Sitze bei Verwandten. Geburtstagsfeier. Eigentlich nette Leute. Plötzlich wird es politisch. CSU-Bekenntnisse werden formuliert. Argument auf Argument kommt aus wohlinformierten Mund. Meine wenigen Gegenargumente kommen mir schwach vor. Wenn jetzt doch wirkliche Linke, wirkliche Herzensmenschen als Verbündete da wären. Ich bin eben überall nur Mitläufer. Ich schweige hilflos. Das Thema wechselt. Was bleibt ist meine Scham - mir selbst gegenüber.
Sonntag, 11. September 2016
Mittwoch, 17. August 2016
Der Krankheitsbegriff in der Psychiatrie
Als ich Anfang der 2000er mehr mit dem Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener zu tun hatte, begegnete ich zum ersten Mal der Aussage "Psychische Erkrankung? Gibt es nicht!". In dieser Ausschließlichkeit verwunderte mich dies und ich dachte, wie man auf so eine Idee kommen konnte, wo doch die ganze Welt von den psychisch Kranken spricht. Aber seitdem zucke ich innerlich immer zusammen, wenn ich von den psychisch Kranken rede oder schreibe. Wie kommt es genau dazu?
Was ist eigentlich das Kriterium dafür, dass ich mich als krank bezeichnen muss. Letztendlich legt das der Arzt fest. In der somatischen Medizin gibt es da meistens messbare Grenzwerte oder andere eindeutig nachweisbare Sachverhalte. Wenn man da genau hinschaut ist es auch nicht mehr so einfach, denn Grenzwerte werden festgelegt und können sich ändern, wobei dann mit einem geänderte Grenzwert die Krankheit "verschwindet". Aber eine gewisse Klarheit herrscht da schon.
Bei den psychisch Erkrankungen ist es da deutlich schwieriger Kriterien festzulegen. Die Diagnosen der Psychiatrie beruhen auf Einschätzungen und Beobachtungen der Symptome. Es gibt keine messbare Sicherheit. Was gestern noch als Erkrankung galt, kann morgen schon gesund sein. Der Krankheitsbegriff der Psychiatrie ist in hohem Maße von den aktuell gültigen Übereinkommen der Gesellschaft abhängig. Oft wird die Homosexualität als Beispiel dafür erwähnt, die noch vor Jahren als Krankheit galt, ja homosexuelle Handlungen waren vor längerer Zeit noch strafbar. Aber auch in den Klassifikationssystemen der Psychiater wie ICD 10 oder DSM-5 kommen ständig neue Krankheitsdefinitionen dazu.
Für mich persönlich ist Krankheit mit Leiden verbunden und mit einer deutliche Einschränkung der Fähigkeit den Alltag zu bewältigen. Ein Mensch, der aus Angst seine Wohnung nicht mehr verlassen kann und somit Hilfe braucht, um überhaupt zu überleben, hat eine psychische Erkrankung, Ein anderer Mensch, der von der Vorstellung gequält wird von seinen Kollegen verfolgt zu werden und dadurch nicht mehr zur Arbeit gehen kann, ist psychisch krank.
Aber wo wird die Grenze zur Krankheit überschritten und was ist, wenn der betreffende Mensch sich gar nicht krank fühlt? Ist man oft nicht viel zu schnell damit, einem Menschen eine psychische Erkrankung zuzuschreiben. Einerseits entlastet den Betroffenen die Bezeichnung krank, da er jetzt ein Recht auf Hilfen hat oder das Recht, nicht mehr zur Arbeit gehen zu müssen. Andererseits bedeutet es einen Menschen als krank zu definieren, diesen auszusortieren, ihm den Stempel aufzudrücken, er könne nicht mehr mithalten. Und gerade bei psychischen Erkrankungen, die Menschen häufig schwierig machen, ist die Gefahr groß, diese als Kranke abzuschieben ins psychiatrische Hilfesystem, in die Rente, in die Grundsicherung und sich nicht die Mühe zu machen, sich mit diesem Menschen auseinander zu setzen oder in der Arbeitswelt zu halten. Hier ist die Gefahr Menschen Unrecht zu tun ungleich größer als in der somatischen Medizin.
Ich möchte nicht so weit gehen, den Krankheitsbegriff in der Psychiatrie ganz abzuschaffen, dafür gibt es für mich auch zu eindeutige Fälle, wo ich die Zuschreibung Krankheit für mich zulassen kann. Aber es ist wichtig, sich dich Sensibilität für dieses Thema zu erhalten und bei allgemeinen Aussagen darauf zu achten, das Wort Krankheit unreflektiert zu gebrauchen. Es ist oft zutreffender Menschen seelische Belastungen zuzuschreiben, als sie vorschnell als krank zu bezeichnen. Auch das Wort Behinderung finde ich im Prinzip nicht unangemessen. Es trifft doch häufig zu, dass Menschen durch seelische Phänomene in ihren Möglichkeiten behindert sind und drückt keine Abwertung aus. Leider wird bei uns Behinderung immer noch mit etwas Minderwertigen in Verbindung gebracht, weshalb sich viele psychisch leidende Menschen gegen den Begriff behindert wehren. Hoffen wir, dass die neue Definition von Behinderung der UN-Behindertenrechtskonvention da etwas ändert. Hier ist man/frau nicht nur behindert, sondern man/frau wird auch behindert.
Die Menschen die psychiatrische Diagnosen bekommen haben, gaben sich Anfang der 1990er Jahre den Namen Psychiatrieerfahrene. Dies beschreibt den Umstand, dass man/frau mit psyschiatrischer Behandlung in Berührung gekommen ist und sagt nichts über die Person selbst aus. Allerdings gibt es auch Menschen, die seelisch belastet sind und noch in keiner psychiatrischen Behandlung waren. In der Fachwelt hat sich die Bezeichnung Psychiatrieerfahrene durchgesetzt, allerdings ist dieser Begriff insofern unscharf, als dass zum Beispiel psychiatrische Fachkräfte auch Erfahrungen mit der Psychiatrie haben.
Die EX-IN Bewegung spricht von seelischen Erschütterungen, was ein sehr weicher Ausdruck ist und nahezu jeden Menschen in irgendeiner Form anspricht.
Marktplatz Emmendingen
Montag, 15. August 2016
Haushaltstagebuch - let's go
Es fing bei mir schon sehr früh an. Ich erkrankte mit 9 Jahren an einer schweren Hirnhautentzündung, die ich nur knapp überlebte. Es war aber eine seltene Form und Gott sei Dank konnte ich danach wieder normal am Schulunterricht teilnehmen. Ich schaffte es sogar nach 100 Tagen Klinikaufenthalt ohne Sitzenbleiben durchzukommen. Ich war trotzdem immer ein relativ guter Schüler - nie Spitze, immer so zwischen 2 und 3.
Aber schon damals wurde ich das Sorgenkind der Familie und wurde meinem Bruder vorgezogen. Zumal der schulisch nicht so erfolgreich war wie ich und kein Abitur machte.
Genau vor diesem Abitur erwischte mich dann mit 19 Jahren meine erste Psychose und ich durchlebte die schizophrene Hölle, wobei ich nicht weiß, was schlimmer war, die Erkrankung oder die Erlebnisse in der Psychiatrie von 1981 - das beeinflusste sich ja auch gegenseitig.
Also wurde ich wieder das Sorgenkind und dieses Image legte ich bei meiner Mutter bis zu ihrem Tod 2013 nicht mehr ab.
1992 verlor ich in Horb meine Anstellung und zog für 10 Jahre wieder zurück ins Elternhaus - ins Hotel Mamma. Ich fiel 5 Jahre in eine schwere Depression. Ich redete kaum noch, lag viel im Bett und auf dem Sofa, spürte nur noch Schwere und Verzweiflung und verlor jegliches Selbstwertgefühl. Auch hier beeinflussten sich zwei Fakten gegenseitig. Auf der einen Seite war die Depression, aber auf der anderen Seite auch die übertriebene Fürsorge meiner Mutter. Ich hatte ja noch nie etwas zuhause im Haushalt tun müssen, aber jetzt bekam ich jeden Handgriff abgenommen. Ich hospitalisierte sozusagen im Elternhaus.
2002 zog ich dann ganz unerwartet in eine eigene Wohnung. Aber auch hier unterstütze mich meine Mutter permanent im Haushalt. Ich verbot ihr mal sogar mich in meiner Wohnung zu besuchen, was ich 3 Monate aushielt - dann freute sie sich, als ich sie wieder um ihre Unterstützung bat.
Donnerstag, 4. August 2016
Bis Asche aus mir wird
Über Facebook und die Nachrichten schauen wir in eine Welt, die sich radikalisiert, die kriegerischer wird, wo Vertreibung, Gewalt, Folter und Mord Tagesordnung ist.
Ich rette mich in meine kleine Welt. Ein kleiner Rentner, mit einer psychischen Belastung und mit dem gelegentlichen Irrglauben wichtig zu sein.
Ich gehe gewohnte Wege, bin abends zuhause und mache meine Urlaube im Umkreis von maximal 200 Kilometer. Meine Sorgen beschränken sich darauf, dass meine Frau gesund bleibt und wie es mit meiner kranken Schwiegermutter weitergeht. Ein Leben wie im Paradies.
Auch eine Art des Wegsehens. Wäre es nicht notwendig Farbe zu bekennen? Gegen Krieg, gegen Rassismus, für Frieden und Freiheit für alle Menschen, für die Liebe? Laut werden, schrein, sich empören?
Wenn ich andere frage, wie sie mit der Weltlage zurecht kommen, antworten sie, ein guter Mensch im nächsten Umfeld sein und ansonsten weiterleben wie bisher - am besten ohne schlechtes Gewissen. Genügt das? Aber was soll ich tun. Ich veröffentliche meine Meinung in Facebook und ansonsten bin ich in einem mehr oder weniger apolitischen Umfeld. Will die Psychiatrie verbessern, psychisch leidenden Menschen helfen - aber ja nicht über den Tellerrand blicken.
Mir gefallen Konstantin Wecker, Eugen Drewermann und seit kurzem Sarah Wagenknecht. Aber eher weil sie mir imponieren. Ihr Mut, ihre Bildung und ihre Konsequenz. Ich selbst fühle mich da manchmal wie ein Abziehbild. Ich werde ja schon unsicher, wenn die Nachbarin im Netz Stimmung gegen Flüchtlinge macht oder wenn andere mich mit ihren Ängsten vor der Islamisierung Deutschlands anstecken. Wo ist sie hin, die Willkommenskultur?
Europa rückt nach rechts und ich halbherzig nach links. Morgen werde ich zum Arzt gehen und mittags zur Vorstandssitzung - alles wie gehabt.
Ach ja, und dann noch kurz mal wieder einen Jammertext loslassen, wie schlecht die Welt und wie schlecht ich selbst bin. Bis die Augen zufallen und Asche aus mir wird.
Montag, 1. August 2016
Sonntag, 31. Juli 2016
Meine Lieblingsgedichte
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Novalis
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.
.................
Stufen
Hermann Hesse
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
.................
Im Nebel
Hermann Hesse
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
....................
Der Panther
Rainer Maria Rilke
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein
................
Unser Trauspruch
Psalm 71,20 (Züricher Bibel)
"Der Du uns schauen
ließest viel Angst und Not,
Dir wirst uns wieder beleben,
uns wieder heraufführen
aus der Tiefe der Erde."
.................
Sonnengeflecht
Novalis
a) Feuer bricht in die Zeit
Nun steht er auf der Höh - der Mensch
er schreit: Die Erde, sie ist mein
und Tierwelt und Natur kämpfen
um's Überleben, um ihr Sein
FEUER BRICHT IN DIE ZEIT
BRENNT IN DES MENSCHEN ERD UND LEIB'
Ein Teil der Menschen kann entflieh'n
sich retten mit dem Schiff auf's Meer
und Tag und Nacht werden ausgelöscht
die Sonne scheint nicht mehr
b) Sonnenfinsternis
Dunkelheit umtanzt das Schiff
und Kälte zieht ins Gebein
die Zeit geht mit der Ewigkeit
am Todespfad spazieren
Da bäumen sich die Wogen auf
ein Sturm umbraust die Erd'
die See schnellt hoch und löscht das Land
Totenstille greift die Hand
c) Dämmerung
Langsam klärt sich der Horizont
funkelnde Sterne beschwören die Stund'
blutrote Wolken schweben in'der
Fern'
Angst bricht aus der Wund'
DOCH DA ERHEBT SICH AUS DEM MEER
GOLDGLÜHEND IN IHRER PRACHT
LEUCHTENDWARM UND WUNDERBAR
DIE SONNE ÜBER DER WELT EMPOR
Menschen stehen wieder am Beginn
der Erdenkleid verbrannt im Feuerwind
Fruchtbarkeit sucht wieder ihr Gesicht
und mit ihr der Mensch sein neues Paradies
Sonntag, 24. Juli 2016
Medienkompetenz, Inklusion und Outing
Ein Kumpel sagte mir am Telefon, jemand hätte kritisert, dass ich überall mit meinem Realnamen im Internet auftrete. Ich weiß schon lange, dass das ein Risiko mit sich bringt, zumal ich in Facebook durchaus auch politische Äußerungen mache. Warum tue ich das?
Einerseits habe ich ein gewisses Bedürfnis mich öffentlich zu machen. Aber das ist nicht alles. Ich bringe es. nicht fertig, mich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Ich bin über 30 Jahre offen mit meiner Erkrankung umgegangen und irgendwie habe ich mich daran gewöhnt mit meiner Person hinter meinem Leben und meinen Erlebnissen zu stehen. Da ich schon 20 Jahre nicht mehr arbeite, ist das auch nicht so problematisch, als wenn man auf einen Arbeitgeber oder Kunden angewiesen ist.
Aber manchmal habe ich schon ein mulmiges Gefühl, wenn icb daran denke, was man/frau über mich im Internet herausbekommen kann, wenn man/frau es will. Bisher habe ich Glück gehabt, aber wenn man/frau bedenkt, dass ich früher im IT-Bereich gearbeitet habe, dann kann man/frau bei mir wohl nicht von besonderer Medienkompetenz sprechen.
Es ist sowieso für psychiatrieerfahrene Menschen eines der wichtigsten Themen, wie im nahen Umfeld oder auch in der Öffentlichkeit mit der Tatsache umzugehen ist, dass eine psychiatrische Diagnose vorliegt. In meinen Begegnung mit vielen Psychiatrieerfahrenen führt das Problem des Outings immer zu lebhaften und intensiven Diskussionen. Jeder Psychiatrieerfahrene kann dazu was sagen, weil jeder die Stigmatisierung der Erkrankung in unserer Gesellschaft spürt, selbst wenn man/frau noch gar kein Opfer von Stigmatisierung geworden ist.
Ich selbst kann wenig von Ausgrenzungserfahrungen und Nachteilen berichten, den ich bin ja schon lange von der Arbeitswelt unabhängig und bewege mich nur in Psychiatriekreisen. Um die Anderen, die sogenannten "Normalos", habe ich mich nie besonders bemüht. Ich gehöre nicht zu den Psychiatrieerfahrenen, die sich bewusst anstrengen um Kontakt zu nichtpsychiatrieerfahrenen Menschen zu bekommen und den Kontakt zu ihren Leidensgenossen meiden, weil sie nicht über Probleme reden bzw. sich "runterziehen" lassen wollen.
Ich nenne mich manchmal scherzhaft "Inklusionsversager", weil ich jemand bin, der zwar nichts dagegen hätte inkludiert zu werden, aber keine Lust hat, sich sonderlich dafür anzustrengen. Zu wohl fühle ich mich in meiner Subkultur und sehe auch die Nachteile, die die Welt der "Normalos" mit sich bringt.
Ich stelle bei mir fest, dass ich in meiner Welt zu den Wortführern gehöre und sowie ich meinen Schutz- und Schonraum verlasse, eher eine Randfigur bin. Das macht es mir natürlich schwer, mich nach außen zu orientieren. In meiner Welt bekomme ich viel Anerkennung und hatte schon viel Erfolg. Darüber hinaus muss ich mich Normen und Regeln unterwerfen, denen ich nicht gerecht werde. Ich beherrsche nicht die Kunst des Smalltalks und bin sehr einseitig interessiert. Die Memschen mit ihren Sorgen und Eigenarten interessieren mich am meisten und bei den üblichen Begegnungen wird das erst ein Thema, wenn man/frau sich gut kennt. Bei Psychiatrieerfahrene bin ich in kürzester Zeit bei tiefen und existentiellen Themen und das gefällt mir und das brauche ich. Mit meiner Arbeit beschäftige ich mich fast rund um die Uhr irgendwie mit Psychiatrie oder mit deren Randgebieten. Ich bin ein Spezialist, der sich für fachfremde Themen wenig interessiert.
Aber zurück zur Medienkompetenz. Ich hoffe nicht, dass ich meine Offenheit nicht irgendwann bereuen muss. Bei den aktuellen politischen Tendenzen kann es schon sein, dass Psychiatrieerfahrene irgendwann wieder verfolgt werden und da gehöre ich sicherlich zu den ersten. Immerhin habe ich das Glück als Deutscher geboren zu sein und deutsche Wurzeln zu haben - soweit sind wir schon!
Es gilt Position gegen Faschismus und Radikalismus zu beziehen. Und es ist immer noch besser das anonym zu tun, als gar nicht.
Sonntag, 17. Juli 2016
Neue Ziele angehen
Heute morgen bin ich aufgewacht und bekam die Botschaft, Arbeit ist abgeschlossen. Es gilt nun andere Ziele ins Visier zu nehmen. Die Beschäftigung mit meiner persönlichen Entwicklung und mein Glaube sollen in den Mittelpunkt meines Interesses rücken. Das bedeutet die verstärkte Auseinandersetzung mit der Bibel und die Suche nach der Nähe von gläubigen Menschen. Zudem will ich ganz allgemein mich anderen Menschen zuwenden, um im Miteinander über mich selbst dazu zu lernen. Ich will weiter dem Ideal der Liebesfähigkeit nachstreben. Wie das konkret aussehen soll, weiß ich noch nicht.
Auf jeden Fall will ich das Treffen der "die LINKE" aufsuchen, um meinen Horizont politisch zu weiten.
Dazu möchte ich mich mehr um meinen Körper kümmern, das heißt mehr Radfahrern, den neuen Schrittzähler nutzen und zum Tischtennis zu gehen.
Wieder mal nur gute Vorsätze? Und morgen geht alles weiter wie bisher? Es wäre nicht das erste Mal, dass ich an meiner Unbeweglichkeit scheitere.
Samstag, 16. Juli 2016
Warten auf das Jenseitige
Nächtliche Schlaflosigkeit löst mich von Geschäftigkeit und Alltag, bringt mich dem Unsagbaren näher. In der Stille höre ich in mich hinein. Die Gedanken kreisen und suchen Halt. Aber da ist nichts Fassbares, nur die Ahnung einer Weite hinter der Wirklichkeit. Die Tür ist heute nur spaltbreit offen. Es reizt mich durchzugehen, doch irgendetwas hintert mich. Zu weit habe ich mich in letzter Zeit entfernt von dem Eigentlichen, von dem, was die Seele nährt.
Zaghaft öffnet sich das Bewusstsein und wünscht sich Eintritt. Da warten die Nächte der Dämonen und die Geschenke der Engel. Wie festgebunden an das Greifbare, sehne ich mich nach dem Ungreifbaren und dem Unbegreifbaren.
Gewährt mir Eintritt. Öffnet mir die Tür. Ich bin das Einer- und Allerlei satt.
Doch es nützt nichts. Ich bin am Boden gefangen und habe den Zugang verloren. Nur ein Schimmern dringt in mein Alltagsgrau.
So bleibe ich enttäuscht in Sicherheit zurück und nehme mir vor wach zu bleiben, um den Moment nicht zu verpassen, wenn ich gerufen werde., um meinen Beitrag für die jenseitige Welt zu leisten - im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.
3. Advent
Er saß vor seinem neuen Laptop. Es war kurz vor 7 Uhr und der 3. Advent. Als er eine Excel Tabelle öffnete, meldete ihm die Software, dass s...
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Er saß vor seinem neuen Laptop. Es war kurz vor 7 Uhr und der 3. Advent. Als er eine Excel Tabelle öffnete, meldete ihm die Software, dass s...
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mein halbes Leben habe ich mich für psychiatrieerfahrene Menschen eingesetzt - und tue es immer noch. Aber in einem weit geringerem Umfang.....
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Liebe Freunde und Leser, vielen Dank, dass ihr mir über die Jahre hinweg die Treue gehalten habt oder erst seit kurzem hier mitlest oder heu...