Montag, 13. November 2017

Bericht von den EX-IN-Interventionstagen Hannover 6./7.11.2017

Bericht
von den Interventionstagen des Vereins EX-IN Deutschland am 6./7.11.2017 in Hannover

1. Tag 6.11.2017

I. Plenum Vernetzung

A) Wahl der Landessprecher:

MEINUNGSBILD

1. Gewählt werden dürfen nur Mitglieder von EX-IN D. Wählen dürfen nur Mitglieder von EX-IN Deutschland.
bekam wenig Stimmen, da es noch zuwenige Mitglieder von EX-IN D gibt und die ganze EX-IN Bewegung mitgenommen werden soll. Die Verhältnisse in den Ländern sind zu unterschiedlich. Teilweise mehrere (konkurrierende) EX-IN Vereine. Teilweise Einzelkämpfer. 

2. EX-IN Deutschland entscheidet jeweils über die Landessprecher-Vorschläge aus den einzelnen Ländern
bekam eine klare Mehrheit, da so individuell durch EX-IN Deutschland auf die Bedingungen in jedem Bundesland eingegangen werden kann. 

Problem: In den Ländern haben sich in der Zwischenzeit sehr unterschiedliche EX-IN Strukturen gebildet, die im Moment nicht von EX-IN Deutschland durchdrungen sind. Die Länder waren schneller als EX-IN Deutschland 

B) Diskussion über Vernetzung allgemein

Hauptproblem ist, das niemand einen Überblick über die GenesungsbegleiterInnen hat. Ais Datenschutzgründen existieren keine Listen. Nur jeder Standort kennt seine EX-INlerInnen. Die Integration ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich weit fortgeschrittenen. Obwohl EX-IN Deutschland alle Zertifikate ausgestellt hat, sind dort nur die Namen der GenesungsbegleiterInnen bekannt ohne Kontaktdaten. 

II. Austausch Trainernetzwerk

Eingangsrunde, Themensammlung, Statements
  • NRW hat 4 Standorte, bis zu 7 parallel verlaufende Kurse, Parallelstrukturen
  • Selbstständigkeit mit EX-IN 
  • Sachsen-Anhalt: erst 1 Kurs
  • Wie therapienah ist EX-IN? 
  • Achberger Themenvorschläge
    • Wie umgehen mit Kursabbrüchen?, Anforderungen zu hoch? 
    • Aktualisierung des Curriculums und Einführung neuer Methoden
    • Refreshkurs für Trainer für neues Wissen und neue Methoden
    • Problem: Ablehnung des Portfolios
    • Matching: Wie findet der Absolvent genau den für ihn passenden Job?
    • Wie kann die Qualität der Kurse und der Trainer gesichert werden?
  • Grundproblem: EX-IN zwischen Finden eines Arbeitsplatzes und Selbstentwicklung
  • Reflexion misslungener Arbeitsverhältnisse, d. h. warum sind manche EX-INlerInnen am Arbeitsplatz gescheitert 
  • Wie kann Vernetzung der GB nach dem Kurs gefördert werden. 
  • Wichtig: Trainer müssen Zeit für gegenseitigen Austausch haben
  • Problem: Wenn Trainer nicht miteinander harmonieren.
  • Wie kann die EX-IN Bewegung gestärkt werden? Lobbyarbeit?!
  • Wagenbrenner:
    • Klärung des Begriffs "Ausbildung"
    • Umgang mit Kursabbrüchen 
    • Eignung und Qualität der KursteilnehmerInnen und des Kurses. Auswahlverfahren 
  • Sielaff: Es gibt (seltene) internationale Treffen, um die Module weiter zu entwickeln. Wichtig ist, dass darüber ein Austausch der Trainer untereinander stattfindet. 

PAUSE, Strukturierung der Themen

Qualität der Tandemarbeit, Qualität der Trainer
  • Am Anfang herrscht zwischen den Trainern meist Harmonie. Die Tandems entwickeln sich. Spannungen und Konflikte können entstehen. 
  • Achberger plädiert
    • durchgängige Begleitung des Kurses durch die Trainer
    • gemischt-geschlechtliche Tandems
    • Rollen klären (vor allem bei Erfahrenen-Trainern mit Sozialberuf) 
      • Profi bringt Profierfahrung ein
      • Erfahrenentrainer bringt Genesungserfahrung ein
      • Es muss immer klar sein in welcher Rolle gerade gesprochen wird. 
    • Wenn der Trainer zugleich für die Organisation des Kurses zuständig ist, kann das Probleme geben. Rollenkonflikt: Finanzen, Interessenkonflikt Träger-Trainer, Überlastung des Trainers
  • Wichtig: Zeitnahe Reflexion der Trainer über das, was im Kurs geschehen ist. Was war gut, was war schlecht,... 
  • Spannungsverhältnis: Wie sehr ist der Trainer Moderator oder Mitdiskutant? 
  • Die Aufgaben des Trainers verändern sich im Laufe des Kurses. Vieles automatisiert sich. Mehr Raum für den Fokus auf die Entwicklung der Teilnehmer eröffnet sich. 
  • Fragen zur Rolle des Trainers: Wieviel Bindung gehe ich ein? Wie sehr bin ich Therapeut? Wieviel Distanz muss ich wahren? Soll ich bei Treffen außerhalb des Kurses dabei sein? Darf ich mich befreunden? 
  • In gewissen Abständen die Teilnehmer fragen, was sich bei ihnen verändert hat. 
  • Wie sehr bringt sich der Erfahrenentrainer mit seiner eigenen Geschichte ein? 



Umgang mit Kursabbrüchen und mehr
  • Fokus auf Arbeitsplatzsuche baut Druck auf und kann überfordern. Ergebnisorientierung kann belasten. 
  • Es gibt in manchen Kursen Teilnehmer deren Finanzierung noch nicht gesichert ist. Ist das sinnvoll? Inwieweit sollte das Geld darüber entscheiden, ob ich den Kurs machen kann/darf, wenn ich geeignet bin? Bsp: 1 Teilnehmer hatte erst im 12. Modul seine Finanzierung. 
  • Problem: Ausschließen eines Teilnehmers durch die Trainer. Ablehnung eines Portfolios? 
  • Es ist fast schon normal, dass im Kurs Krisen auftreten. Die Teilnehmer unterstützen sich auch gegenseitig. Rollen klären. 
  • Exkurs zur Finanzierung 
    • In Hamburg gibt es Einzelfallentscheidungen des Jobcenters den Kurs zu finanzieren 
    • Holtmann: Jobcenter sind nicht auf AZAV Zertifizierung angewiesen. Haben Ermessensspielraum. Finanzierung sollte vor Kursbeginn geklärt sein. 

Therapienähe des Kurses, Ergebnisorientierung vs. Persönlichkeitsentwicklung
  • Übliche Formulierung: EX-IN ist keine Therapie, hat aber therapeutische Effekte
  • Frage: Was genau ist therapeutische Wirkung? Was ist Therapie? 
  • Umgang mit Krisen
    • Berlin: Wenn Teilnehmer rausgehen wg. Krisen, gehen Trainer nicht hinterher
    • Teilnehmer sollen selbst für ein Hilfenetz sorgen, das sie während des Kurses begleitet. Zum Beispiel Patenschaften. 
    • Holtmann: Trainer sollten immer gesprächsbereit sein bei Krisen
    • Eigenverantwortung der Teilnehmer stärken und beachten
    • Achberger: Ständige Reflexion über die Teilnehmer. Auch Einzelgespräche werden durchgeführt. 
    • Wird auch gemacht: Nach 5 Modulen Einzelgespräch über den Stand des Teilnehmers. 
    • Sielaff
      • Aus der Schilderung von Genesungswegen dürfen keine Krankheitsgeschichten werden. 
      • EX-IN wirkt immer therapeutisch, schon vom Ansatz her. Die Frage ist, wie mit dieser therapeutischen Wirkung umgegangen wird. EX-IN will durch die Reflexion und Bearbeitung von Erfahrungen einen Recoveryweg anstoßen, das ist therapeutisch. 
    • Achberger: der erste und wichtigste Schritt ist, dass der Teilnehmer zu einer positiven Identität findet. 
    • Mücke: Sie wolle nicht therapiert werden, sondern qualifiziert. 
    • Meinung: Der Trainer muss nicht immer da sein, wenn es einem Teilnehmer schlecht geht. Er ist kein Therapeut. 
    • Sielaff: Der Trainer muss die Dinge in der Hand haben und den Überblick bewahren. Er hat die Verantwortung für den Prozess. 
    • Achberger: Für mich ist EX-IN Erwachsenenbildung und keine Therapie. Obwohl ich selbst Therapeutin bin, arbeite ich im Kurs nicht therapeutisch. 
    • Was wirkt bei EX-IN? Was sind die Wirkfaktoren? Es gibt keine Evidenzstudien für EX-IN. Das ist aber für Kostenträger wichtig. Gruppendynamik wird zu wenig beachtet.
  • Sielaff: EX-IN ist nicht mit anderen Kursen vergleichbar. Nirgendwo wird in dieser Weise mit Erfahrung gearbeitet. 
  • Genesungsbegleiter ist kein Traumberuf, d. h der Lebensweg hat eher zwangsweise dorthin geführt. Aber auch Profis haben Brüche in ihren Biografien. 

Der Vorstand wird ein weiteres Trainer-Treffen organisieren, wo konkret an den Modulen gearbeitet wird. Die Trainer sollten aber was Vernetzung anbelangt Eigeninitiative entwickeln. Eine Idee ist die Organisation von regionalen Trainertreffen. 

Fazit: Das Treffen war ein freier Erfahrungsaustausch. Die Themensammlungsrunde dauerte sehr lange und sehr viele unterschiedliche Themen wurden genannt. Auch nach  der Themenstrukturierung in der Pause wurde nicht konsequent an Themen gearbeitet. Es bleibt eine gewisse Beliebigkeit und Ergebnisoffenheit, die vielleicht typisch für Interventionsgruppen sind. 

2. Tag 7.11.2017

Statement Achberger 
  • Arno Deister, der aktuelle Präsident der DGPPN, setzt sich dafür ein, dass GenesungsbegleiterInnen in die neue PsychVVG aufgenommen werden. 
  • Wichtig ist es, sich in den Ländern über die Liga dafür einzusetzen, dass GenesungsbegleiterInnen in die Landesrahmenverträge zum Bundesteilhabegesetz als Fachkräfte aufgenommen werden. Rainer Höflacher ist Mitglied der AG Landesrahmenvertrag des Sozialministeriums Baden-Württemberg in der Leistungserbringer, Leistungsträger und Leistungsberechtigte vertreten sind. In Berlin sind GB bereits im Landesrahmenvertrag genannt. Es muss explizit GenesungsbegleiterInnen drin stehen. 
  • Der Vorstand von EX-IN Deutschland soll auf die Fachstelle Bundesteilhabegesetz zugehen und GenesungsbegleiterInnen für die Fortbildungen zur Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung vorschlagen. 
  • Die S3-Leitlinie Psychosoziale Hilfen soll bzgl. GenesungsbegleiterInnen von den Anwesenden angeschaut werden. 

Es gibt bei EX-IN Deutschland folgende AGs:
  1. AG Curriculum 
  2. AG Forschung 
  3. AG Regionalisierung / Landessprecher
  4. AG Qualität 

Das Plenum verteilt sich in diese AGs und arbeitet in Kleingruppen an den zugehörigen Themen. Danach berichten die AGs ihre Ergebnisse im Plenum. 

A) AG Curriculum 

Sielaff bietet an Standorte, die neue Module oder Fortbildungen anbieten, persönlich zu unterstützen. Man solle direkt auf sie zugehen. 

1. Wissenserweiterung zu den Modulen

Um zu erreichen, dass das Wissen um die Umsetzung der Module steigt, einigt man sich auf folgende 4 Schritte, die zuerst in einem Experiment am 1. Modul für die anwesenden 6 Trainer getestet werden sollen:

1. Die Materialien der anwesenden 6 Trainer zum ersten Modul werden an Jana Westfal gemailt. 
2. Jana sortiert die Materialien vor, kategorisiert eventuell und stellt sie in einer Dropbox allen zur Verfügung. 
3. Wenn sich ein Trainer von einer Ausarbeitung angesprochen fühlt, ruft er beim Autor an und tauscht sich über deren Inhalt und Absicht aus. Beide erweitern so ihr Wissen. 
4. Die AG Curriculum trifft sich bei der Jahrestagung in Berlin im Februar und bewertet den Verlauf des Experiments. 

2. EX-IN Weiterbildungen 

Die Anwesenden sammeln, was in den einzelnen Regionen bzgl. Weiterbildungen gemacht wird. 
  • Netzwerktreffen (GB und Profis treffen sich in Berlin) 
  • Trialogische Workshops
  • Fachtagungen
  • Hamburg
    • Weiterbildung für GB in Arbeit
    • Fortbildung für GB zum Thema Suizidalität / Suizid
    • Partizipative Forschung (überegionales Modul 1 und 2
    • Peerarbeit bei Kinder psychisch kranker Eltern
  • ......

Es werden Themen für Fortbildungen gesucht:
  1. Praxis als arbeitender GB
  2. Rollenschärfungen
  3. Gruppendynamik
  4. Offener Dialog 
  5. Suizidalität 
  6. Tandems in der Praxis
  7. Qualitätssicherung 
  8. Konzeption und Durchführung von Recoverygruppen

Ergebnis: Sielaff und Aumann konzipieren eine trialogische Weiterbildung zum Thema Gruppendynamik an. 

B) AG Landessprecher

1. Landessprecher wünschen, dass ihnen ihre Fahrt- und Übernachtungskosten ersetzt werden. Sie werden einen entsprechenden Antrag an den Vorstand von EX-IN Deutschland stellen. 
2. Als Ziel wünschen sich die Landesaprecher, dass in den Ländern Landesverbände entstehen und wenn möglich auch so heißen. 
3. Es wurden 2 Sprecher des Landessprecherrates für 2 Jahre gewählt 
  1. Andrea Sülzle (Baden-Württemberg) 
  2. Wolfgang Pohlmann
4. Das nächste Treffen des Ländersprecherrates ist am 25.2.18 in Berlin im Rahmen der Jahrestagung. 

C) AG Forschung

4 Themen wurden besprochen:
  1. Erforschung der persönlichen Recoverywege von GB
  2. Erforschung der EX-IN Kurse
  3. Publikationen der Texte von Lebensgeschichten von GB
  4. Vernetzung 
Erforschung der Kurse
  • Welche Erhebungsinstrumente gibt es? 
  • Wie sehen die Wirkfaktoren von EX-IN aus? Wirkungsforschung
  • Die gefundenen Instrumente (Fragebögen) frühzeitig an Kurse weitergeben (auch über die Trainer der Trainerkurse)
  • Forschungsdesign entwickeln
D) AG Qualität 

Grundproblem: Standards vs. Vielfalt

Themen für die Qualität sind:
  • Nachholzeiträume, z. B. können Module nach Jahren noch nachgeholt werden. Wieviel Module können nachgeholt werden? 
  • Arbeiten als GB ohne Zertifikat 
  • Gruppengröße nach oben begrenzen
  • Standardisiertes Bewerbungsverfahren 
  • Qualität eines Kurses feststellen und sichern
    • Prüfkommission am Standort
    • Schriftliche Qualitätsabfragen bei den KursteilnehmerInnen 
  • Nachweis der Qualität nach außen. Z. B. gegenüber Kostenträgern 
  • Qualifikationsvertrag vorgeben? 
Wichtige Hinweise

  1. Die AG Qualität entscheidet über die Erteilung der Kurszertifizierung! 
  2. Es gilt die Vereinbarung von EX-IN Deutschland, dass bezahlte versäumte Module deutschlandweit kostenfrei an anderen Standorten nachgeholt werden können. 

Samstag, 11. November 2017

Nur für meine Freunde!

[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du, dass es das Böse gibt, es in und außer dir ist und dass es mit geistigen Mitteln besiegt werden kann bzw. muss?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du an Kräfte und Fähigkeiten in manchen Menschen, die mit üblichen Mitteln nicht erklärbar sind und die wirksam sind?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du an die Welt jenseits unserer Welt? An die Geistwelt?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Glaubst du an Jesus und an Gott?
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Für meinen nächsten Sieg gegen das Böse brauche ich Verbündete, den ich habe Angst vor Depression und Wahn.
[12.11., 04:14] Rainer Höflacher: Kannst du mir sagen, was du als böse empfindest und was du dagegen tust bzw. tun könntest?

Sonntag, 1. Oktober 2017

Durchhalten lohnt sich

Mit 19 fing es an. Ich erkrankte an einer Psychose, die mein Leben grundlegend verändern sollte. Die erste Psychose war ein wahrer Horrortrip mit Wahnvorstellungen und Ängsten wie aus einem Roman von Stephen King. Inzwischen sind es 17 Aufenthalte in der Psychiatrie - meist in der Geschlossenen - und knapp 25 akute Psychosen inklusive Zwangsmaßnahmen. Gott sei Dank nahm deren Intensität mit den Jahren ab. In den 90ern erlebte ich für 4-5 Jahre eine Zeit, die ich heute meine depressive Hölle nenne. Nichts ging mehr, ich litt fürchterlich und es war schon die Heimeinweisung im Gespräch. Bis 1992 hatte ich es trotz Erkrankung geschafft mein Abitur nachzumachen, eine Ausbildung zum Informatiker abzuschließen und einige Jahre als Softwareentwickler zu arbeiten. 1996 ging dann nichts mehr und ich musste mit 35 Jahren in die Frührente. Erst ab da ging es langsam bergauf. Der Tod meines Vaters, ein neues Medikament und eine neue Partnerschaft waren weitere Gründe dafür, dass es mir besser ging. Aber nachhaltig gerettet hat mich mein intensives Engagement in der Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener, das mich bis heute trägt. Doch der entscheidende Schritt zu weitestgehender Genesung war 2010 die Heirat mit meiner Frau Karin. Heute bin ich 56 Jahre alt und führe ein erfülltes Leben, das natürlich auch noch Entwicklungspotential hat. Mein Anliegen ist es, mein Erfahrungswissen zu nutzen, um so psychisch erkrankte Menschen zu unterstützen und das psychiatrische Hilfesystem zu verbessern.

Sonntag, 24. September 2017

Einfach 5 Worte

Du lebst, also tu es.

Echt sein

Das Eine ist es, wie gut du die Regeln gelernt hast, die zu einem erfüllten und zufriedenen Leben führen. Das Andere ist es, ob du dich daran hältst. Das Überzeugende ist das Leben, das du führst. Aber oft bleibt es unbemerkt, wenn Worte und Taten nicht übereinstimmen. Nur du weißt sicher, ob du anderen gegenüber du selbst bist. Der Versuch, die Anderen zu täuschen, schadet dir letztendlich, auch wenn es deinem Ansehen nutzt.

Für euch

Was ich dir zu bieten habe, ist der Weg aus der tiefen Nacht der Depression und das Zurück aus der weit enfernten Welt des Wahns. Ich kann dir die Schritte zeigen vom Chaos zur soliden Sicherheit einer geordneten Welt, wenn du das willst. Ich kann dir zeigen, was es heißt nicht aufzugeben und über die Jahre doch voran zu kommen, die seelischen Einschränkungen zu überstehen und zu integrieren.

Aber ich will dir auch nicht eine ausgeglichene, selbstsichere Persönlichkeit vorspielen, die Zweifel und Leiden überwunden hat. Wenn ich dir von Recovery und Empowerment erzähle, dann wisse, dass auch ich noch auf dem Weg bin. Das oft meine Stimmung schwankt, wie ein schlanker Baum im Wind. Habe noch keine langen Wurzeln und festen Wuchs. Vielleicht werde ich daran noch ein Leben lang vergeblich arbeiten.

Ich habe über 20 Jahre Erfahrung mit der Nähe zu anderen psychiatrieerfahrenen Menschen. Kenne ihre Schwächen, ihre Stärken. Es sind mir viele begegnet bis heute. Sie sind meine Kollegen, fast wie eine Familie - egal was du davon hältst.

Ich konnte mir mit den Jahren viel Wissen aneignen, das ich dir gerne zur Verfügung stelle. Nur die Rolle des Genesungsbegleiters kenne ich bis jetzt nur ansatzweise aus eigener Erfahrung. Damit musst du dich begnügen.

Ich freue mich auf dich, auf unser gegenseitiges Lernen, auf deine Freude, deine Trauer, deinen Schmerz und will deine Wut verstehen.

Ich bin für dich da mit allem was ich bin - nicht mehr und nicht weniger.

Samstag, 23. September 2017

Brauche ich ein 4. Leben?

Wie erwartet schaffe ich es nicht täglich abends zu meditieren, Tagebuch zu schreiben und dankbar zu sein. So muss ich es eben machen wann und so oft es geht.

Gestern haben Stefan und ich zum ersten Mal unseren Recoverykurs in Emmendingen geleitet. Es war gut und hat großen Spaß gemacht, einerseits mit den Teilnehmern, andererseits auch mit Stefan. Ich habe den Eindruck, ich habe das ganz gut gemacht. Das gibt mir auch Mut für den EX-IN-Kurs. Ich fühle mich eben einfach wohl mit "meinen" Psychiatrieerfahrenen.

Ansonsten geht es mir zur Zeit ganz gut. Ich bin gut beschäftigt und bin relativ ausgeglichen.

Nächste Woche geht es nach Villingen-Schweningen in die Polizeihochschule - Karin geht mit bummeln in Schwenningen. Und den Tag drauf fahre ich für eine Nacht nach Darmstadt.
Ich lasse es zur Zeit einfach so laufen, ohne großen Änderungswillen. Ich habe ja keinen großen Leidensdruck und so schiebe ich den Beginn meines 4. Lebens vor mir her.

Brauche ich überhaupt ein 4. Leben in dem ich mich mehr um mich kümmere, mehr zu mir selbst und zur Ruhe finde und neue Dinge ausprobiere? Die Motivation und der Wille dazu haben wieder abgenommen.

Die 4 Leben sind:

1. Kindheit und Jugend (1961-1981: 20J)
2. Psychische Leidenszeit (1981-1999: 18J)
3. Selbsthilfearbeit (1999-2017?: 18J)
4. Selbstfindung und Neues (?2017-2035: 18J)

Ich denke, es macht keinen Sinn komplett mit der Selbsthilfearbeit aufzuhören. Dazu liegt mir zuviel daran. Aber zu reduzieren und Neues ausprobieren wäre sicherlich gut.

Donnerstag, 7. September 2017

Liebe ist...

Liebe ist
... ein ganz tiefes positives Gefühl für jemanden oder etwas.
... ein Lebewesen oder eine Sache immer wieder wichtiger nehmen zu können, als sich selbst.
... Rücksicht zu nehmen.
... zu teilen.
... ein Lebewesen an das ich oft denke und das ich vermisse, wenn es länger nicht da ist. Kann auch eine Sache sein.
... wenn ich froh bin, wenn es dem Lebewesen gut geht, das ich liebe. Kann auch eine Sache sein.

Liebe als Heilmittel

Heute mal auf der Suche
Nach Optimismus
Nach Stärkung
Nach Hoffnung
Um dies weiterzugeben
Denn auch das ist in mir
Gute Sätze finden
Nicht auswendig gelernt
Nicht nachgesprochen
Originale schreiben, die soeben geboren
Das ist schwer

Meine erste Frage gilt Gott
Bist du gläubig?
Hat Gott dich verlassen?
Dann sei gewiss, dass du dich irrst

Denk an die Liebe
Entdecke wieder diese Bejahung deiner selbst
Du bist wertvoll
Gehe liebevoll und gnädig mit dir um
Sei dein bester Freund
Entdecke dein Herz für dich
Du bist es wert

Denk an die Liebe
Entdecke herzliche und wohlwollende Gefühle für die Menschen
Für die in deiner nächsten Nähe
Sie freuen sich über ein gutes Wort
Über eine gute Tat
Sie sind es wert, auch wenn es dir anders erscheint
Deinesgleichen zu unterstützen gibt Kraft

Suche ganz tief nach der Liebe in dir
Sie ist sicher da
Suche das warme Gefühl
Für dich
Für die Anderen
Für die Welt

Folge dem Prinzip Liebe
Die Selbstliebe
Die Nächstenliebe

Auch wenn du sie nur in der Ferne erahnst
Auch wenn ihr Licht erloschen scheint
Sie existiert
Glaube an sie
Und es wird besser!

Dienstag, 5. September 2017

Beim Schreiben bist du bei dir

Du bist nicht zum Meditieren gemacht
Du bewegst dich nicht gerne
Wenn du keinen Termin hast
Verbummelst du deine Zeit in der Wohnung
Hörst Musik
Liest
Schreibst
Schaust Video
Redest mit deiner Frau
Oder pflegst deine schmerzende Lustlosigkeit

Aber alle Welt sagt
Ohne Meditation
Ohne Bewegung
Ist alles nichts

Du setzt dir Ziele
Für die dir der Wille fehlt
Die vielleicht gar nicht deine eigenen sind

Wenn du schreibst, bist du bei dir
Keine langen Texte
Kein Buch
Du erzählst keine Geschichten

Du schreibst über Befindlichkeit
Reflektierst stichwortartig
Du öffnest dich und zeigst dich
Sogar der ganzen Welt

Wen interessiert's?
Ein paar Leser wären schön