Montag, 11. November 2019

Dialog mit Dorothea Buck

Rainer Höflacher: Hallo Dorothea schön, dass du mit mir redest. Danke!
Dorothea Buck: Ja
RH: Ich weiß, dass du keine so gute Meinung von mir hattest. Aber jetzt siehst du ja, dass ich es ernst meine und gegen meine Schatten kämpfe. 
DB: Ja, stimmt. Du warst jemand, der meiner Vision einer gewaltfreien und humanen Psychiatrie entgegenstand. Ich lerne dich ja erst jetzt wirklich kennen. Aber ich lerne auch jetzt deine Schatten kennen und du hast deine eigene Gewalt tief in dir vergraben, sodass sie nach außen kaum noch spürbar ist. Aber sie wäre enorm, wenn sie ungebremst frei würde. Du trägst über deinen Vater das Erbe der Nationalsozialisten in dir. Sei froh, dass deine Mutter dir Gott nahe gebracht hat. Das hat deine Seele gerettet. Du weißt: "Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nehme doch Schaden an seiner Seele" oder "Nur meine Seele retten, das ist es was ich such. Wenn Sünder Welten hätten, was nützte es im Fluch".
RH: Ja, diese 2 Sprüche hingen bei meiner Oma in Herrentierbach im Wohnzimmer und ich war schon als Kind fasziniert davon. Diese Spruchtafel habe ich mir als Erbe von meiner Mutter ausgesucht. 
RH: Wie geht es dir eigentlich jetzt? 
DB: Ach, Rainer, mir geht es gut. Ich bin in so vielen Köpfen und Herzen. Führe so viele schöne Gespräche, dass ich kaum Ruhe finde. Aber das wird ja noch kommen. Mit den kommenden Generationen wird es weniger werden. Und das ist gut so. Aber ich bin auch in den Herzen solcher Menschen wie du, die noch um ihre Humanität kämpfen und noch Wege finden müssen zu ihrer Liebesfähigkeit zu kommen. Es ist schön, dass ich denen jetzt vielleicht besser helfen kann, als zu Lebzeiten.
DB: Ja mit deinem Tod habe ich mich entschieden deine Vision an eine gewaltfreie Psychiatrie zu übernehmen, allerdings nur halbherzig: "Versuche das Unmögliche, um das Mögliche zu erreichen". Tut mir leid, mehr schaffe ich im Moment nicht.
DB: Immerhin. 
RH: Ja, die Frage nach der Möglichkeit einer gewaltfreien Psychiatrie hinterlässt du mir als schweres Erbe. Mal sehen, ob irgendwann diese Frage wieder mehr in den Mittelpunkt meines Denkens kommt. Derzeit bestimmen mich andere Themen. 
DB: Nun lass uns unseren Dialog für heute beenden. Ich bin immee für dich da, wenn du mich rufst. Ich gehöre zu deinen zuverlässigen Stimmen, wie Klaus Laupichler und Gott und viele anderen. Du musst dich allerdings daran gewöhnen, das Jesus in dieser Hinsichr für dich nicht sicher ist. Er antwortete dir nur, wenn er es für richtig hält. Aber er freut sich trotzdem, dass euer Verhältnis viel besser geworden ist, als in früheren Jahren. Bis bald, Rainer. 
RH: Bis bald, Dorothea. Und danke für den Dialog.. 
DB: Bitte. Dank dir auch. Und pass auf dich auf. Du hast Glück, dass du ein Gotteskind bist, sonst wäre es schlecht um dich bestellt. Aber so bist du auf einem guten Weg, auch wenn mir dieser in der Vergangenheit nicht so gut gefallen hat. 
RH: Schön, dass du jetzt besser in mein Herz schauen kannst. Übernimm dich nicht und gönne dir die Ruhe und den Frieden, den du verdient hast. Bis zum nächsten Mal. 

Freitag, 8. November 2019

Realität

Die Realität könnte so schön sein, hat man mir erzählt. 

Vielleicht lerne ich sie ja mal kennen.

:-) 

Sonntag, 27. Oktober 2019

Die Psychiatrie, ich und Recovery

Was könnte ich eigentlich zur Psychiatrie schreiben, ohne dass man mir einen Titel vorgibt, ohne dass ich vorher lange überlege, sondern die Gedanken nehme, wie sie kommen:

Als erstes denke ich da an meine grundsätzliche Einstellung zur Psychiatrie. Vor vielen Jahren habe ich Schlimmes in der Psychiatrie erlebt: Fixierungen., Zwangsspritze, zuletzt 2009 Isolierung. Das hat aber alles nicht dazu geführt, dass ich ein Psychiatriegegner geworden bin. Lange Zeit habe ich an mir gezweifelt, dass ich deswegen nicht richtig sei, zu angepasst, zu unterwürfig. Jetzt sage ich, ich bin wie ich bin und ich bin eben eher psychiatriefreundlich. Die vielen Menschen, die sich um mich gekümmert haben, manche mit viel Herzblut. Die vielen netten Profis, die mir bei meiner langjährigen Selbsthilfearbeit begegnet sind. Sicher waren dabei nicht alle auf Augenhöhe, auch eingebildet, arrogant, sehr von sich eingenommen und überzeugt - aber meist finde ich auch bei denen etwas Nettes oder ich kann sie einfach lassen, wie sie sind. Bin ich deswegen ein schlechter Interessenvertreter? Vielleicht fehlt mir da schon das Gefühl für Gerechtigkeit und Menschenrechte. Ich komme mehr vom System her und vielleicht weniger vom Menschen. Ich sehe, dass Psychiatrie nicht optimal läuft. Ich habe Ideen, wie es besser sein könnte, aber ich handle nicht aus Empörung und Entrüstung, sondern aus dem Wunsch heraus, es besser zu machen, um Psychiatrie weiter zu entwickeln.


Neben allen Modellen, Konzepten und Methoden ist für mich das Wichtigste, mit welcher Haltung die Profis den Patienten und den Klienten begegnen:

1.      Machen sie Mut oder demoralisieren sie?
2.      Nehmen sie ernst oder vermuten sie überall Betrug und Lügen?
3.      Glauben sie an die Genesung oder sprechen sie von austherapiert und chronisch?
4.      Spenden sie Trost und Hoffnung, wenn das Gegenüber keinen Sinn und keinen Ausweg mehr sieht oder schweigen sie dann hilflos?
5.      Haben sie selbst einen Sinn für sich gefunden, um auch anderen bei der Sinnsuche behilflich zu sein oder machen sie ihre Arbeit nach Vorschrift und Regeln ohne zu wissen weshalb?
6.      Können sie professionelle Nähe zulassen oder verstecken sie sich vielleicht sogar gleichgültig hinter der viel beschworenen professionellen Distanz?
7.      Glauben Sie an die Fähigkeiten des zu Unterstützenden, können sie diese erkennen und fördern oder sehen sie nur, was nicht geht, was defizitär scheint?
8.      Nehmen sie die Wünsche und Ziele ernst und fördern das Erreichen oder raten sie davon ab und reden von Fantasie und bemühen die in diesem Zusammenhang lähmende Vernunft?
9.      Verstehen sie sich als Berater und Assistent oder meinen sie genau zu wissen was richtig, falsch und besser ist?
10. Ist es ihnen die Befindlichkeit wicht oder denken sie nur an die Symptome unter denen gelitten wird?
11. Sind sie bereit Risiken einzugehen und an den Anderen zu glauben und bei Misserfolg es wieder zu wagen oder packen sie so in Watte, dass keine Entwicklung mehr möglich ist?
12. Sehen sie bei schwierigen Menschen das Liebenswerte, das jeder Mensch in sich trägt, deren Schrei nach Liebe und Anerkennung oder verurteilen sie das herausfordernde Verhalten, lehnen ab, grenzen aus, ja hassen sogar - selbst als bezahlte Helfer?

Das fällt mir zum Thema Haltung ein. Diese Wünsche an die Profis versammeln sich beim Recoveryansatz. Nicht dass das alles neu wäre, aber leider noch lange nicht überall umgesetzt. Mir ist klar, dass die Profis keine Übermenschen sind und genauso wenig perfekt sind, wie die von psychischer Erschütterung Betroffenen. Aber mit Recovery bekommen sie eine Leitlinie vermittelt und zwar nicht von ihren Chefs oder irgendwelchen Professoren, sondern direkt von den Betroffenen, denn der Recoveryansatz wurde von Psychiatrieerfahrenen aus den USA und Neuseeland entwickelt. 

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Sonntagmorgengedanken

Er liegt auf der Couch. Der Rolladen lässt etwas Licht des Morgens in das Zimmer. Er nimmt sein Handy, überlegt, legt es wieder hin und hängt weiter seinen Gedanken nach.

Zugleich Lust auf Aktivität und zugleich auch wieder nicht. Eine gedachte Möglichkeit nach der anderen, wird innerlich wieder von ihm abgelehnt. Zuviel Aufwand, keine Lust.

Er müsste viel mehr lesen. Sein Wissen vermehren, aber er produzierte nur Mails, WhatsApp-Nachrichten und Dokumente. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. 

Auch sein schlechtes Gedächtnis trug dazu bei, dass er immer weniger vertieftes Spezialwissen parat hatte. Überall ein bisschen, aber wenn man mehr wissen wollte, musste er passen. 

Zudem verlor er immer mehr die Fähigkeit zu erzählen und zu berichten. Er hatte das Gefühl, er müsse sich kurz fassen, wie er es auch von anderen erwartete. Er setzte sich deswegen selbst unter Druck und das Ergebnis war, dass er nur knapp einen Gedanken an den anderen reihte und nicht die notwendige Breite der Informationen weitergab. So kam es, dass ihm relativ schnell die Gedanken ausgingen und er Notizen benötigte, um weitere Ideen für sein Sprechen zu bekommen. Es fiel ihm immer schwerer frei zu reden. Es fehlte ihm dazu auch immer mehr die Übung dazu. Seine Kommunikation verlief inzwischen im Wesentlichen schreibend: Mails, WhatsApp, Facebook. Kurze, knappe Statements waren dort gefragt, was ihm sehr entgegen kam. Einen längeren Text zu schreiben, war ihm kaum möglich.

Drei Stunden später liegt er im Bett und hört die zufällige Bestenliste seiner Songs bei Google. Ein guter Kompromiss zwischen Langeweile und gebremstem Schaffensdrang. Zeit totschlagen oder Genuss? Schwer zu entscheiden. 

Rosenstolz. Herbert Grönemeyer. Roger Cicero. Max Mutzke. Bap. Peter Maffay. Konstantin Wecker. Komisch. Wo sind die englischen Songs?

Langsam kündigt sich das Mittagessen an. Hähnchenschenkel gibt es heute. Mit Gemüse. Dann wird er ins gewohnte Tun in der Küche kommen. 

Nun gehen wir schon Richtung Nachmittag. Google Pay Music ist Spotify gewichen: Ray Wilson. 

Aufgegeben hat er zu suchen was gerade passen könnte und lässt einfach zu. Das Nichtstun, das nicht Freude haben, sondern das nur sein. Schwierig, das auszuhalten ohne das Gefühl Zeit zu vergeuden. 








Samstag, 26. Oktober 2019

Mahnungen

Meine Erkrankung mahnt mich immer wieder, nicht der Mensch zu werden, der ich vermutlich ohne sie geworden wäre....

Der liebe Gott mahnt mich, mich nicht so wichtig zu nehmen....

Spuren der Liebe hinterlassen

Und plötzlich kommen die Zweifel, die Scham. Schon wieder eine Veranstaltung vorzeitig beendet. Die Unsicherheit wird größer. Inwieweit kann man sich noch auf mich verlassen? Wann werden die Zustände wiederkommen? Hab ich mich richtig verhalten? Die Mail an Uwe Bening und Elke Atzpodien mit meiner Erklärung - war die nötig gewesen?

Wenn ich bedenke, dass in Syrien Krieg ist. Dass auf der Welt so viele Menschen gewaltsam sterben. DANN schäme ich mich noch mehr darüber wie wichtig ich mich mit meinem Leben nehme. 

Eine kleine Welt unter 7 Milliarden Welten. Ein kleines Leben unter 7 Milliarden Leben.

Vielleicht ist mein größter Fehler, dass ich mich für soooo wichtig halte.

Demut lernen. Die Not der anderen wahrnehmen und lindern angesichts der eigenen Erfahrung. Mitgefühl statt Verurteilung. Spuren der Liebe in die Welt bringen. Das sind doch die eigentlichen Ziele, die mich antreiben - sollten. 

Weg mit Scham und Schuld. Weiter machen. Besser machen. 



Lautstark

Es sind nicht immer die Lauten stark,
nur weil sie lautstark sind. 
Es gibt so viele, 
denen das Leben viel echter gelingt. 

Konstantin Wecker 

Offenlegung

Ist es der richtige Weg meine Zweifel, meine Irrungen und Wirrungen, meine Euphorie, meine Innerlichkeit so öffentlich zu machen - euch mitzuteilen?

Ist es der richtige Weg bei meiner Arbeit, bei meinem Auftreten meine Schwächen zu zeigen - euch zu informieren? 

Werde ich dann noch ernst genommen? Traut man mir dann überhaupt noch etwas zu? Redet man schlecht über mich? Was denkt ihr darüber?

Und vor allem: Warum mach ich das? 

Ich könnte jetzt sagen, um dem Stigma zu begegnen, um zu zeigen, das psychoseerfahrene Menschen mit den gleichen Nöten und Sorgen umgehen, wie alle. 

Aber das ist es nicht wirklich. 

Es macht mir Freude mich zu zeigen, mit meiner Person und mit meinem Leben Interesse zu wecken. Ein Stück weit als Narzist, ein Stück weit als Mahner, ein Stück weit als Beispiel, gerne irgendwann als Weiser. 

Ich habe mein Auskommen, eine Aufgabe und eine Wohnung, eine liebe Frau und einige wenige Freunde. Habe die Möglichkeit sehr selbstbestimmt zu leben. Darüber hinaus ein hohes Maß an Unabhängigkeit. 

Warum soll ich mich dann von eurem Urteil abhängig machen, der ihr nicht meine Frau oder meine Freunde seid?

Solange ich sicher auf menschlichem, geistigen und materiellen Boden stehe, muss ich überhaupt nichts fürchten. 

Und wenn ich das alles verliere, bleibt mir noch mein Glaube und dann wird es sich wirklich zeigen, ob mich dieser trägt. 

Deswegen mache ich weiter mit meinem Blog und mit meiner Offenheit. 

Denkt von mir, was ihr wollt. 






Über den Grenzen....

Musste heute den Selbsthilfetag des LVPEBW abbrechen. Hab die Mitgliederversammlung noch so recht und schlecht über die Runden gebracht. Hab mich gefühlt als stünde ich neben mir. In der Mittagspause wurde meine innere Unruhe so groß, dass ich gegangen bin. Jetzt bin ich schon 3h unterwegs und bin erst in Karlsruhe. Den DGPPN Kongress in Berlin Ende November habe ich abgesagt. Mir fehlt total die innere Energie. Bin emotional gebremst und gedämpft. So ist das eben, wenn man psychisch eingeschränkt ist, auch wenn ich es meist nicht wahrhaben will. Ich meine immer ich könnte alles irgendwie schaffen und gehe über meine Kräftegrenzen hinaus. Ich habe so langsam den Verdacht, dass ich oft mehr sein will, als ich bin. Und so langsam gehe ich auch auf die 60 zu. Immer mehr wächst der Wunsch mein Leben mit Karin und meinen Freunden zu genießen. Gibt es vielleicht auch ein Leben ohne LVPEBW Vorsitz?

Schade, dass ich die Vorträge von Uwe Bening und Elke Atzpodien nicht mitbekommen habe. Und die Frau von den Singenden Krankenhäusern ist bestimmt auch ein Erlebnis. 

Dienstag, 22. Oktober 2019

Lebendigkeit im Kopf

Herr Rüsch sagte mir als Gedanke in meinem Kopf, die Dialoge in meinem Kopf mit anderen Menschen, Gott und Jesus seien von mir selbst gemacht. Und es wäre gesundheitlich für mich am besten, das so zu sehen. Dämonen und der Teufel melden sich übrigens nicht mehr unverkleidet bei mir. 

Das mag sein. 

Aber die Möglichkeit, dass ich auf irgendeine unerklärliche Weise mit diesen helfenden Gedanken-Stimmen doch wirklich in Kontakt stehe, ist faszinierend und macht mein Leben viel spannender. Deswegen werde ich weiter diesen Spagat zwischen Selbst und Außen wagen. Mein Leben ist viel langweiliger und uninteressanter, wenn ich nur mit mir selbst denke.

Das Lebendige ist immer risikoreicher. 

Dialog mit Dorothea Buck

Rainer Höflacher: Hallo Dorothea schön, dass du mit mir redest. Danke! Dorothea Buck: Ja RH: Ich weiß, dass du keine so gute Meinung von mir...