Sonntag, 16. Mai 2021

"Sowohl als auch" statt "entweder oder"

"Sowohl als auch" statt "entweder oder"
Das scheint mir eine Lebensmaxime zu sein, die sich auf sehr viele Bereiche übertragen lässt. Sei es im politischen Diskurs, in Beziehungen und im Wettstreit der Glaubensmodelle. Leider hat das Leben nach diesem Motto den Nachteil, dass es sehr schwer ist, eine eigene, eindeutige Haltung zu finden. Ich muss trotz allem mehr aufpassen, mich nicht von klugen Menschen zu sehr beeinflussen zu lassen. Sagt der Eine etwas Kluges, gebe ich im Recht und wenn dann der Nächste kommt, gebe ich dem dann auch Recht. Unabhängig von der Qualität meiner Argumentation sollte ich mein Eigenes schaffen. Schon offen für Neues und bereit neue Ideen einzubauen, aber trotzdem einen eigenen, mehr oder weniger festen Standpunkt zu entwickeln. Mein Bauch sagt mir, dass es Gott gibt und dass ich Christ sein will. Und im Prinzip weiß ich ja, was das für mich bedeutet. Hat mich meine Mütter doch gut christlich erzogen. Da ist ss dann doch nebensächlich, ob sich die Wissenschaft mit der Bibel vereinbaren lässt oder nicht. Ja sogar ob Jesus jetzt auferstanden ist oder nicht. Die Grundaussagen der Bibel bzw. von Jesus sind für mich klar, auch wenn Jesus inzwischen nicht mehr exakt meinem Ideal entspricht. Er ist mir Andersgläubigen gegenüber zu hart und zu unnachgiebig. Das ist mir jetzt erst durch das Bibellesen mit Eberhard klar geworden. Auch sein großer Wunsch, dass sein Wort sich überall verbreiten soll, ist mit Vorsicht zu genießen. Sehr schnell ist man da beim Überreden und nicht mehr beim Vorleben. Dieser Außschließlichkeitsansprung des Christentums, Islam und Judentum gefällt mir gar nicht. Da gefällt mir Frau Pfarrerin Schäfers Bild doch sehr viel besser, dass die Gedankengebäude durchlässig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Dass die Religionen auch im Hinblick auf andere Religionen in Bewegung sind. Wenn Christ sein das zulässt, dann bin ich gerne Christ. Als. mir ein Pfarrer mal sagte, dass der Weg zu Gott nur über das Kreuz geht, hat mir das gar nicht gefallen. Mein Weg geht über Jesus zu Gott und dem heiligen Geist - Trinität hin oder her. Aber viele Millionen von Moslems gehen nicht alle in die Irre. Da sind viele Menschen dabei, die mit Allah ein vorbildliches Leben führen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich weiß ja nicht, wie ich denke und fühle, wenn bei mir der Tod offensichtlich vor der Tür steht, obwohl dieser ja schneller kommen kann, als man denkt, aber derzeit brauche ich nicht die Vorstellung, dass es nach dem Leben genauso weitergeht, wie es die Bibel sagt. Selbst die Vorstellung, dass es nicht weitergeht nach dem Tod schreckt mich nicht wirklich. Irgendwie finde ich es einleuchtend, dass es weitergeht, weil ich mir gut vorstellen kann, dass das Geistige im Menschen nicht verloren geht, dass er sich ein ganzes Leben erarbeitet hat oder sogar darüber hinaus. Eine fleischliche Auferstehung mit einer "Regierung" im Himmel daran glaube ich nicht. Das ist mir zu einfach und zu menschlich gedacht. Das Göttliche ist für mich geistiger und richtet sich meines Erachtens nicht nur nach den Maßstäben und Vorstellungen des Menschen, sondern ist universeller und abstrakter.

Allerdings glaube ich an Wunder, das heißt, dass die Kausalitätsketten an die die Wissenschaft glaubt durch Gott durchbrochen werden können. Wenn ein Wissenschaftler forscht muss er im Rahmen seiner Forschung grundsätzlich von Kausalität ausgehen, sonst fehlen ihm die Naturgesetze, die er benötigt, um Experimente und Vorhersagen zu machen. Trotzdem kann er quasi im gedanklichen Hintergrund an Gott und Wunder glauben, auch wenn er nicht unterscheiden kann, ob das jetzt ein Wunder ist oder nur mit seinen wissenschaftlichen Werkzeugen noch nicht zu erklären isr. Dafür braucht es gedankliche Disziplin, aber es ist möglich, was von einigen Wissenschaftlern auch bewiesen wird.

Ob allerdings die Bibel als naturwissenschaftliche Erklärung der Welt in vollem Ausmaß Gütigkeit hat, wage ich zu bezweifeln. Sicher war und ist sie in dieser Hinsicht eine Hilfe, aber sie irrt auch. Zum Beispiel braucht es viel Auslegungsarbeit der Bibel ein heliozentrisches Weltbild abzuringen, wird doch klar von einem Fundament gesprochen, auf dem die Erde ruhen soll. Nicht zuletzt deswegen hat die Kirche jahrhundertelang auf dem geozentrischen Weltbild bestanden - und weil man sich ein heliozentrisches nicht vorstellen konnte.

Ich glaube auch, dass Gott die Welt erschaffen hat. Es ist für mich sehr unwahrscheinlich, dass die Naturgesetze einfach so per Zufall entstanden sind. Es kann durchaus sein, dass die Evolutionstheorie trotzdem ihre Gültigkeit hat, auch wenn man noch lange nichr alles mit ihr erklären kann. Zum Beispiel der Übergang von der Materie zum Leben ist auch heute noch ein großes Rätsel. Aber solange wir keine bessere und vernünftigere Theorie haben, werden wir wohl daran glauben müssen. 

Mittwoch, 12. Mai 2021

Eigentlich unbeschreiblich

Der Unbedeutsamkeit entfliehen
Etwas Besonderes sein wollen
Zugang zu jenen Welten finden
Ohne wahnsinnig zu werden
Manchmal, selten, die Gewissheit dazu zu gehören
Teil des universellen Geistes zu sein
Große Kämpfe zusammen mit großen Mächten führen
Aber auch großen Frieden empfangen 

Über das Menschsein hinauswachsen
Allein das große Potential des eigenen Bewusstseins spüren dürfen

Keine Euphorie, kein strahlendes Glück 
Aber wissen darum, dass da eine Dimension ist
In der ich einen sinmvollen Platz einnehme
Wo ich gebraucht werde
Um mich zu verbinden mit den kosmischen Energien
Um das Gute zu retten 

Kein kompliziertes Denken
Keine Gedankengebäude
Gott erfahren
Gott sein
Mit all den Anderen

Und dann zurück in den Alltag 
Ohne das Wesentliche mitzunehmen 

Der Wunsch mit 25 in Stuttgart eine Oase zu gründen 
In der Stadt des Mammons
Der Wunsch mit 40 eine Gemeinschaft zu gründen 
Der Wunsch Teil einer großen Familie zu sein
Mit den Jahren sich verflüchtigt
Das Charisma hat sich in Routine verwandelt 
Mit 60 eine Rückkehr? 

Der Unbedeutsamkeit entfliehen 
Und trotzdem nur ein Teil sein

Wach auf und gehe deinen Weg 
Der ein neuer alter ist
Um Gott zu erfahren 
Um Gott zu sein
Mit all den Anderen 




Dienstag, 11. Mai 2021

Die Vögel zwitschern

Einsam brennt eine Lampe an meinem Bett
Draußen ist es noch Nacht 
Noch nicht mal Dämmerung
Liege im Bett mit dem Smartphone in der Hand und schreibe schon lange
Und plötzlich bemerke ich es
Ich höre, wie mich die Vögel mit ihrem Zwitschern zum neuen Tag begrüßen
Ich freue mich darüber 
Und kurz denke ich: wie lange noch? 
Werden die Kinder das auch noch erleben, wenn sie in meinem Alter sind?
Ich schiebe den Gedanken weg
Keine Lust auf Weltuntergang
Es ist kurz nach 5 Uhr 
Und ich fühle mich so gut, wie lange nicht mehr
Gedanken erfüllen mich und ich schreibe sie nieder
Was gibt es Schöneres?
Und die Vögel zwitschern immer noch... 

An die Mutter

Du hast viel für mich getan
Du hast mich geboren 
Und in schweren Zeiten vielleicht vor dem Untergang gerettet
Aber du hast mir auch nicht wenig geschadet
Deine übergroße Fürsorge
Dein laisser-faire in vielen Dingen
Machte mich bis heute unselbstständig
Das zeigt sich heute in einem großen Widerwillen den täglichen Pflichten gegenüber 
Und mit deinen letzten Lebensjahren wurde mir klar
Dass deine Fürsorge auch Ausübung von Macht war
Mich nicht loslassen können
Du hast mich mit deiner Art von Liebe verwöhnt und zugleich klein gehalten 
Vielleicht war deswegen das Leben gut zu mir
Obwohl ich auch viel gelitten habe und auch heute immer noch leide
Aber es waren immer Mensche da, die mich unterstützt haben, wenn ich es nötig hatte
Das liegt auch an dir - und mir
Einen unschätzbares Geschenk hast du mir gemacht:
Du hast mir einen fast unerschütterlichen Glauben an Gott mitgegeben
Jenseits des Denkens verinnerlicht 
Nicht dass du den Glauben auf den Lippen gehabt hast
Aber wie du deinen Glauben lebtest war mir immer ein Vorbild 
Auch wenn du in deinen letzten Lebensjahren dich weit von Gott entfernt hast
Aber ich bin mir sicher, dass du jetzt bei ihm einen guten Platz gefunden hast 
Danke, dass ich wegen dir und Vater leben darf


Samstag, 8. Mai 2021

Du lebst!

So schwer, sich sein zu lassen
Nicht den Blick richten auf das Schlechte 
Auf das was nach Änderung verlangt
Auf das was sein sollte 
Sondern sehen, was gelingt 
Das Schöne, das immer auch gegeben 

Raus aus dem Klagemodus
Eine Ende mit dem Jammern
Sicher nicht von Heute auf Morgen 
Aber die Richtung stimmt

Sinnvolle Veränderung geschieht immer über das Annehmen

Gib den Mut nicht auf 
Sei zuversichtlich 
Du lebst 
Und Leben ist pendeln zwischen Hoch und Tief

Im tiefsten Tief gibt es ein Weniger und Mehr
Eine zeitlang muss das genügen 

Dankbarkeit als Weg zum Seelenfrieden






Sonntag, 2. Mai 2021

Mal wieder ein Klagetext

Zum 1347. Mal
Was tun?
Keine Lust auf irgendwas! 
Keine Kraft mich zu überwinden
Nichtstun, Senieren, Nachdenken geht auch, sagt Karin 
Schreiben, denke ich
Und nehme mein Handy 
Mehr als dieser Klagetext, kommt aber nicht dabei heraus 

Samstag, 24. April 2021

Gedanken zum Christentum

Jeder Mensch, der ehrlich in sich hineinhört, spürt eine Art Zerrissenheit in sich, schreibt sinngemäß John Lennox. 

Dies ist die Auswirkung davon, dass sich der Mensch, die ihm von Gott gegebene Freiheit nahm, um diesem sein Vertrauen zu entziehen. Er aß die einzige Frucht, die ihm verboten war. Dadurch verlor der Mensch den Schutz Gottes und erst Jesus gab dem Menschen die Chance diesen Vertrauensbruch zu bereinigen, indem er für ihn am Kreuz gestorben ist und den Tod überwunden hat.

Frage: Warum können jetzt dem Menschen seine Verfehlungen vergeben werden? Viele bezeichnen das Opfer Jesu als eine Art Lösegeld. Das heißt ja, dass Jesus mit seinem Tod den Menschen freigekauft hat von seiner ursprünglichen Sünde im Garten Eden. Warum ist es eine Sünde, wenn ich jemanden nicht mehr vertraue? Ist Vertrauen eine notwendige Bedingung für eine Beziehung und der Entzug von Vertrauen eine strafwürdige Handlung? Daraus folgt, dass die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen von Anfang an nicht auf Augenhöhe war. Wer an den christlichen Gott glaubt, muss einsehen, dass der Mensch prinzipiell Gott untergeordnet ist, auch wenn er nach seinem Ebenbild geschaffen wurde.

Nach christlichem Glauben ist es eine Sünde Gottes Regeln nicht einzuhalten. Und Sünde lastet auf dem Menschen, wenn sie nicht von Gott vergeben wird. 

Mit der Taufe sind wir befreit und Teil von Gottes Reich. Wir müssen uns seine Liebe und seine Gnade nicht durch gute Taten erarbeiten. Aber es kann sein, dass Gott uns Prüfungen schickt, wenn wir nicht nach seinen Regeln leben. Wie ein Vater, der sein Kind maßregelt, um es auf den richtigen Weg zurück zu bringen. Anders ist Erziehung nicht möglich. 

Im Christentum geht der Weg zu Gott nur über Jesus. Will ich diese Ausschließlichkeit? Was ist mit den anderen Religionen? Jesus wollte, dass wir seinen Glauben verbreiten. Will ich das? Wenn ja, dann nur indem ich ein gutes Vorbild bin und dadurch das Christentum als attraktiv erscheint. Jegliche Form von Überredung oder gar Zwang lehne ich ab. 

Warum soll gerade das Christentum die "richtige" Religion sein? Woher nehme ich das Recht zu sagen, dass die vielen Andersgläubigen irren? Bin ich schlauer oder sonst irgendwie besser, also so viele andere Menschen? 

Ich würde mir wünschen, dass es nur einen Gott gibt, der sich in allen Religionen zeigt. Aber wenn man Jesus folgt, ist das ausgeschlossen. Er sagt, er sei der einzige Verkünder des Glaubens und droht auch denjenigen, die nicht an ihn glauben. Zwar nicht mit direkter Gewalt, aber mit teilweise heftiger Verdammnis. 

Alles Dinge, die mich dem Christentum durchaus kritisch gegenüber stehen lassen bzw. die ich vielleicht nicht richtig verstehe. 

Trotzdem sehe ich mich als Christ. Ich fühle mich vom Christentum angezogen. Vermutlich nur weil ich so erzogen wurde - wer weiß? 

Was mich auch sehr beschäftigt ist, wie ich die Bibel lesen soll? Als eine Ansammlung von Mythen und Legenden, eine Symbolsprache, ein Werk seiner Zeit, dass die Übertragung auf unsere Zeit benötigt, als menschlicher, fehlerhafter Bericht von fragwürdigen Überlieferungen, hat Gott selbst die Autoren inspiriert und ihnen den Text quasi diktiert oder soll ich die Bibel gar wörtlich nehmen? Ich kann mich nicht entscheiden. Ich bewundere bzw. beneide Menschen, die für sich diesbezüglich eine eindeutige Entscheidung gefunden haben. In Gesprächen merke ich, dass diese Menschen auf einem festen argumentativen Boden stehen, den ich bei mir vermisse. Ich fühle mich hin und hergeworfen. 

Was meinst du zu dem allem? 




Die Grenzen von Recovery

Recovery beschreibt eine Lebensart, aber tröstet wenig im Schmerz.
Recovery ist ein Wegweiser, Jesus ist auch ein Tröster im momentanen Leid.
Recovery ist eine Haltung und ein Konzept, das Christentum und bestimmte Therapieansätze sind zusätzlich Methoden zur Linderung von akutem, individuellem Leiden.
Recovery braucht lange Zeit, um im Menschen zu wirken und verinnerlicht zu werden, ist vielleicht sogar in die Wiege gelegt. 
Recovery wirkt bei Unterstützern im Wesentlichen durch Vorleben und sagt nur wenig über die Fähigkeit zur Empathie aus. 
Recovery bringt den Unterstützern Hinweise für den Umgang mit Leidenden und zur Veränderung der eigenen Lebensart. 

Freitag, 9. April 2021

4 Sprüche

Wirklich Schönes braucht keine Aufmerksamkeit
Aus dem Film "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty"
....... 
Vertrauen ist die stillste Form von Mut. 
.........
Mache deinen Schmerz zur Inspiration.
......... 
Die beste Art einen Freund zu finden, ist selbst einer zu sein. 

Zwischenbilanz

Wenn ich mein Leben betrachte
Sind dann akute Psychosen die Highlights?
Oder die Frauen, die mir begegnet sind? 
Oder tolle eigene Vorträge? 
Erfolgreiche Sitzungen und Veranstaltungen? 
Vereinsgründungen, Projekte, Initiativen? 
Die Welt habe ich nicht gerade gesehen 
Die große Liebe? 

Es könnte sein, dass ich irgendwann bereue
Dass ich nicht gereist bin
Dass ich mich nicht mehr getraut habe
Dass es bei allem Schönen ein kleines Leben gewesen ist 

Viel Zeit verloren durch Langeweile, im Bett liegen, Lustlosigkeit, Rumhängen 
Die zahllosen "Gedichte" 
Tagsüber in Cafés, abends in Kneipen
Mit Karin wurde ein Stabel Oktavhefte entsorgt 
Seit ein paar Jahren fast jeden Abend Filme bei Amazon und Netflix
Kaum ein Science Fiction, den ich nicht kenne 
Abtauchen in die Unterhaltung 

Es könnte sein, dass ich irgendwann bereue
Lebenslange Flucht vor mir selbst?
Ein Leben lang um mich selbst gedreht? 

Es wird Zeit mich mit mir anzufreunden 
Das Alleinsein mit mir auszuhalten 
Vielleicht das Entscheidende für die letzten Jahre 


"Sowohl als auch" statt "entweder oder"

"Sowohl als auch" statt "entweder oder" Das scheint mir eine Lebensmaxime zu sein, die sich auf sehr viele Bereiche über...