht tun, wenn es mir entspräche? Sollte ich es nicht einfach annehmen, wie es nun mal ist, ohne ständig mit mir zu hadern? Einfach aufzugeben mich ändern zu wollen? Ich bin jetzt fast 60. Wieviel ist da überhaupt noch möglich?

Ich weiß es nicht! Was meinst du dazu, lieber Leser? 

Dienstag, 8. Juni 2021

Schlaflosigkeit und Entscheidungsanalyse

Fast 5 Uhr. Noch keine Minute geschlafen. Macht es noch Sinn nach Schlaf zu streben. Licht aus und sich beherrschen nicht das Licht gleich wieder anzumachen und eine Idee ausführen, die mir gerade gekommen ist? Typische Anzeichen für einen manischen Zustand. Soll ich mir Sorgen machen um den nächsten Tag. Die ersten Vögel höre ich schon singen. Die Nacht ist so voll von inneren Wundern. Die Zeit verrinnt wie im Flug. Von einer Beschäftigung treibt es mich mit Freude und Energie zur nächsten. Die Schwankungen sind kaum berechenbar. Wenn ich einen vollen und erfüllten Tag habe mit vielen Außenreizen, dann ist die Schlaflosigkeit vorprogrammiert. Heute nach dem Seminar bin ich schwankend geworden, ob ich nicht doch EX-IN Trainer bleiben soll? Das ist eine sehr, sehr schwierige Entscheidung. Die Schwerste seid langem. Soll ich es wagen wieder über meine Grenzen zu gehen. Die Zweifel und die Unsicherheit aushalten. Die nötige Disziplin aufzubringen, was die Vorbereitung der Module anbelangt. Und vor allem diese drei langen Tage auszuhalten und zu bestehen. Andererseits könnte ich so viel zurück bekommen. Wertvolle Begegnungen, weitere Erfahrungen als Trainer sammeln. Das alles wiegt als Argument für den Kurs schwer. Noch kann ich mir Zeit lassen. Noch kann ich meinen Selbstwert und mein Selbstbewusstsein wieder aufbauen. Aber ich weiß auch, wie fragil das alles bei mir ist. Wie sehr ich leiden kann vor einem Modul, weil ich überhaupt kein Selbstvertrauen mehr zu mir habe. Karins Haltung ist klar. Sie sieht nur die Belastung und meine Ängste und macht sich auch Sorgen, dass ich wieder eine Psychose bekommen könnte. Aber sie hat durchaus auch eigene Interessen dabei. Wenn es mir eegen des EX-IN Kurses schlecht geht, dann ist auch sie belastet. Insofern ist es für sie angenehmer, wenn ich ein ruhiges und solides Leben führe. Da ist guter Rat teuer. Im Moment weiß ich nicht, wann ich mich endgültig entscheiden muss, obwohl ich mich ja fast schon entschieden hatte. Aber wenn das Modul 3 im ZfP erfolgreich verläuft, dann ist wieder alles offen. 

Donnerstag, 3. Juni 2021

Tiefe Seele

Seit 1 Uhr wach
Geschrieben
Um 5 Uhr in der Küche getanzt 
Beth Hart "Bad Women Blues" 
Den Kopfhörer auf maximaler Lautstärke 
Wenig Bedenken wegen des nächsten Tages
Glück?
Ein kleines Abenteuer mit mir selbst 
Wenn schon das Leben so geordnet ist
Von Hoch zu Tief, vom Tief zum Hoch
Tägliches Einer- und Allerlei
Kleine Fluchten

Lass es. Stop. 

Du bist der Regisseur deines Lebensfilm
Du lebst das Leben, das du dir ausgesucht hast
Deshalb klage nicht
Ein Bereuen gibt es nicht
Große Gefühle brauchen keine große Welt 
Sondern eine tiefe Seele 



Moment

Freue dich
Da ist kein Kampf
Du hast viel geschlafen
Jetzt, 2 Uhr nachts, packt dich die Sehnsucht
Nach jugendlichem Eifer 
Versuch einer versöhnlichen Botschaft 
Kein Klagen, Jammern, Wehschrei
Kein glückliches Jauchzen
Sein
Schweben im Moment 
Das Gestern und das Morgen scheinen vergessen 
Der ruhige Augenblick jetzt zählt 
Und führt dich zum Ausdruck 
Freue dich
Kein Schmerz 
Tiefes Einatmen der Stille 
Nichteinmal Freude

Sonntag, 23. Mai 2021

Der LVPEBW - gestern, heute, morgen

Der LVPEBW – gestern, heute, morgen
Rückblick und Ausblick aus persönlicher Sicht
Rainer Höflacher

Der Landesverband Psychiatrieerfahrener Baden-Württemberg e.V. wurde 1993 als Landesarbeitsgemeinschaft zunächst ohne Vereinsstatus in Heidelberg im Zuge der entstehenden Selbsthilfebewegung in der Psychiatrie gegründet. Er verstand und versteht sich bis heute als Interessenvertretung psychiatrieerfahrener Menschen in Baden-Württemberg. Mit Stand Juni 2021 hat der LVPEBW 456 Einzelmitglieder mit kostenfreier Mitgliedschaft und 11 Selbsthilfegruppen und -organisationen als beitragszahlende Mitglieder. Er verfolgt seinen Vereinszweck mit den Mitteln der Gremienarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Stellungnahmen, Beratung, Vernetzungsarbeit und der Durchführung von Projekten zur seelischen Gesundheit im weitesten Sinne. Pauschal und auch projektbezogen wird der LVPEBW über die Selbsthilfeförderung der Krankenkassen und des Landes Baden-Württemberg finanziert. Seit kurzem wird versucht auch andere Finanzquellen zu erschließen.

Die Zeit der Gründung

In der Zeit, als die ersten Selbsthilfegruppen Psychiatrieerfahrener entstanden, in denen sich dann oft auch die Menschen fanden, die sich für bessere psychiatrische Hilfen und Strukturen einsetzten, entwickelte sich auch der Partizipationsgedanke in der Psychiatrie. Von einer entsprechenden Partizipationskultur war man noch weit entfernt. In diesem Kontext entschlossen sich die Gründer des LVPEBW eine Interessenvertretung für psychiatrieerfahrene Menschen in Baden-Württemberg aufzubauen. Es gab damals kaum die Möglichkeit, dass auch Psychiatrieerfahrene am psychiatriepolitischen Diskurs teilnehmen konnten. Viele Fachleute trauten ihnen dies auch nicht zu. Anfang der 90er Jahre war die Zeit, als sich das änderte und die Psychiatrieerfahrenen begannen sich selbst zu organisieren. Themen wie "Gewaltfreie Psychiatrie", "Durchsetzung von Rechten" und "Umgang mit Psychopharmaka" verbanden sie damals. Der Ton der Psychiatrieerfahrenen gegenüber den Fachpersonen war rauer als heute, teilweise unversöhnlich und nicht selten beleidigend.

Themen, die den LVPEBW seither begleiten

Aus dem psychiatriepolitischen Engagement der Psychiatrieerfahrenen entwickelten sich nach und nach Themen, die den LVPEBW bis heute begleiten:

Beschwerdestellen: Schon Mitte der 90er Jahre wurden die ersten Beschwerdestellen in der Psychiatrie gegründet. Die Beschwerdestelle Stuttgart war eine der ersten, wenn nicht die Erste und war lange Zeit beispielgebend für andere Beschwerdestellen, als Ort, wo psychiatrieerfahrenen Menschen dabei geholfen wird, ihre Rechte durchzusetzen, weil sie es aufgrund ihrer Einschränkungen und der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen besonders schwer damit haben. Dies passt genau in die Agenda des LVPEBW. Der LVPEBW hatte auch großen Anteil daran, dass mit dem Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) in Baden-Württemberg die unabhängigen, trialogisch besetzten Informations-, Beratungs- und Beschwerdestellen (IBB-Stellen) flächendeckend und vom Land finanziert aufgebaut wurden. Das war aus Sicht der Psychiatrieerfahrenen ein großer Erfolg, auch wenn die IBB-Stellen nicht überall die Erwartungen an sie erfüllen.

Krisendienste: Zusammen mit vielen Fachleuten und den Angehörigen fordert der LVPEBW schon seit vielen Jahren, dass in Baden-Württemberg Krisendienste bzw. in ländlichen Gebieten Netzwerke der Krisenhilfe aufgebaut werden. Es ist auch heute noch eine große Schwachstelle der psychiatrischen Hilfen, dass Menschen vor allem außerhalb der allgemeinen Dienstzeiten in Krisensituationen alleine gelassen werden und vielen nichts anderes übrigbleibt, als stationär in die psychiatrische Klinik zu gehen, ganz abgesehen davon, dass das Erleben von psychischen Krisen mit großem persönlichen Leiden verbunden ist. Es scheint in Baden-Württemberg unmöglich eine angemessene Finanzierung zur Beseitigung dieses Missstandes zu entwickeln. Andere Bundesländer wie Bayern machen es uns vor, wie Krisenbegleitung sinnvoll funktionieren kann.

Aufsuchende Hilfen: Ebenfalls eine sehr alte Forderung ist, dass vermehrt die Möglichkeit geschaffen wird, dass auch über akute Krisen hinaus Unterstützung gerade auch aufsuchend im häuslichen Umfeld stattfindet. Vor einigen Jahren initiierten der LVPEBW, der Landesverband der Angehörigen und der Fachverband Psychiatrie des Diakonischen Werks Württemberg mit Hilfe des ZfP Südwürttemberg eine große Veranstaltung zum Thema Home Treatment, was letztendlich zur Gründung der Arbeitsgruppe Modellprojekte nach § 64b im Sozialministerium und daraus folgend zu zwei Projekten mit Home Treatment führte. Home Treatment trat allerdings wieder in den Hintergrund, als auf der Bundesebene die stationsäquivalente, psychiatrische Akutbehandlung (StäB) eingeführt wurde. Darauf entschloss sich der LVPEBW StäB zu unterstützen, die zwar aus der Idee und den Erfahrungen des Home Treatments entstanden ist, sich aber konzeptionell vom Home Treatment unterscheidet – und das teilweise nachteilig. Aber auch die aufsuchenden Hilfen der Sozialpsychiatrischen Dienste (SpDi) sind für den LVPEBW von großer Wichtigkeit. Wir sehen hier die Gefahr, dass durch die Betonung vor allem der Vermittlungsfunktion des SpDi, wie es das Sozialministerium anstrebt, die bewährte – allerdings noch nicht überall umgesetzte - aufsuchende Arbeit des SpDi und die Möglichkeit von flexiblen, auch langfristigen Begleitungen geschwächt wird.

Heime: Seit langem ist es ein in der Psychiatrie präsentes Thema, dass in Pflegeheimen auch viele jüngere psychisch erkrankte Menschen seien, die eigentlich im Rahmen der Eingliederungshilfe gefördert werden sollten (diese Heime heißen im SGB IX nun „besondere Wohnformen“). Ein zweiter Missstand ist es, dass Menschen, für die kein passendes Angebot in der Gemeinde gefunden werden kann, teilweise weit entfernt von ihrem bisherigen Wohnort (nicht selten in andere Bundesländer) in ein Heim ziehen müssen, wodurch natürlich die bisherigen sozialen Kontakte verloren gehen. Der KVJS erhebt seit Jahren in seiner Dokumentation der Gemeindepsychiatrischen Verbünde dazu Daten. Seit 2020 hat sich das Sozialministerium speziell dieses Themas verstärkt angenommen. Es werden die aus Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse anhand von 4 Modellregionen mit Umfragedaten untersucht und Daten aus den psychiatrischen Kliniken analysiert. Dies betrifft vor allem Psychiatrieerfahrene mit komplexen Erkrankungsbildern.

Themen aus jüngerer Zeit

EX-IN: Parallel zu den Auseinandersetzungen mit den psychiatrischen Versorgungsstrukturen begann auch schon in den 80er Jahren die Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Krankheit und Genesung. Es entstanden Psychose-Seminare, es entwickelte sich der Recovery-Ansatz und dann in jüngerer Zeit auch das Konzept einer „Berufs-Qualifizierung“ für die Genesungsbegleitung, nämlich EX-IN (Experienced-Involvement=Beteiligung von Erfahrenen). Nachdem EX-IN Stuttgart, als erste EX-IN Initiative in Baden-Württemberg, vom LVPEBW 2009 in die Trägerschaft der Offenen Herberge Stuttgart wechselte, war EX-IN für den LVPEBW zeitweise ein untergeordnetes Thema. Obwohl EX-IN erst 2005 in Bremen und Hamburg gestartet ist, hat es in der Psychiatrielandschaft eine große Dynamik entwickelt. In Deutschland gibt es aktuell etwas 35 Städte in denen EX-IN-Kurse angeboten werden. Immer mehr Einrichtungen beschäftigen EX-IN-ausgebildete, bezahlte Genesungsbegleiter. Grundsätzlich ist das sehr zu begrüßen – eine Nebenwirkung ist allerdings auch, dass immer weniger Psychiatrieerfahrene bereit sind, sich in der Interessenvertretung ehrenamtlich zu engagieren, da es dort nur in Ausnahmefällen eine finanzielle Entlohnung gibt. Insgesamt verbreitet sich unter Psychiatrieerfahrenen immer mehr eine materielle Orientierung, die zwar verständlich ist, aber das ehrenamtliche Engagement schwächt. Wenn es in Zukunft weiter fast unmöglich ist, als Interessenvertreter eine Anstellung oder zumindest eine Aufwandsentschädigung zu bekommen, wird eine signifikante Weiterentwicklung auf diesem Gebiet kaum möglich sein. Was EX-IN anbelangt hat der LVPEBW versäumt bei einem sehr wichtigen Thema aktiv zu bleiben. Es stellt sich allerdings auch die Frage, was der LVPEBW bei seinen Voraussetzungen zur EX-IN-Bewegung beitragen hätte sollen? In Rheinland-Pfalz ist das Landesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit Träger von EX-N-Kursen. Dies ist dem LVPEBW in Baden-Württemberg nicht gelungen.

Durch EX-IN ist in der Psychiatrie eine psychiatriepolitisch zunächst einmal unabhängige, eigene Bewegung entstanden. Es wird sich zeigen, wie sich diese in das psychiatriepolitische Umfeld einfügt und ob sie die Interessenvertretungen schwächt oder ob durch EX-IN sogar neue Interessenvertreter*innen gewonnen werden können. Hier hat auch der LVPEBW eine Möglichkeit auf die Entwicklung von EX-IN in Baden-Württemberg Einfluss zu nehmen, nämlich durch Vernetzung mit den verschiedenen EX-IN-Standorten in Baden-Württemberg, die es inzwischen neben Stuttgart auch in Heidelberg, Friedrichshafen und Freiburg gibt, und durch eine engere Zusammenarbeit mit dem Landesverband EX-IN BW, der 2016 gegründet wurde. Wie das im Detail aussehen kann, ist im Moment noch unklar.

Seit einigen Jahre hat sich der LVPEBW des Themas Recovery angenommen. Der LVPEBW hat erkannt, dass mit der Umsetzung des Recoverykonzeptes die Art und die Qualität von Behandlung und Begleitung grundlegend verändert werden kann. Deswegen versucht der LVPEBW den Recoveryansatz breit und umfänglich in Baden-Württemberg zu fördern und innerhalb seiner Möglichkeiten umzusetzen. Zwei Vorstände sind auch maßgeblich am Aufbau der Recoverycolleges in Stuttgart und Freiburg beteiligt. Dieses Engagement wird im LVPEBW fortgesetzt werden.

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass nicht zuletzt durch EX-IN der Recovery-Ansatz in Deutschland eine weitere Profilierung erfährt dadurch, dass in immer mehr Regionen sogenannte Recoverycolleges aufgebaut werden, als Bildungseinrichtungen für seelische Gesundheit. Diese Entwicklung zeigt, dass in Deutschland eine bestimmte Vorstellung von Genesung und professioneller Unterstützung, die im Grunde nicht neu ist, einen Namen bekommen hat.

Bundesteilhabegesetz (BTHG): Seitdem es am 30.12.2016 in Kraft getreten ist, ist das BTHG, das am 1. Januar 2023 seine Wirkung verliert und dann vollständig ins SGB IX übergeht, das beherrschende Thema in der Behindertenhilfe. Obwohl beim LVPEBW derzeit ein Mitglied auf höchster Ebene im Sozialministerium in den Entwicklungsprozess eingebunden ist, ist es dem LVPEBW nicht gelungen, dieses Thema angemessen in seiner Agenda zu würdigen. Man wird sehen, ob es gelingt die AG BTHG im LVPEBW wiederzubeleben, was aktuell versucht wird. Dass in der Leitung zum Großteil kein großes Detailwissen zum BTHG vorliegt, ist ein Schwachpunkt. Allerdings ist es durch die Komplexität der Thematik und aufgrund der ständigen Veränderungen im Prozess sehr schwer hier aktiv zu sein. Es braucht sehr viel Zeit, hier auf dem Laufenden zu bleiben, das Durchhaltevermögen zu haben viele Seiten Gesetzestexte und komplizierte Fachsprache zu lesen und dabei trotzdem all die anderen Aufgaben im LVPEBW zu bewältigen. Die Gefahr ist groß, dass so die notwendige Kraft und Motivation für die Beschäftigung mit dem BTHG verloren gehen, andererseits handelt es sich um ganz zentrale Themen in der Weiterentwicklung des Hilfesystems. Gerade auch zu diesem Themenbereich erscheint es wichtig über neue, den Vorstand unterstützende Arbeitsformen und Maßnahmen nachzudenken.

Drei den LVPEBW prägende Menschen

Drei Personen sind besonders zu erwähnen, wenn es darum geht in die Vergangenheit des LVPEBW zu blicken: Ursula Zingler, genannt Uschi, die von Beginn an bis zu ihrem überraschenden Tod im Jahr 2010 den Verein als Vorsitzende geleitet hatte. Klaus Laupichler der das Amt des Vorsitzenden von Uschi Zingler nach deren Tod übernahm. Und Karl Heinz Eßer, der von 1993 bis 2012 die Kasse des LVPEBW führte und heute noch als Ehrenvorstand mitarbeitet.

Ursula Zingler hat begleitend zu ihrer Arbeit als Korrektorin und Betriebsrätin beim Thieme Verlag für den LVPEBW Großes geleistet. Schon im Jahr 1991 hat sie die Initiative Psychiatrie-Erfahrener Stuttgart gegründet, wo sie 2001 ihr Sprecheramt abgab. 10 Jahre war sie in Stuttgart als Interessenvertreterin Psychiatrieerfahrener eine feste Größe und dort aktiv in den Gremien gewesen. Sie hat 1996 die Beschwerdestelle Psychiatrie Stuttgart mitgegründet, in der sie bis zu ihrem Umzug von Esslingen nach Laufen am Neckar mitgearbeitet hat. Sie war lange Zeit auch im geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener (BPE) engagiert und war bundesweit bekannt als kompetente und unermüdliche Streiterin für die Rechte psychiatrieerfahrener Menschen. Sie war eine starke Frau und scheute es auch nicht Konflikte auszutragen. Vor allem aufgrund inhaltlicher Differenzen mit dem BPE zog sie sich Ende der 2000er Jahre von der Bundesebene zurück und widmete sich seitdem ausschließlich dem LVPEW, der im Jahr 2006 den Vereinsstatus angenommen hatte, vor allem um weiterhin seine Finanzierung zu sichern.  Ursula Zingler hat die Anliegen von Psychiatrieerfahrenen zu einem Lebensthema gemacht. Sie bezeichnete sich als Depressionserfahrene, die aus eigener Arbeit an sich selbst dauerhafte Genesung erlangt hat. Ursula Zingler wurde mit dem Bundesverdienstkreuz für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt.

Der zweite Mitgründer des LVPEBW, Karl Heinz Eßer, bildete mit Ursula Zingler bis zu deren Tod ein sehr wirksames Team mit großer persönlicher Verbundenheit. Karl Heinz Eßer arbeitet eher im Hintergrund, als kluger und erfahrener Berater und sicherte dem LVPEBW die Finanzen, ohne die dieser nicht in diesem Maße arbeitsfähig gewesen wäre.

Die dritte Person, die den LVPEBW geprägt hat, war Klaus Laupichler. Er war in seinem Leben in fast aussichtloser Lage gewesen. Alkoholsüchtig, obdachlos, später dann hochdosiert mit Psychopharmaka im psychiatrischen Wohnheim. Er hat es geschafft mit großer Anstrengung und viel Disziplin wieder auf einen guten Weg zu kommen und war jahrelang im Bundesverband Psychiatrieerfahrener (BPE) engagiert und dort auch Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes gewesen. Er war in vielen Gremien in ganz Deutschalnd tätig. Mit seiner sehr eindrucksvollen Persönlichkeit mit einer Mischung aus Dickköpfigkeit und enormer Empathie für seine Mitmenschen, erreichte Klaus Laupichler bundesweite Bedeutung und war sehr gut vernetzt. Mit seiner Art alle Perspektiven zu sehen und seinen guten und oft tiefen Beziehungen - auch zu Psychiatrie-Fachkräften - hinterließ Klaus Laupichler nach seinem überraschenden Tod am 16. April 2015 eine große Lücke in der Selbsthilfebewegung Psychiatrieerfahrener. Wenn man Klaus Laupichler traf, vergaß man diese Begegnung nicht und selbst wenn er nur wenige Worte sagte, so blieben einem diese in bleibender Erinnerung. Man merkte einfach: er wusste wovon er sprach. Bei seinen Auseinandersetzungen mit den Fundamentalisten im BPE musste er viele Anfeindungen und Kränkungen aushalten. Aber er ging unbeirrt seinen Weg und als er 2010 im LVPEBW das Amt des Vorsitzenden übernahm begann eine neue Ära im LVPEBW, die die Bedeutung des LVPEBW im Baden-Württemberg nochmals deutlich steigerte.

Es gab viele weitere aktive Menschen, die mit den Jahren kamen und auch wieder gingen. Alle haben sie sich für den LVPEBW eingesetzt. Es sei ihnen gedankt. Genannt werden sollen hier stellvertretend die bisherigen Vorsitzenden. Bis heute bekleideten seit Gründung folgende Personen das Amt des/der Vorsitzenden: Ursula Zingler, Klaus Laupichler, René Müller, Bernhard Dollerschell

Vereinskrise von 2013 bis 2015

Schon in der Ära Zingler gab es immer wieder Streit innerhalb des Vorstandes oder auch mit einigen Mitgliedern. Die Differenzen entstanden durch persönliche Unverträglichkeiten und weil die betreffenden Personen die professionelle Psychiatrie als Gegner, ja teilweise sogar als Feind sahen. Obwohl der LVPEBW damals durchaus auch aggressiv seine Positionen vertrat, gingen Ursula Zingler diese extrem antipsychiatrischen Überzeugungen zu weit. Sie zeigte hier viel Durchhaltevermögen und überstand alle Konflikte. Kurz nach ihrem Tod spitzte sich ein Streit im Vorstand zu einer handfesten Vereinskrise zu. Es entstanden zwei Lager, die sich unschön bekämpften. Beide Seiten machten in der Art und Weise, wie der Konflikt geführt wurde Fehler. Es wurden Kooperationspartner in den Streit mit hineingezogen bis hin zum Sozialministerium. Erst als sich zwei wichtige Gegenspieler des Streites zurückzogen, beruhigte sich die Situation. Als Ergebnis des langjährigen Entwicklungsprozesses im LVPEBW kann festgestellt werden, dass sich die eher konfliktbereiten und lauten Mitglieder sich nach und nach aus dem LVPEBW zurückzogen.

Der LVPEBW und die Bundesebene

Diese Entwicklung im LVPEBW führte auch letztendlich zum endgültigen Zerwürfnis mit dem BPE. Immer schon bestand ein Konflikt zwischen der fundamentalistischen Sicht des BPE und der eher gemäßigten Position des LVPEBW. Dieser Konflikt eskalierte, als in Baden-Württemberg damit begonnen wurde ein Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) auf den Weg zu bringen, das dann 2015 in Kraft trat. Um seine politischen Ziele durchzusetzen, gründete der BPE im Vorfeld in Baden-Württemberg eine Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg, um auf die Ausgestaltung des neuen Gesetzes Einfluss zu nehmen, betrieb also eine Spaltung. Diese LAG verschwand aber wieder aus der Psychiatrielandschaft, als das PsychKHG fertiggestellt war. Es kam auch zu mehreren unschönen Szenen in Veranstaltungen, wo Mitglieder des BPE deren Ablauf störten. Dieses Auftreten hatte beim Landespsychiatrietag 2015 wohl seinen Höhepunkt, als sogar der Sozialminister versuchte den Streit zu schlichten.

Als dann der damalige Vorsitzende und sein Geschäftsführer öffentlich äußerten, dass eine Zwangsbehandlung als Ultima Ratio im Einzelfall sinnvoll sein kann, wurden die beiden aus dem BPE ausgeschlossen, weil dies als eine für den BPE vereinsschädliche Äußerung interpretiert wurde. Daraufhin kündigte der LVPEBW seinen Sitz im erweiterten Vorstand des BPE und machte sich vollständig unabhängig vom ihm. Heute bestehen mit dem BPE keinerlei Kontakte mehr und es ist im Vorstand des LVPEBW nicht einmal bekannt, ob sich der BPE seitdem in seiner politischen Haltung und seinem Handeln verändert hat. Derzeit gibt es seitens des LVPEBW keine Bestrebungen wieder auf den BPE zuzugehen, obwohl die frühere Arbeit des BPE nicht grundsätzlich und ausschließlich als schlecht angesehen wird.

Da auch in anderen Bundesländern die psychiatrische Selbsthilfe-Szene nicht überall mit der Entwicklung im BPE einverstanden war und den professionellen Fachverbänden vermehrt Ansprechpartner für bestimmte Themen fehlten, gründete sich im Jahr 2016 als Alternative zum BPE das Bundesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit, kurz NetzG genannt. NetzG wird stark von dem politisch einflussreichen Verein Aktion psychisch Kranke (APK) unterstützt. Zeitweise war der damalige Geschäftsführer des LVPEBW Vorstandsmitglied von NetzG. Heute ist der LVPEBW dort Mitglied und es bestehen gute Kontakte. Somit hat der LVPEBW über NetzG auch die Möglichkeit auf Themen des Bundes Einfluss zu nehmen.

Kooperativer Partner oder streitbarer Gegener?

Während früher eher der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Willkür in der Psychiatrie im Vordergrund stand, entwickelte sich der LVPEBW allmählich mehr in Richtung der Verbesserung der psychiatrischen "Versorgung". Auch schon Ursula Zingler war im Gegensatz zum BPE in vielen Fällen zur Kooperation mit dem professionellen Psychiatrie-System bereit. Diese Entwicklung verstärkte sich unter der Führung der ihr folgenden Vorsitzenden. Heute hat sich der LVPEBW für eine weitgehend kooperative Zusammenarbeit im Trialog entschieden und bringt seine Positionen als integrierter Akteur ein. Dies kann durchaus auch kritisch gesehen werden, da durch die jahrelange, gute Zusammenarbeit mit professionellen Verbänden und Fachpersonen Beziehungen, aber auch Abhängigkeiten entstehen, die auch in bestimmten Fällen verhindern können, dass konfliktträchtige Themen auch tatsächlich angesprochen werden. Immerhin decken sich die psychiatriepolitischen Ziele des LVPEBW oft mit denen der professionellen Fachverbände und der Angehörigen, so dass es häufig zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit kommt. Gemeinsam, im Trialog, versuchen die Verbände neue Konzepte und Behandlungsformen gegenüber dem in Teilen noch in Tradition und Gewöhnung verhafteten psychiatrischen Hilfesystem durchzusetzen. Es ist den führenden Personen im LVPEBW zuzurechnen, aber auch einer Psychiatrie, die ihren Schrecken von früher immer mehr verliert, dass die Haltung und das Verhalten des LVPEBW milder geworden ist. Manche bedauern und kritisieren dies, da der LVPEBW inzwischen wohl als weniger streitbar wahrgenommen wird. Ohne Konfliktscheu und mit Streitbarkeit gegen Missstände anzugehen, das braucht es in der Psychiatrie ohne Zweifel immer noch. Es könnte auch sein, dass der LVPEBW aufgrund mangelnder Konfliktbereitschaft wichtige Themen nicht ausreichend voranbringt oder gar nicht erst aufgreift. Das Thema "Zwang und Gewalt" ist ein gutes Beispiel dafür.

Nachdem es gerade hier große inhaltliche Konflikte innerhalb der Selbsthilfe gab, mit zum Teil heftigen Kränkungen auch auf der persönlichen Ebene, hat sich der LVPEBW erst mal von diesem für die Psychiatrie eigentlich so wichtigen Thema zurückgezogen. Man wird sehen, wie es sich darstellt, wenn neue Personen beim LVPEBW in die Leitung kommen.

Als ein Ergebnis dieser Umorientierung des LVPEBW ist dieser heute gut vernetzt auf Landesebene, ist als Interessenvertretung anerkannt und gefragt, seine Stellungnahmen werden in der Regel gehört und ernst genommen. Die Philosophie des LVPEBW ist es, durch ein konstruktives Miteinander und nicht durch ein Gegeneinander seine Positionen durchzusetzen. Diese Strategie ist durchaus immer wieder auch reflexionswürdig, aber sie entspricht der Mentalität der Verantwortlichen im LVPEBW und ist insofern konsequent. 

Der LVPEBW als Dach von Selbsthilfegruppen

Bis 2018 standen auf der Website des LVPEBW ca. 40 Selbsthilfegruppen als dem LVPEBW zugeordnet. Leider wurde versäumt den Kontakt zur Basis systematisch zu pflegen und am Leben zu erhalten. Als dann die Krankenkassen für ihre finanzielle Förderung forderten, dass Beiträge erhoben werden müssen – bis dahin war die Mitgliedschaft im LVPEBW kostenfrei - wurde ein Mitgliedsbeitrag für Selbsthilfegruppen erhoben. Einzelpersonen können nach wie vor kostenfrei beim LVPEBW Mitglied sein. Bisher waren die Selbsthilfegruppen mit dem LVPEBW lose verbunden. Als diese reguläre Mitglieder mit Mitgliedsbeitrag werden mussten, reduzierte sich deren Anzahl erheblich, obwohl die Selbsthilfegruppen den Mitgliedsbeitrag über ihre Pauschalfinanzierung durch die Krankenkassen wieder zurückerstattet bekommen hätten.

Auch heute noch ist der Kontakt zu den lokalen Selbsthilfegruppen sehr verbesserungswürdig. Email- und Telefonaktionen, um neue Selbsthilfegruppen zu werben, verliefen erfolglos. Im Vorstand gibt es sehr unterschiedliches Wissen um die Menschen in den Selbsthilfegruppen vor Ort, das dem Gesamtvorstand nicht zur Verfügung steht. Eine schriftliche Fixierung wäre hier wichtig, damit dieses Wissen mit dem Wechsel von Personen im Vorstand nicht verloren geht.

Projekt Engagierte gewinnen

Im Jahr 2018 war die Situation dann so, dass der Vorstand harmonisch und erfolgreich zusammenarbeitete, dass es aber nur noch wenige Mitglieder gab, die sich ergänzend zum Vorstand intensiv im Verband engagierten. Als Konsequenz darauf startete der LVPEBW das Projekt "Engagierte gewinnen", in dem systematisch daran gearbeitet wurde, dass die Arbeit des Vorstandes auch wieder durch weitere aktive Mitglieder mitgetragen wird. Nachdem vorher der Versuch der Einführung eines Beraterkreises und danach der Aufbau einer Aktivengruppe gescheitert war, war die Hoffnung, mit diesem Projekt Erfolg zu haben, nicht allzu groß. Aber heute, mit Stand 2021, zeigt sich erste positive Wirkung, die Zuversicht aufkommen lässt. Mit der Entscheidung des Vorstandes, auch andere Menschen in Gremien zu delegieren, sind diesbezüglich jetzt schon einige Vereinsmitglieder an die Stelle der Vorstände getreten. Zudem konnte über eine große Werbeaktion ein Engagierten-Verteiler mit aktuell 20 Mitgliedern aufgebaut werden, die alle zusagten Interesse an einer Mitarbeit im LVPEBW zu haben. Darunter sind Menschen, bei denen sich jetzt schon herausragende Kompetenzen zeigen. Wenn es gelänge, dass diese weiteren Aufgaben im LVPEBW übernehmen, dann wäre dies für den LVPEBW ein weiterer großer Schritt vorwärts.

Es zeigt sich aber auch, dass das vermehrte Einbinden von Menschen in die Vorstandsarbeit, mit einem größeren Aufwand für die beiden Vorsitzenden verbunden ist. Neben der inhaltlichen Arbeit an Themen und der Vernetzungsarbeit mit anderen Verbänden kommt nun die Aufgabe auf die Vorstände zu, den neuen Engagierten unterstützend zur Seite zu stehen. Ziel muss es sein, dass die Engagierten selbstständiger und eigenverantwortlicher mitarbeiten. Dies braucht aber Zeit und Geduld auf Seiten des Vorstandes. Optimal wäre es, wenn sich unter den Engagierten Eigeninitiative entwickeln würde und Themen eigenständig vorangebracht werden würden. Wobei sich der Vorstand seiner Verantwortung und seiner Verpflichtung zur Zusammenarbeit und inhaltlichen Koordination selbstverständlich nicht entziehen will. Es gilt die Regel Verantwortung und auch Einfluss da abzugeben, wo es möglich ist, nicht zuletzt, weil die Einbeziehung in Verantwortung zu einer höheren Motivation und Identifikation der Mitglieder führen kann. Dazu gehört aber auch gegenseitiges Vertrauen, denn letztendlich ist es der geschäftsführende Vorstand, der die übergeordnete Verantwortung hat.

In diesem Zusammenhang ist auch zu reflektieren, ob wir im LVPEBW auch eine gute Kultur der Wertschätzung für ehrenamtliche Mitarbeit haben. Es wäre eine Überlegung wert, diese ganz konkret vermehrt zu würdigen. Sei es zum Beispiel über kleine Geschenke oder durch die Organisation eines jährlichen Engagiertenfestes. Bestimmt gibt es hierfür auch noch andere gute Ideen. 

Kontakt zur Presse und Politik

Zwei weitere Schwachstellen wurden erst jetzt im LVPEBW angegangen. Bisher gab es im LVPEBW außer über das Sozialministerium keine eigenen Kontakte zur Politik und Pressearbeit fand nicht statt, außer dass gelegentlich Artikel für Fachzeitschriften oder Buchbeiträge veröffentlicht wurden. Ein Mitglied des Engagierten-Verteilers überlies uns nun freundlicherweise seine Mailverteiler zu für uns relevanten Parteipolitikern und einen relativ großen Presseverteiler, sodass wir schon mit zwei Stellungnahmen diese Personenkreise kontaktieren konnten. Dies ist der erste Schritt hin zur eigenständigen Kontaktaufnahme zu Politikern, die unsere Themen aufgreifen und unterstützen könnten, und zur Presse, um zu größerer öffentlicher Aufmerksamkeit und mehr Wirksamkeit unserer Stellungnahmen zu kommen.

Der LVPEBW und die Angehörigen

Anders als in vielen anderen Bundesländern verbindet in Baden-Württemberg die Psychiatrieerfahrenen mit den Angehörigen eine lange Tradition von guter Zusammenarbeit. Obwohl es durchaus unterschiedliche Sichtweisen im LVPEBW und dem Landesverband der Angehörigen gibt, wie zum Beispiel bei der Bewertung von Zwang und Gewalt in der Psychiatrie, oder bei der Einschätzung mit dem Umgang mit Psychopharmaka, so führte dies nie zu ernsthaften Konflikten. Man kann die unterschiedlichen Positionen stehen lassen und sich auf die anderen zahlreichen Themen konzentrieren, bei denen eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Immer wieder verfassten der LVPEBW und der LVBWApK gemeinsame Stellungnahmen und planen jetzt sogar das gemeinsame Projekt IPAGs mit einem Volumen von ca. 280.000 €, das beide Verbände vor eine große Herausforderung stellt, sollte der Förderantrag angenommen werden. 

Das Projekt IPAGs

IPAGs ist die Abkürzung für "Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener und Angehöriger im Gemeindepsychiatrischen Verbund stärken". Mit diesem Projekt wurde im LVPEBW Neuland beschritten. Zum ersten Mal wird eine Finanzierung außerhalb der üblichen Selbsthilfeförderung angestrebt. Schon das Vorbereitungsprojekt für IPAGs wurde aus Landesmitteln gefördert und ein Antrag auf Projektförderung wurde bei Aktion Mensch gestellt. Aber auch von den Beteiligten her ergibt sich ein Novum. Es handelt sich um eine verbindliche Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Angehörigen mit der Unterstützung von zwei Psychiatrie-Fachpersonen in der AG Partizipation. Dies kann gut als Vorbild für weitere solche oder ähnliche Vorhaben dienen.

Das Projekt IPAGs ist eine Herausforderung und zugleich eine große Chance für den LVPEBW im großen Umfang ein ihm nahestehendes, ursprüngliches Thema anzugehen. Sollte der Antrag bei Aktion Mensch bewilligt werden, wird es sich zeigen, ob der LVPEBW zusammen mit dem Landesverband der Angehörigen ein Projekt in dieser Größenordnung angehen kann. Das würde alles an finanzieller Verantwortung bisher Dagewesene übersteigen. Es wäre schade, wenn die jahrelange Vorbereitung des Projektes nicht das gewünschte Ziel in geplanter Weise erreichen würde und mit weitaus weniger Ressourcen weiterverfolgt werden müsste.

Ein Verband für alle? Namensgebung des LVPEBW

Alles ist im Fluss. War Anfang der 90er Jahre die Bezeichnung „Psychiatrie-Erfahrene*r“ noch ein Fortschritt, weil dadurch nur die Erfahrung mit der Psychiatrie benannt und keine Krankheit oder Diagnose zugeschrieben wird, so wird heute festgestellt, dass das Wort „Psychiatrie-Erfahrener“ im Vereinsnamen manche Menschen abschreckt, die „nur“ in ambulanter psychiatrischer Behandlung oder Patient*in in einer psychosomatischen Klinik waren. Gerade diese Menschen aber könnten oft viel Energie und Wissen beim LVPEBW einbringen. Auch meinen nicht selten Menschen, die Erfahrungen mit seelischen Krisen haben, dass sie sich beim LVPEBW nur engagieren können, wenn sie Erfahrungen in der stationären Psychiatrie gemacht haben. Am Anfang der Verbandsarbeit stand ganz im Vordergrund die Auseinandersetzung mit den konkreten Problemen der psychiatrischen Einrichtungen und Dienste, insbesondere der Kliniken und das kam dann auch in der Namensgebung zum Ausdruck. Dann wurde daneben immer wichtiger sich auch mit Themen wie Partizipation und, Konzepten zu Genesung zu beschäftigen. Es ist eine grundlegende Entscheidung inwieweit sich der LVPEBW weiteren Personengruppen von seelisch erschütterten Menschen zuwendet, was eine große personelle Stärkung und auch die Auswahl neuer, zusätzlicher Themen zur Folge haben könnte. Dies muss gut überlegt sein und auch breit und ausführlich mit den Mitgliedern diskutiert werden.

Deshalb stellt sich heute auch die Frage, ob der Vereinsname „Landesverband Psychiatrie-Erfahrener“ noch zeitgemäß ist. Der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz (LVPE RLP) hat sich seit ein paar Jahren in Landesnetzwerk Selbsthilfe seelische Gesundheit Rheinland-Pfalz (NetzG RLP) umbenannt. Allerdings bestehen hier auch starke Personalunionen zum NetzG Bundesnetzwerk. Sollte sich auch der LVPEBW umbenennen in Landesnetzwerk seelische Gesundheit Baden-Württemberg (NetzG BW)? Dadurch würde eine Nähe zum NetzG Bundesnetzwerk sichtbar und vielleicht sogar eine vermeintliche Abhängigkeit davon nach außen signalisiert. Will man das? Auch die Namensänderung muss gut überlegt sein unter Einbeziehung der Mitglieder. 

"Bei den Schwächsten beginnen"

Einerseits wäre es an der Zeit, dass sich der LVPEBW der Entwicklung anpasst und alle Menschen mit Erfahrungen mit seelischen Krisen als Zielgruppe anspricht - auch die, die sich von der Bezeichnung Psychiatrieerfahrene*r nicht ohne weiteres angesprochen fühlen. Andererseits wäre das vielleicht eine Abkehr von dem Bekenntnis, sich gerade auch für die schwer psychisch erkrankten Menschen einzusetzen, nach dem Leitsatz des bekannten Sozialpsychiaters Klaus Dörner "Bei den Schwächsten mit der Unterstützung beginnen". Wenn man ehrlich ist, ist dieser Gedanke beim LVPEBW sowieso nicht mehr sehr präsent. Die Hochschwelligkeit der psychiatriepolitischen Arbeit setzt leider einen relativ fortgeschrittenen Genesungsweg der Akteure voraus, sodass die Gefahr für die politisch Aktiven besteht, sich von den schwer psychisch erkrankten Menschen zu entfernen. Es kann auch sein, dass wenn die eigenen dramatischen Erfahrungen mit der Psychiatrie weit zurückliegen, sich die innere Distanz zu den Problemen der gegenwärtig leidenden Menschen vergrößert. Somit muss es das Ziel sein, sich immer wieder auch zu vergegenwärtigen, dass schwer psychisch belastete Menschen häufig zu wenig Unterstützung bekommen, durch das Netz der Hilfen fallen und deshalb besonders auf eine Interessenvertretung angewiesen sind, die ihre Lage auch berücksichtigt. Leider es so, dass die Selbsthilfe nur selten Kontakt zu den Schwächsten bekommt, da es diesen in der Regel nicht gelingt an Selbsthilfegruppen teilzunehmen. Vielleicht könnten hier unter anderem über die IBB-Stellen, EX-IN-Genesungsbegleiter, Sozialpsychiatrischen Dienste und das Betreute Wohnen Kontakte aufgebaut werden, die zur Vermittlung dieses Personenkreises in Selbsthilfegruppen führen. Es kommt häufig vor, dass gerade schwer psychisch erkrankte Menschen nur noch Kontakt zu ihren professionellen Begleitern oder Behandlern haben und/oder isoliert und ausgegrenzt bei ihren Angehörigen leben. 

Weiterentwicklung des Verständnisses von Partizipation

Ein weiterer Ansatzpunkt, um dieser Problematik entgegenzuwirken, ist es, die Psychiatriefachpersonen dazu zu bringen, es mit Partizipation ernst zu nehmen und auf die persönlichen Gegebenheiten und Voraussetzungen der Interessenvertreter*innen einzugehen, soweit es die Komplexität der Thematik zulässt. Partizipation darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, was es leider oft noch ist. Sowie Partizipation für die Fachpersonen anstrengend, zeitaufwändig und kostenintensiv wird, schwindet nicht selten das Engagement dafür. Aber auch für die Leitung des LVPEBW ist dies relevant, da hier Partizipation gegenüber den Mitgliedern vorgelebt werden sollte.

Menschlicher Umgang

Der LVPEBW blickt inzwischen auf eine 28jährige Geschichte zurück. Sehr viel ist in dieser Zeit passiert. Leider gibt es kein gut gepflegtes Archiv, sodass vieles in Vergessenheit geraten ist. Weiter wird es ein Ziel bleiben, sich weiter zu professionalisieren, was sich auch in der finanziellen Anerkennung der Mitarbeitenden ausdrücken soll. Letztendlich gilt aber die Regel "Arbeit soll uns guttun", vor allem das Ehrenamt. Das setzt eine Zusammenarbeit voraus, bei der wertschätzend und wohlwollend miteinander umgegangen wird. Diese Prämisse sollte über allem stehen, denn vor dem politischen Erfolg steht die Wahl der Mittel und die sollten nach innen und nach außen von Menschlichkeit bestimmt sein. Wenn das gelingt, kann man für den LVPEBW optimistisch in die Zukunft blicken. Leider scheint es so zu sein, dass nicht alle zwischenmenschlichen Konflikte befriedigend gelöst werden können. So ist es manchmal der einzige Weg Distanz zwischen den Konfliktpartnern herzustellen.

Perspektiven Organisationsentwicklung

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Komplexität der Aufgaben und Herausforderungen gibt es gute Gründe, sich auch intensiver mit der Organisationsentwicklung des Vereins zu beschäftigen. Es scheint, dass die Aktivitäten des LVPEBW sich eher am Einzelfall ergeben, zu reaktiv sind und ein übergeordneter Plan fehlt. Immer wieder wurden Versuche gemacht entsprechende Übersichten zu entwickeln, aber sie wurden nie ausreichend im Vorstand diskutiert und hatten auf die gegenwärtige Arbeit keinen Einfluss. Es wäre wichtig, hier in Zukunft einen weiteren Schwerpunkt zu setzen, um die Themen, die Gremienarbeit und die Projekte im LVPEBW zu ordnen, die Zuständigkeiten zu klären und zu einer übergreifenden und längerfristigen Strategie zu kommen. Aufgrund der zahlreichen Einzelthemen, die im LVPEBW bearbeitet werden, kommen grundsätzliche, planerische und organisatorische Aspekte seit langem zu kurz. Die Vorstände sollten sich daher gemeinsam auch Zeit nehmen für die Reflexion ihrer Arbeit. Somit könnten neue Organisationsstrukturen geschaffen, umgesetzt werden und ein längerfristig geplantes Vorgehen erreicht werden. Dazu wäre es sehr vorteilhaft, externe Beratung durch entsprechende Spezialisten einzuholen.

Fazit

Man sieht, vieles ist passiert im LVPEBW in fast 30 Jahren. Viele Themen sind in Bearbeitung. Der LVPEBW ist ein anerkannter Akteur in der Psychiatriepolitik auf Landesebene geworden, der durchaus einen gewissen Einfluss auf das Geschehen auf die Psychiatrie in Baden-Württemberg hat. Aber es ist abzusehen, dass es im LVPEBW wieder Rückschritte geben wird, wenn es nicht gelingt mehr Menschen einzubinden, die sich im LVPEBW engagieren, und diese Mitarbeit dann auch zu koordinieren. Da schließe ich auch Psychiatrie-Fachpersonen mit ein, da es zum Beispiel das Projekt IPAGs gut zeigt, wie fruchtbar und hilfreich es sein kann aktive Fachleute bei komplexen Aufgabenstellungen an der Seite zu haben. Man kann sagen, dass der LVPEBW diesbezüglich derzeit so erfolgreich ist, wie seit Jahren nicht mehr.

Es wird sich zeigen, ob es uns gelingt mit genügend Energie und Zeit diesen Weg weiterzugehen, dann hat der LVPEBW gute Chancen noch mehr Einfluss auf die Entwicklung der Psychiatrie in Baden-Württemberg zu nehmen, um somit sein zentrales Anliegen zu verwirklichen: Die Situation und die Befindlichkeit für Menschen zu verbessern, die Erfahrungen mit psychischen Krisen haben.

Rainer Höflacher im Juni 2021

 

 

 

Die Anderen werden es schon richten oder der Spiegel im Bad

"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral" 
Berthold Brecht
Noch können wir uns unsere Moral erlauben 
Noch leben wir sicher im Frieden 
Zumindest ein großer Teil der Bevölkerung 
Was wird, wenn sich die Klimaflüchtlinge auf den Weg machen? 
Was wird, wenn der Kampf ums Wasser bei uns ankommt? 
Was wird dann aus unseren humanistischen Werten? 
Der Abstand zwischen arm und reich wächst beständig
Ich gehöre in Deutschland nicht zu den Reichen
Aber global gesehen schon
Ich spüre heute schon die dunklen Seiten in mir
Gedeckelt von Kultur und Christ sein wollen 
Wir werden uns unseren Reichtum nicht wegnehmen lassen 
Es gibt andere Mittel als auf Flüchtlinge zu schießen
Noch
Die Unerschütterlichen werden weniger werden 
Manche werden ihr Leben für Humanismus und Gerechtigkeit geben 
Wieviel Mut werde ich dann haben? 
Sehr optimistisch bin ich nicht
Mein Leben ist in Watte gepackt 
Genug
Nehme jetzt meinen Kindle und lese noch einwenig
Versuche wenigstens heute ohne Süßigkeiten auszukommen, weil ich nicht weiter zunehmen will 
Und mache morgen weiter wie gestern 
Die Anderen werden es schon für mich richten 
Wie bisher auch
Und noch mehr profitieren als ich
Gut, dass ich in Deutschland lebe 
Den Spiegel im Bad muss ich eben aushalten 






Sonntag, 16. Mai 2021

"Sowohl als auch" statt "entweder oder"

"Sowohl als auch" statt "entweder oder"

Das scheint mir eine Lebensmaxime zu sein, die sich auf sehr viele Bereiche übertragen lässt. Sei es im politischen Diskurs, in Beziehungen und im Wettstreit der Glaubensmodelle. Leider hat das Leben nach diesem Motto den Nachteil, dass es sehr schwer ist, eine eigene, eindeutige Haltung zu finden. Ich muss trotz allem mehr aufpassen, mich nicht von klugen Menschen zu sehr beeinflussen zu lassen. Sagt der Eine etwas Kluges, gebe ich im Recht und wenn dann der Nächste kommt, gebe ich dem dann auch Recht. Unabhängig von der Qualität meiner Argumentation sollte ich mein Eigenes schaffen. Schon offen für Neues und bereit neue Ideen einzubauen, aber trotzdem einen eigenen, mehr oder weniger festen Standpunkt zu entwickeln. Mein Bauch sagt mir, dass es Gott gibt und dass ich Christ sein will. Und im Prinzip weiß ich ja, was das für mich bedeutet. Hat mich meine Mütter doch gut christlich erzogen. Da ist ss dann doch nebensächlich, ob sich die Wissenschaft mit der Bibel vereinbaren lässt oder nicht. Ja sogar ob Jesus jetzt auferstanden ist oder nicht. Die Grundaussagen der Bibel bzw. von Jesus sind für mich klar, auch wenn Jesus inzwischen nicht mehr exakt meinem Ideal entspricht. Er ist mir Andersgläubigen gegenüber zu hart und zu unnachgiebig. Das ist mir jetzt erst durch das Bibellesen mit Eberhard klar geworden. Auch sein großer Wunsch, dass sein Wort sich überall verbreiten soll, ist mit Vorsicht zu genießen. Sehr schnell ist man da beim Überreden und nicht mehr beim Vorleben. Dieser Außschließlichkeitsansprung des Christentums, Islam und Judentum gefällt mir gar nicht. Da gefällt mir Frau Pfarrerin Schäfers Bild doch sehr viel besser, dass die Gedankengebäude durchlässig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Dass die Religionen auch im Hinblick auf andere Religionen in Bewegung sind. Wenn Christ sein das zulässt, dann bin ich gerne Christ. Als. mir ein Pfarrer mal sagte, dass der Weg zu Gott nur über das Kreuz geht, hat mir das gar nicht gefallen. Mein Weg geht über Jesus zu Gott und dem heiligen Geist - Trinität hin oder her. Aber viele Millionen von Moslems gehen nicht alle in die Irre. Da sind viele Menschen dabei, die mit Allah ein vorbildliches Leben führen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich weiß ja nicht, wie ich denke und fühle, wenn bei mir der Tod offensichtlich vor der Tür steht, obwohl dieser ja schneller kommen kann, als man denkt, aber derzeit brauche ich nicht die Vorstellung, dass es nach dem Leben genauso weitergeht, wie es die Bibel sagt. Selbst die Vorstellung, dass es nicht weitergeht nach dem Tod schreckt mich nicht wirklich. Irgendwie finde ich es einleuchtend, dass es weitergeht, weil ich mir gut vorstellen kann, dass das Geistige im Menschen nicht verloren geht, dass er sich ein ganzes Leben erarbeitet hat oder sogar darüber hinaus. Eine fleischliche Auferstehung mit einer "Regierung" im Himmel daran glaube ich nicht. Das ist mir zu einfach und zu menschlich gedacht. Das Göttliche ist für mich geistiger und richtet sich meines Erachtens nicht nur nach den Maßstäben und Vorstellungen des Menschen, sondern ist universeller und abstrakter.

Allerdings glaube ich an Wunder, das heißt, dass die Kausalitätsketten an die die Wissenschaft glaubt durch Gott durchbrochen werden können. Wenn ein Wissenschaftler forscht muss er im Rahmen seiner Forschung grundsätzlich von Kausalität ausgehen, sonst fehlen ihm die Naturgesetze, die er benötigt, um Experimente und Vorhersagen zu machen. Trotzdem kann er quasi im gedanklichen Hintergrund an Gott und Wunder glauben, auch wenn er nicht unterscheiden kann, ob das jetzt ein Wunder ist oder nur mit seinen wissenschaftlichen Werkzeugen noch nicht zu erklären isr. Dafür braucht es gedankliche Disziplin, aber es ist möglich, was von einigen Wissenschaftlern auch bewiesen wird.

Ob allerdings die Bibel als naturwissenschaftliche Erklärung der Welt in vollem Ausmaß Gütigkeit hat, wage ich zu bezweifeln. Sicher war und ist sie in dieser Hinsicht eine Hilfe, aber sie irrt auch. Zum Beispiel braucht es viel Auslegungsarbeit der Bibel ein heliozentrisches Weltbild abzuringen, wird doch klar von einem Fundament gesprochen, auf dem die Erde ruhen soll. Nicht zuletzt deswegen hat die Kirche jahrhundertelang auf dem geozentrischen Weltbild bestanden - und weil man sich ein heliozentrisches nicht vorstellen konnte.

Ich glaube auch, dass Gott die Welt erschaffen hat. Es ist für mich sehr unwahrscheinlich, dass die Naturgesetze einfach so per Zufall entstanden sind. Es kann durchaus sein, dass die Evolutionstheorie trotzdem ihre Gültigkeit hat, auch wenn man noch lange nichr alles mit ihr erklären kann. Zum Beispiel der Übergang von der Materie zum Leben ist auch heute noch ein großes Rätsel. Aber solange wir keine bessere und vernünftigere Theorie haben, werden wir wohl daran glauben müssen. 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Eigentlich unbeschreiblich

Der Unbedeutsamkeit entfliehen
Etwas Besonderes sein wollen
Zugang zu jenen Welten finden
Ohne wahnsinnig zu werden
Manchmal, selten, die Gewissheit dazu zu gehören
Teil des universellen Geistes zu sein
Große Kämpfe zusammen mit großen Mächten führen
Aber auch großen Frieden empfangen 

Über das Menschsein hinauswachsen
Allein das große Potential des eigenen Bewusstseins spüren dürfen

Keine Euphorie, kein strahlendes Glück 
Aber wissen darum, dass da eine Dimension ist
In der ich einen sinmvollen Platz einnehme
Wo ich gebraucht werde
Um mich zu verbinden mit den kosmischen Energien
Um das Gute zu retten 

Kein kompliziertes Denken
Keine Gedankengebäude
Gott erfahren
Gott sein
Mit all den Anderen

Und dann zurück in den Alltag 
Ohne das Wesentliche mitzunehmen 

Der Wunsch mit 25 in Stuttgart eine Oase zu gründen 
In der Stadt des Mammons
Der Wunsch mit 40 eine Gemeinschaft zu gründen 
Der Wunsch Teil einer großen Familie zu sein
Mit den Jahren sich verflüchtigt
Das Charisma hat sich in Routine verwandelt 
Mit 60 eine Rückkehr? 

Der Unbedeutsamkeit entfliehen 
Und trotzdem nur ein Teil sein

Wach auf und gehe deinen Weg 
Der ein neuer alter ist
Um Gott zu erfahren 
Um Gott zu sein
Mit all den Anderen 




Dienstag, 11. Mai 2021

Die Vögel zwitschern

Einsam brennt eine Lampe an meinem Bett
Draußen ist es noch Nacht 
Noch nicht mal Dämmerung
Liege im Bett mit dem Smartphone in der Hand und schreibe schon lange
Und plötzlich bemerke ich es
Ich höre, wie mich die Vögel mit ihrem Zwitschern zum neuen Tag begrüßen
Ich freue mich darüber 
Und kurz denke ich: wie lange noch? 
Werden die Kinder das auch noch erleben, wenn sie in meinem Alter sind?
Ich schiebe den Gedanken weg
Keine Lust auf Weltuntergang
Es ist kurz nach 5 Uhr 
Und ich fühle mich so gut, wie lange nicht mehr
Gedanken erfüllen mich und ich schreibe sie nieder
Was gibt es Schöneres?
Und die Vögel zwitschern immer noch... 

An die Mutter

Du hast viel für mich getan
Du hast mich geboren 
Und in schweren Zeiten vielleicht vor dem Untergang gerettet
Aber du hast mir auch nicht wenig geschadet
Deine übergroße Fürsorge
Dein laisser-faire in vielen Dingen
Machte mich bis heute unselbstständig
Das zeigt sich heute in einem großen Widerwillen den täglichen Pflichten gegenüber 
Und mit deinen letzten Lebensjahren wurde mir klar
Dass deine Fürsorge auch Ausübung von Macht war
Mich nicht loslassen können
Du hast mich mit deiner Art von Liebe verwöhnt und zugleich klein gehalten 
Vielleicht war deswegen das Leben gut zu mir
Obwohl ich auch viel gelitten habe und auch heute immer noch leide
Aber es waren immer Mensche da, die mich unterstützt haben, wenn ich es nötig hatte
Das liegt auch an dir - und mir
Einen unschätzbares Geschenk hast du mir gemacht:
Du hast mir einen fast unerschütterlichen Glauben an Gott mitgegeben
Jenseits des Denkens verinnerlicht 
Nicht dass du den Glauben auf den Lippen gehabt hast
Aber wie du deinen Glauben lebtest war mir immer ein Vorbild 
Auch wenn du in deinen letzten Lebensjahren dich weit von Gott entfernt hast
Aber ich bin mir sicher, dass du jetzt bei ihm einen guten Platz gefunden hast 
Danke, dass ich wegen dir und Vater leben darf


Samstag, 8. Mai 2021

Du lebst!

So schwer, sich sein zu lassen
Nicht den Blick richten auf das Schlechte 
Auf das was nach Änderung verlangt
Auf das was sein sollte 
Sondern sehen, was gelingt 
Das Schöne, das immer auch gegeben 

Raus aus dem Klagemodus
Eine Ende mit dem Jammern
Sicher nicht von Heute auf Morgen 
Aber die Richtung stimmt

Sinnvolle Veränderung geschieht immer über das Annehmen

Gib den Mut nicht auf 
Sei zuversichtlich 
Du lebst 
Und Leben ist pendeln zwischen Hoch und Tief

Im tiefsten Tief gibt es ein Weniger und Mehr
Eine zeitlang muss das genügen 

Dankbarkeit als Weg zum Seelenfrieden






Sonntag, 2. Mai 2021

Mal wieder ein Klagetext

Zum 1347. Mal
Was tun?
Keine Lust auf irgendwas! 
Keine Kraft mich zu überwinden
Nichtstun, Senieren, Nachdenken geht auch, sagt Karin 
Schreiben, denke ich
Und nehme mein Handy 
Mehr als dieser Klagetext, kommt aber nicht dabei heraus 

Samstag, 24. April 2021

Gedanken zum Christentum

Jeder Mensch, der ehrlich in sich hineinhört, spürt eine Art Zerrissenheit in sich, schreibt sinngemäß John Lennox. 

Dies ist die Auswirkung davon, dass sich der Mensch, die ihm von Gott gegebene Freiheit nahm, um diesem sein Vertrauen zu entziehen. Er aß die einzige Frucht, die ihm verboten war. Dadurch verlor der Mensch den Schutz Gottes und erst Jesus gab dem Menschen die Chance diesen Vertrauensbruch zu bereinigen, indem er für ihn am Kreuz gestorben ist und den Tod überwunden hat.

Frage: Warum können jetzt dem Menschen seine Verfehlungen vergeben werden? Viele bezeichnen das Opfer Jesu als eine Art Lösegeld. Das heißt ja, dass Jesus mit seinem Tod den Menschen freigekauft hat von seiner ursprünglichen Sünde im Garten Eden. Warum ist es eine Sünde, wenn ich jemanden nicht mehr vertraue? Ist Vertrauen eine notwendige Bedingung für eine Beziehung und der Entzug von Vertrauen eine strafwürdige Handlung? Daraus folgt, dass die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen von Anfang an nicht auf Augenhöhe war. Wer an den christlichen Gott glaubt, muss einsehen, dass der Mensch prinzipiell Gott untergeordnet ist, auch wenn er nach seinem Ebenbild geschaffen wurde.

Nach christlichem Glauben ist es eine Sünde Gottes Regeln nicht einzuhalten. Und Sünde lastet auf dem Menschen, wenn sie nicht von Gott vergeben wird. 

Mit der Taufe sind wir befreit und Teil von Gottes Reich. Wir müssen uns seine Liebe und seine Gnade nicht durch gute Taten erarbeiten. Aber es kann sein, dass Gott uns Prüfungen schickt, wenn wir nicht nach seinen Regeln leben. Wie ein Vater, der sein Kind maßregelt, um es auf den richtigen Weg zurück zu bringen. Anders ist Erziehung nicht möglich. 

Im Christentum geht der Weg zu Gott nur über Jesus. Will ich diese Ausschließlichkeit? Was ist mit den anderen Religionen? Jesus wollte, dass wir seinen Glauben verbreiten. Will ich das? Wenn ja, dann nur indem ich ein gutes Vorbild bin und dadurch das Christentum als attraktiv erscheint. Jegliche Form von Überredung oder gar Zwang lehne ich ab. 

Warum soll gerade das Christentum die "richtige" Religion sein? Woher nehme ich das Recht zu sagen, dass die vielen Andersgläubigen irren? Bin ich schlauer oder sonst irgendwie besser, also so viele andere Menschen? 

Ich würde mir wünschen, dass es nur einen Gott gibt, der sich in allen Religionen zeigt. Aber wenn man Jesus folgt, ist das ausgeschlossen. Er sagt, er sei der einzige Verkünder des Glaubens und droht auch denjenigen, die nicht an ihn glauben. Zwar nicht mit direkter Gewalt, aber mit teilweise heftiger Verdammnis. 

Alles Dinge, die mich dem Christentum durchaus kritisch gegenüber stehen lassen bzw. die ich vielleicht nicht richtig verstehe. 

Trotzdem sehe ich mich als Christ. Ich fühle mich vom Christentum angezogen. Vermutlich nur weil ich so erzogen wurde - wer weiß? 

Was mich auch sehr beschäftigt ist, wie ich die Bibel lesen soll? Als eine Ansammlung von Mythen und Legenden, eine Symbolsprache, ein Werk seiner Zeit, dass die Übertragung auf unsere Zeit benötigt, als menschlicher, fehlerhafter Bericht von fragwürdigen Überlieferungen, hat Gott selbst die Autoren inspiriert und ihnen den Text quasi diktiert oder soll ich die Bibel gar wörtlich nehmen? Ich kann mich nicht entscheiden. Ich bewundere bzw. beneide Menschen, die für sich diesbezüglich eine eindeutige Entscheidung gefunden haben. In Gesprächen merke ich, dass diese Menschen auf einem festen argumentativen Boden stehen, den ich bei mir vermisse. Ich fühle mich hin und hergeworfen. 

Was meinst du zu dem allem? 




Beendigung des Blogs "Rainers Welt"

Liebe Freunde und Leser, vielen Dank, dass ihr mir über die Jahre hinweg die Treue gehalten habt oder erst seit kurzem hier mitlest oder heu...