Sonntag, 28. Juni 2020

Das Leben ist schön

Das Leben ist schön und lebenswert. In der längsten depressiven Krise meines bisherigen Lebens hatte ich an jedem hohen Ort das Bedürfnis mich zu Tode zu stürzen. Gott sei Dank, überwog die Angst und der Lebenswille. Es war eine fürchterliche Zeit. Aber auch sie ging vorbei und Ende der 90er Jahre erholte ich mich langsam wieder, sodass mir mein damaliger Todeswunsch heute sehr fremd vorkommt. 

Inzwischen habe ich mich gut stabilisiert und einen Weg für mich gefunden. Über das mir jahrelang gesteckte Ziel ein liebender Mensch zu werden und mich zu verändern, bin ich nun dazu übergegangen mich mehr anzunehmen und auch Grenzen und Schwächen bei mir zu akzeptieren. Vielleicht auch ein Zeichen meiner inzwischen fast 60 Lebensjahre. 

Ich bin dabei gesünder zu leben, ohne mich dabei unter Druck zu setzen, weil ich einen echten Willen spüre, der nicht nur vom Kopf ausgeht. Darüber hinaus mache ich gerade meinen Glauben zum Mittelpunkt meines Lebens. Er soll nicht weiter angenehmes Beiwerk sein. 

Das Leben ist nicht nur schön, sondern auch spannend, wenn man einen guten Blickwinkel findet. Allerdings möchte ich bemerken, dass es das Leben die letzten Jahre sehr gut mit mir meint. Ich bin gesund, nicht alleine, habe keine größeren Sorgen und bin schon lange von Schicksalsschlägen verschont. So ist es leicht zuversichtlich und optimistisch zu sein. 

Ich hoffe, dass mir noch lange das Glück hold ist und ich mir weiter diese positive Sicht und meinen Lebenswillen erhalten kann, auch wenn das Leben schwer wird. 

Abschließend der Gelassenheitsspruch, der mir immer wieder eine Hilfe ist und den Sie bestimmt auch kennen:

Gott gebe mir die Kraft, die Dinge zu ändern, 
die ich ändern kann, 
und die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, 
die ich nicht ändern kann. 
Und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden. 

Rainer Höflacher an 28.6.2020

Dienstag, 23. Juni 2020

Vertrauen mit Gott

Vertraue niemals jemand anderem
Vertraue nur dir selbst
Zitat aus dem Film "Anna"

Nur ein kleines Leben darf vertrauen 
Je bedeutsamer die Person
Je mehr es um Macht geht 
Je mehr Geld im Spiel ist
Desto mehr ist Misstrauen ratsam
Manipulation? Verführung? Lüge? Betrug? Gewalt? 

Vor Gott sind alle Menschen gleich
Vor den Menschen nicht
Und die großen Meister? 
Unvorstellbar ein Leben ohne zu werten

Vertrauen schafft Nähe 
Nähe kann trügerisch sein
Vertrauen macht verletzlich
Kann enttäuscht werden

Doch ohne Vertrauen sind wir eine Insel
Willst du eine Insel sein? 
Oder verbunden? 

Bist du stark genug? 
Brauchst du Gott? 
Gott will auch Frieden geben, nicht nur Stärke 
Nicht nur die Schwachen sind bei Gott

Vertraue den Menschen 
Nur gemeinsam sind wir stark 
Doch sei wachsam

Noch mehr vertraue Gott 
Mit ihm kommst du zur Ruhe
Vielleicht prüft er dich
Doch er trägt dich durch schwerste Stunden 
Damit du überlebst
Und aufs Neue schauen kannst 

Er begleitet deinen Tag
Vielleicht spricht er zu dir
Durch seine Stimme oder durch Zeichen
Auch schweigend umgibt er dich

Er ist Eins. Alles. 
Immer schon da. Ewig seiend. 
Er ist, was er ist. 

Vertrauen? 
Misstrauen? 
Liebe? 




Montag, 22. Juni 2020

Achtung: Botschaft an meine Leser

Lieber Leser meines Blogs,

es geht weiter mit den Veränderungen meines Lebens. Nach meiner ersten von Gott geleiteten Meditation heute morgen, habe ich mich entschlossen, ab sofort in diesem Blog nicht mehr mein Innerstes offenzulegen. Ich hab mir überlegt, warum ich das so sehr brauche und es wird Zeit diese Angewohnheit zu beenden. Ich werde solche Dinge nur noch meinem Tagebuch, Gott und guten Freunden anvertrauen und damit ist auch meine Ehefrau gemeint. 

Ich werde schon noch im Blog schreiben, aber versuchen meine Gedichte allgemeiner zu fassen, allgemeinere Reflexionen und vielleicht auch psychiatriespezifische Themen hier veröffentlichen. Mal sehen, ob du dann immer noch Geschmack am Blog findest. 

Ich wünsche dir das Allerbeste, bleib gesund und habe glückliche Momente und ein glückliches Leben - denn beides ist möglich! 

Kein Abschied sondern hoffentlich ein Neubeginn

Ganz liebe Grüße 
Rainer

Sonntag, 21. Juni 2020

Freie Assoziationen

Trauer

Geh nicht unter die Bäume
Es donnert
Geh nicht ins Meer
Das Leben ist schön 

Ehre den Clown
In dir, in mir
Denn keiner ist sicher im Boot

Rot ist meine Farbe
Nicht wie das Blut
Sondern wie die Rose
Die mir Liebe verspricht
Und mich schnöde enttäuscht 

Ich gehe meinen Weg
alleine, vielleicht einsam
Aber nie ohne dich
Nie ohne einen Besuch im Tempel 
Egal ob du mit mir sprichst

Da ist keine Ruhe in der Welt
Es schwehlt in unserem Land
Aus Freunde werden Gegner
Christen plündern die Läden
Ich hoffe, du weißt, was du tust

Blumen stehen am Rande
Künstlich, wenige leben noch
Es ist zu feucht in unseren Augen
Aber keine Träne will fließen 

Die Worte kommen und bleiben
Menschen kommen und gehen
Auf dem Papier bleibe ich
Im Virtuellen überlebe ich

Auch wenn mich niemand mehr findet
Derjenige der nachdenkt weiß, dass ich noch bin
Irgendwo versteckt in den Wolken


Glückssoldat (Song-Assoziationen)

Glückssoldat

Ich habe dir oft Geschichten erzählt
Von meiner Suche nach dem Glück 

Ich werde alt
Die Lieder Klingen in der Ferne

Ich weiß nicht
Und staune
Werde ruhig, weise
Keiner so wie du

Ich bin ein Reisender, der Neues sucht
Meine Augen sehen und sind blind
Mein Schmerz erhebt mich
Nicht über dich
Sondern über mich

Ich bin ein Soldat 
Der mit den Windmühlen geht
Der stark ist und weint
Der sich schämt und kämpft 
Und das wird so bleiben
Bis zum bitterschönen Ende

Song-Assoziationen nach "Soldier of Fortune von Deep Purple" 

Heile die Welt (Song-Assoziationen)

Heile die Welt

Langsam, aber sicher
Die Kinder sind die Zukunft
Und zeigen uns den Weg in eine bessere Welt
Morgen, erst? 
Trauer, weil wir zusammen leben? 
Du bist die Welt

Für die Menschheit wollen wir die Freude versuchen
Aufhören zu klagen
Beginnen zu leben
Du bist die Welt, stirb bitte nicht
Wir brauchen eine besseren Ort
Für dich und für mich

Unser Geist soll sich erheben
In die höchsten Höhen
Lass uns die Liebe spüren
Für alle Menschen

Wir sind die Welt, die Menschheit
Lass uns leben, so wie es dem Nächsten gut tut.

Assoziationen nach "Heal the world von Michael Jackson

Der Tempel des Königs (Song-Assoziationen)

Der Tempel des Königs

Gibt mir Größe 
Versetzt mich in Erstaunen
Lässt die goldene Glocke läuten
Lässt mich die Menschen fühlen
Überirdisch, wehmütig, sanft

Das Wasser birgt Leben
Die Welt kehrt zurück zum Ursprung 
Wir finden die Antwort 
Meine Stärke wird es mir zeigen

Eines Tages werden wir uns erinnern
An die aufsteigende Sonne
Suchen werden wir, sehen
Den Schatten an der Wand

Der Zeit wird kommen
Wenn die uns die schwarze Glocke schlägt

Nehmt euch Zeit
Hört zu und staunt
Frohlockt voller Freude
Wegen des göttlichen Klangs

Wundert euch nicht über die alten Geschichten
Wir werden die Antwort finden
Mit starken Händen und mit freudigen Herzen 

Das Ende wird kommen
Mir, der an den Tempel glaubt. 

Assoziationen nach "Temple of the King von Deep Purple" 



Freundschaft in Scherben

Ich hatte mal einen Freund
Dem vertraute ich zutiefst 
Doch er zweifelte an mir
Urteilte über mich hart

Ich konnte es nicht ertragen 
Es tat mir am Herzen weh
Im wahrsten Sinne des Wortes
So noch nie erlebt 

Eine Freundschaft in Scherben 
Sicherlich
Man kann den Krug wieder reparieren
Sogar mit goldenem Leim

Aber das braucht viel Mühe und Zeit






Donnerstag, 18. Juni 2020

10 Punkte für Neues

Ich selbst und bei Gott sein:

1. Schluss mit der Selbstoptimierung. 

2. Von der Änderungsmotivation, zum Annehmen.

3. Von der Ablenkung, hin zur inneren Ruhe.

4. Mehr Gott, weniger Mensch. 

5. Gott vertrauen. 

6. Gott im Zentrum und nicht mehr als Beiwerk. 

7. Mehr Sein wagen. 

8. Die eigenen Grenzen der Liebes- und Empathiefähigkeit anerkennen. 

9. Eigene Aggression, Wut, Härte, Freude und eigenes Leiden annehmen, wie alle eigenen Emotionen - aber ohne anderen Menschen damit zu schaden. 

10. Gedankendialoge nur noch mit Gott führen. 

Montag, 15. Juni 2020

Entscheidung für Gott (S. F.)

Ich denke wirklich einen Weg zu und mit Gott zu gehen erfordert eine ernsthafte Entscheidung. Ich glaube Gott weiß sehr wohl wie ernst wir es mit ihm meinen - oder eben nicht. 
Im Endeffekt ist Gott wohl der einzige, der Dauerhaft der Einsamkeit entgegen wirken kann. Menschen können dies immer nur zum Teil.

S. F. 

Sonntag, 14. Juni 2020

Vater unser

Vater unser im Himmel.
Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe 
wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, 
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, 
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich 
und die Kraft 
und die Herrlichkeit 
in Ewigkeit.

Amen.

Gott genügt

Warum habe ich das so große Bedürfnis mich mitzuteilen?
Einen Blog zu schreiben, in dem ich tiefe Einblicke in mein Seelenleben gebe? 
An Freunde schicke ich Links auf dessen Beiträge
Ich muss anderen erzählen, dass sich gerade der Zweck meiner Existenz ändert
Und vieles mehr... 
Wenn ich eine Mail lese, denke ich schon daran, wen das auch noch interessieren könnte 
Und jetzt lasse ich dich auch noch diesen Text lesen! 

Warum dieser Drang? 
Warum kann ich nicht alleine sein mit meinen  Gedanken und meiner Selbsterkenntnis? 
Warum genüge ich mir nicht? 

Will ich mich interessant machen? 
Suche ich Hilfe? 
Bin ich einsam? 
Ja, ja, ja

Ist mein Herz verschlossen? 
Für Gott? 
Für mich selbst? 
Ja, ja, ja

Ich suche Tiefe
Tiefe in der Begegnung 
Mit anderen Menschen 
Mit mir
Mit Gott

Oberflächlichkeit und Leichtigkeit sind mir fremd
Stoßen mich eher ab

Das macht es nicht einfach 
Für meine Mitmenschen 
Für mich

Nur wenige gehen meinen Weg mit mir
Meinen Bedürfnissen entsprechend vielleicht sogar niemand 

Wie kann ich Gott eine Chance geben? 
Mich zu erfüllen
Mir zu genügen
Gottes Gegenwart für mich ausreichend wahrnehmen? 
Auch um mich anderen Menschen nicht mehr aufdrängen zu müssen? 

Der Wunsch ist klar geworden 
Aber wie den Weg finden? 

Gottesglaube kann man nicht sicher haben
Er will jeden Tag belebt werden
Gott ist in jeder Sekunde präsent 
Diese Präsenz möchte ich erlauben und erleben 










Samstag, 13. Juni 2020

Fragen zum ich selbst werden


Was ist die Konsequenz, wenn ich ich selbst werde? Werden dann auch alle meine destruktiven Anteile freigesetzt oder werden diese transformiert? 

Komme ich dadurch nicht nur mit mir selbst in Einklang, sondern auch mit der Welt, mit meinen Mitmenschen?

Sicher, ich bin dann freier. Losgelöst vom Schein, von meiner Rolle, die ich spiele, von dem Zwang ein liebender Mensch zu sein und es allen Recht machen zu wollen. 

Ich werde mutiger Konflikte anzusprechen, aber bekomme ich dadurch auch eine dickere Haut, mit den Konflikten zu leben?

Ich stelle mir vor, dann selbstsicherer zu sein, mehr in mir zu ruhen. 

Werde ich vereinsamen, wenn ich ich selbst werde? Werde ich nicht mehr der um Freundlichkeit bemühte Rainer sein, der sich sehr schnell entschuldigt, wenn er der Grund für einen Konflikt ist, wenn er jemanden verletzt hat?

Sicher kann ich noch Ziele verfolgen und mich bemühen, aber eben auf der Grundlage meiner Persönlichkeit und nicht mehr auf der Grundlage irgendwelcher Ideale, die ich von anderen übernommen habe und zu meinen eigenen gemacht habe. Ideale zeigen ja in der Regel einen Weg und sind vermutlich nie vollständig zu erreichen - ich meine Ideale, die eigentlich Werte darstellen. 

Welche Rolle spielt dann noch Gott in meinem Leben? Werde ich weiter Jesus folgen können? 

Ich selbst werden. Wie mache ich das? 

Wie werde ich sein, wenn ich ich selbst sein werde? Wie erkenne ich überhaupt, wer ich bin? Ich denke auch hier ist nur eine Annäherung möglich. 

Sehr viele Fragen, die beantwortet sein wollen! 


Der Weg zur Liebe

Der Weg zur Liebe ist relativ. Manchen ist mehr Liebesfähigkeit geschenkt, manchen weniger. Menschen, die von Natur aus weniger davon haben, müssen sich damit abfinden und sich deswegen nicht weniger wert fühlen, als die anderen. Wichtiger ist, dass man liebevoll zu sich selbst findet, dann ergibt sich das mögliche Maß der Liebe für andere von selbst.

Freitag, 12. Juni 2020

Selbsthilfe als Rettung (Artikel für Farbe e.V.)

Ich war im Jahr 1981 mit 19 Jahren in Stuttgart zum ersten Mal in stationärer Behandlung in der Psychiatrie. Inzwischen habe ich 18 Psychiatrieaufenthalte hinter mir.

Meine seelische Erschütterung kennt Zeiten, in denen ich beeinträchtig bin und Zeiten in denen ich ein weitgehend „normales“ Leben führen kann. In akuten Phasen bin ich übermäßig aktiv und euphorisch sowie teilweise auch verwirrt. Dann wieder gibt es bei mir zweitweise auch längere, depressive Phasen. 

Ich habe mit meinen psychischen Besonderheiten schon viel erlebt –auch Zwangsmaßnahmen. In den 90er Jahren war ich mehrere Jahre schwer depressiv und sehr verzweifelt. Ende dieses Jahrzehntes ging es mir dann langsam wieder besser. Was mir nachhaltig dabei half, war meine Entscheidung im Jahr 1999, mich in der Selbsthilfe seelische Gesundheit intensiv zu engagieren. Ich war in verschiedenen Vereinen und Initiativen sehr aktiv. Durch die Zusammenarbeit und den Austausch mit vielen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, bekam mein Leben wieder einen Sinn und meine Isolation und Einsamkeit war beendet.

Als ich dann 2009 meine heutige Ehefrau kennen lernte, machte ich nochmals einen großen Schritt nach vorne. Seit 2011 wohnen wir in Teningen.

Glücklicherweise gab es in Freiburg bereits den Verein Selbsthilfe mit Köpfchen e.V., bei dem ich 2012 die Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener im Gemeindepsychiatrischen Verbund übernahm. Im selben Jahr gründete ich die Selbsthilfegruppe Psychiatrieerfahrener Emmendingen, die heute noch sehr wichtig für mich ist.

Es gibt in Baden-Württemberg kaum ähnlich gut aufgestellte Regionalverbände wie Selbsthilfe mit Köpfchen e.V. Bei uns sind 10 Selbsthilfegruppen Mitglied. Unser inklusives Fußballteam ist nicht nur sportlich sehr erfolgreich, sondern es entstehen dort auch viele private Beziehungen unter den inzwischen ca. 30 Mitwirkenden. Es gibt auch Frühstückgruppen je für Männer und Frauen. Achtsamkeitstraining und Freizeitangebote, wie Wandern und Kegeln können bei uns wahrgenommen werden. Erwähnenswert ist noch unser Filmprojekt, bei dem wir zusammen mit der Firma „Sandra Beuck│Medien“ das fünfminütige Video „Borderline verstehen“ und ein beeindruckendes Interview zu diesem Thema produzierten (siehe www.smkev.de). 

Jede und jeder geht bekanntlich seinen eigenen Weg. Für mich war die Selbsthilfe Psychiatrieerfahrener die Rettung und inzwischen wurde das dortige Engagement zur Berufung. Man wird sehen, wie es weitergeht. 

Spruch: Kampf um das Geld...

Wenn ich mir die Welt anschaue, sehe ich, dass die Ärmeren den großen Kampf um das Geld verloren haben. Im Kleinen gibt es immer wieder Hoffnung.

Rainer Höflacher 

Dienstag, 9. Juni 2020

Prioritäten

Ziele wie Werte müssen sich nicht ausschließen
Und es gibt mehrere Gründe, warum du auf der Welt bist
Es gibt vielleicht nicht nur einen Zweck deiner Existenz 
Manchmal verändern sich nur die Prioritäten 

Sonntag, 7. Juni 2020

Sei du selbst!

Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge anzunehmen, 
die ich nicht ändern kann,
den Mut und die Kraft, die Dinge zu ändern, 
die ich ändern kann,
und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Mein ganzes bisheriges bewußtes Leben versuchte ich vorwiegend die Dinge zu ändern
Vor allem meine Empathie- und Liebesfähigkeit! 
Habe das sogar zum Zweck meiner Existenz erklärt 
Zu meinem Lebenssinn

Sicher, ich habe mich entwickelt 
Aber in meiner Tiefe bin ich derselbe geblieben 

Jetzt, mit fast 60 Jahren, ist es an der Zeit mich dem Annehmen zuzuwenden:

Den Kampf um das Besserwerden aufgeben 
Meinen seelischen Schmerz anerkennen 
Ich kenne auch Härte und Aggression in mir
Ich will mich nicht mehr in Aktivitäten flüchten 
Und mich nicht mehr vor mir selbst ablenken

Zur Ruhe kommen, was nicht bedeutet nicht zu leiden

"Sei du selbst!" 

Im Schmerz 
In der Freude
In der Wut 
Mit meiner Härte und Aggression 
Mit meiner Bequemlichkeit 
Und mit meiner Art zu lieben

Mal sehen, was dann wird.... 




Grußwort Jubiläum Hilfsverein

Sehr geehrte Herr Prof. Längle, sehr geehrte Damen und Herren, 

herzlichen Dank für die Ehre, an diesem besonderen Tag hier als Vertreter des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg für die Psychiatrieerfahrenen sprechen zu dürfen. 

In den 20 Jahren, in denen ich mich schon in der Selbsthilfe engagiere, bin ich schon oft dem Hilfsverein für seelische Gesundheit Baden-Württemberg begegnet. Eigentlich nur in seiner Funktion als Verteiler der Selbsthilfegelder des Landes. Der Hilfsverein hat keine eigene Website. Insofern bin ich gespannt, was ich vom Hilfsverein heute darüber hinaus erfahre. 

Vorausschicken möchte ich einen Gruß unseres Ehrenvorstandes Karl Heinz Eßer, der 1993 zusammen mit Ursula Zingler die Landesarbeitsgemeinschaft Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg gegründet hat. Er erinnert, dass damals der Hilfsverein ein sehr wichtiger Lotse für uns war, um die Probleme zu lösen, die die Gründung einer Landesorganisation mit sich bringen. 

Es würde den Rahmen sprengen, alle Förderungen durch den Hilfsverein zu benennen, deren ich Zeuge geworden bin. Vier davon möchte ich trotzdem herausgreifen:
 
Erstens sind die Gelder für unseren Landesverband die Basis dafür, dass wir unsere Arbeit überhaupt sinnvoll tun können. 

Zweitens schätze ich es sehr, dass die Förderkriterien des Hilfsvereins für die Selbsthilfegruppen nicht so eng sind, wie bei den Krankenkassen. Sonst wären manche Unternehmungen in der Selbsthilfe nicht möglich, die für den Zusammenhalt, die Gemeinschaft und nicht zuletzt für das Wohlbefinden der einzelnen Gruppenmitglieder in den Selbsthilfegruppen von so großer Bedeutung sind. 

Drittens habe ich besonders die Anschubfinanzierung für EX-IN im Jahre 2008 in Erinnerung. Irgendwann wäre EX-IN sicherlich so oder so nach Baden-Württemberg gekommen. Aber somit waren wir 2010 in Deutschland ganz früh mit unserem ersten EX-IN Kurs am Start, so dass in Stuttgart bei der Offenen Herberge derzeit schon der 6. Kurs beginnt. 

Und viertens ganz aktuell unterstützt uns der Hilfsverein bei der Aquirierung der Eigenmittel für unseren Antrag bei Aktion Mensch für unser gemeinsames IPAGs-Projekt zusammen mit dem Landesverband der Angehörigen. IPAGs ist die Abkürzung für "Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener und Angehöriger im Gemeindepsychiatrischen Verbund stärken". 

Herzlichen Dank dafür. 

Sicherlich sind die Finanzen grundlegend für die Aktivitäten der Menschen. Aber zuerst braucht es eben die Menschen, die sich auf den Weg machen, Ideen entwickeln, sich engagieren und sich zum Beispiel entschließen, sich in Selbsthilfegruppen zu treffen. Hier hat der Hilfsverein großen Einfluss darauf, was Wirklichkeit wird und was Plan bleibt. 

Als EX-IN-Begeisteter setze ich mich dafür ein, dass die Arbeit von Psychiatrieerfahrenen entlohnt wird und wir nicht nur die Empfänger von Lobes- und Dankesworten sind. Und diese Haltung setzt sich erfreulicher Weise auch immer mehr durch. Aber ich sehe das auch mit einem weinenden Auge. Ich habe den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, Psychiatrieerfahrene für eine ehrenamtliche Arbeit in den Selbstvertretungen zu finden, aber auch als Verantwortliche für die Selbsthilfegruppen. Das hat sicherlich mehrere Gründe, aber einer davon könnte sein, das Idealismus immer mehr dem Materialismus weicht. Gerne lasse ich mich aber eines Besseren belehren. 

Nun kommt der Teil des Grußwortes in dem ich mich zur Psychiatrie äußern möchte. In Anbetracht der wenigen Zeit fällt dieser recht kurz aus:

Wenn ich die letzten 40 Jahre zurückblicke - solange habe ich eigene Psychiatrierfahrung -, habe ich den Eindruck dass wir auf einem guten Weg sind. Gemeindenahe und bedürfnisorientierte Haltungen und Konzepte setzen sich immer mehr durch. Recovery- und Empowermentförderung werden breit von den Psychiatrieerfahrenen gefordert. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Die Psychiatrie ist immer noch sehr verbesserungswürdig. 

Mit Sorge sehe ich die Ökonomisierung der Psychiatrie. Die Finanzen und der Psychiatrieerfahrene als Kunde werden - oder soll ich sogar sagen sind - die Leitlinien an denen sich alles ausrichtet. Deswegen immer wieder der Appell, dass gerade die Sozialwirtschaft für den Menschen und nicht der Mensch für die Sozialwirtschaft da ist. Zum Beispiel dürfen Einrichtungen, die sich für die Gesundheit der Menschen einsetzen, nicht auf Gewinn ausgerichtet sein. 

Immer noch gibt es Kliniken in denen zuviel Psychopharmaka gegeben werden, immer noch gibt es zuviel Zwang und Gewalt auf den Stationen, ja teilweise haben sie sogar drastisch zugenommen, immer noch sind zu viele Psychiatrieerfahrene krankheitsbedingt verarmt, arbeitslos, berentet und in Grundsicherung, immer noch werden Psychiatrieerfahrene nicht in ausreichendem Maße beteiligt, immer noch ist die Versorgungsqualität in den verschiedenen Kreisen in Baden-Württemberg zu unterschiedlich, immer noch bekommen die am schwersten Beeinträchtigten zuwenig Hilfe, immer noch gehören Psychiatrieerfahrene zu den am meisten stigmatisierten Gruppen in unserer Gesellschaft, immer noch gibt es Fachkräfte, die nicht wirklich an die Genesungschancen ihrer Klient*innen und Patient*innen glauben oder meinten sie wüßten immer, was richtig oder falsch ist. 

Ich bin dem Hilfsverein dankbar, dass er die Aufgabe übernommen hat, Menschen finanziell zu fördern, die meistens selbst nicht viel Geld haben und er somit die Schwachen in unserer Gesellschaft fördert. 

Wenn ich mir die Welt anschaue, sehe ich, dass die Ärmeren den großen Kampf um das Geld verloren haben. Im Kleinen gibt es immer wieder Hoffnung. 

Danke schön fürs Zuhören. Ich wünsche Ihnen einen erlebnisreichen Tag mit schönen Begegnungen. 

Rainer Höflacher 





Mittwoch, 3. Juni 2020

Das Ende der Selbstoptimierung

Corona
Mein Kartenhaus liegt vor mir
Nicht mehr unterwegs sein 
Wenig Termine außer Haus 
Viel in der Wohnung sein
Allein mit der Frage, wer bin ich? 
Allein mit Unlust und Langeweile 
Zurückgeworfen
Machtlos 

Sehe nur noch 1 Lösung:
Annehmen! 

Bin ich lustlos, dann bin ich lustlos
Bin ich niedergeschlagen, dann bin ich niedergeschlagen 
Bin ich froh, dann bin ich froh

Ende mit der Selbstoptimierung
Ende mit der selbstgewählten Pflicht zur Entwicklung 

Ich bin, wie ich gerade bin
Mit Schmerz, mit Freude, mit Zweifel 

Vielleicht ist das ein Weg



Dienstag, 2. Juni 2020

Durch all den Schutt und Müll

Corona
Mein Leben hat sich verändert 
Große Stimmungsschwankungen zwischen gut drauf und depressiv 
Nicht mehr unterwegs sein
In Video- und Telefonkonferenzen beschäftigt 

Aber will ich wieder zurück zum Vorher? 

Jetzt schmerzend konfrontiert mit alten Mustern 
Aber ich bin mir selbst näher 
Habe bessere Chancen zu wachsen
Als mich mit Arbeit abzulenken - ohne Lohn

Ich will nicht mehr zurück zum Vorher

Trotz Depression und Zweifel 
Doch die Gefahr ist groß, dass mich der leichte Weg wieder anzieht

Verdrängte Bedürfnisse erwachen
Die Suche nach Verbundenheit
Nach Menschen, nicht nach Kollegen 
Nach menschlicher Nähe
Nach innerer Ruhe

Da ist noch keine neue Aktivität 
Vielleicht wird sie gar nicht kommen 
Aber ein verändertes Bewusstsein kündigt sich an

Der Weg zu mir selbst 
Durch all den Schutt und Müll meiner Seele 
Das ist der schwere Weg
Aber am Ende wartet vielleicht eher das Leben, das Sinn macht
Tiefe, Schmerz und Weisheit 
Was ist schon Glück? 





Brief an Psychiatrieerfahrene: Psychiatrie besser machen!

Brief an psychiatrieerfahrene Menschen: Psychiatrie besser machen!

Wo seid ihr?

Nach den Zahlen der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind von den 11 Mio. Einwohnern Baden-Württembergs ca. 3 Mio. Erwachsene jedes Jahr von einer psychischen Erkrankung betroffen. Etwa 580.000 nehmen davon Kontakt zu einem Leistungsanbieter auf.

Der Landesverband Psychiatrieerfahrener hat derzeit 450 psychiatrieerfahrene Mitglieder.

Mir fallen im Moment 9 psychiatrieerfahrene Menschen ein, die sich aktiv im Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg (LVPEBW) engagieren - inklusive des Vorstandes. 

Woran liegt das?

Liegt das an uns, dem Vorstand? Ich habe schon 3x versucht eine Gruppe zu etablieren, deren Mitglieder unter der Federführung des Vorstandes Aufgaben im LVPEBW übernehmen und Initiative ergreifen. Jedes Mal bin ich gescheitert. Vermutlich habe ich das nicht gut genug gemacht. Vorwiegend habe ich mich dabei auf Mails konzentriert und zu wenig mit den einzelnen Gruppenmitgliedern telefoniert. Aber seit ich nicht mehr alleine wohne, kann ich nicht mehr so viel telefonieren wie früher. Also mein Fehler?

Was tun wir?

Der Landesverband macht vorwiegend Lobbyarbeit. Wir verfassen Stellungnahmen, nehmen an Gremien teil, bereiten Veranstaltungen mit vor, treten öffentlich auf und führen jedes Jahr mindestens 3 eigene Veranstaltungen durch, zu denen immer alle Mitglieder eingeladen sind. Die Kosten für die Mitglieder werden dabei zur Hälfte oder teilweise auch ganz von uns übernommen.

Wir haben das Projekt IPAGs (=Interessenvertretung Psychiatrieerfahrener und Angehöriger im Gemeindepsychiatrischen Verbund stärken) zusammen mit dem Landesverband der Angehörigen ins Leben gerufen. Derzeit sind wir kurz davor einen entsprechenden Antrag bei Aktion Mensch zu stellen, der es uns ermöglichen soll für 3 Jahre für das Projekt eine 100%-Stelle einzurichten.

Was ist unser Ziel?

Ganz einfach?! Wir setzen uns für eine bessere Psychiatrie ein, damit sich die Behandlung, Begleitung und Beratung, aber auch die Lebensumstände von Psychiatrieerfahrenen verbessern.

Wie arbeiten wir?

Der aktuelle Vorstand ist sich über die Art und Weise der gemeinsamen Arbeit einig. Wir wollen innerhalb des Systems, so kooperativ wie möglich und so scharf wie nötig, Psychiatrie aus der Erfahrungsperspektive mitgestalten.

Dazu haben wir zu bestimmten Themen einen Grundkonsens. So wenig Psychopharmaka wie möglich, so viel wie nötig, Zwang und Gewalt verhindern, Recovery flächendeckend umsetzen und Recoverycolleges aufbauen, Partizipation Psychiatrieerfahrener weiterentwickeln, Missstände in Heimen abschaffen, einheitliche Versorgungsqualitäten in Baden-Württemberg herstellten, EX-IN fördern und vieles mehr…

Aber wo seid ihr?

Mir ist bewusst, dass Lobbyarbeit nicht für jede und jeden etwas ist. Man oder frau muss Spaß am Diskutieren haben, auch wenn öfters nichts dabei herauskommt, oft sind nur kleine Erfolge sichtbar – wenn überhaupt, die hilfreiche Wirkung auf die Psychiatrieerfahrenen ist in der Regel indirekt, das Gefühl Gutes zu tun ist meines Erachtens nicht ganz so präsent wie bei etlichen anderen Ehrenämtern und man oder frau sollte eine Vorstellung dazu entwickeln, welche Konzepte förderlich sind und welche weniger. Also gibt es etliche Hürden, die zu nehmen sind.

Trotz allem verstehe ich nicht, warum von den jährlich 580.000 Psychiatrieerfahrenen in Baden-Württemberg bei uns nur 9 ankommen.

Ich weiß, dass dieser Text keiner der sonst üblichen Motivations- und Werbeschreiben ist. Ich will euch auch kein schlechtes Gewissen machen. Aber vielleicht konnte ich euch zum Nachdenken bringen, ob Interessenvertretung im LVPEBW nicht doch eine sinnvolle Aufgabe für euch sein könnte, auch wenn ich nicht in blumigen Worten beschrieben habe, wie toll alles ist.

Ruf mich unter 07641-9621511 an oder schreib an hoeflacher@lvpebw.de, dann können wir uns darüber austauschen, ob es bei uns nicht doch einen Platz für dich geben könnte, auch wenn du nicht gleich dem Vorstand angehörst.

Ganz einfach:
Psychiatrie besser machen. Psychiatrieerfahrene damit unterstützen. Mit uns. Bei uns.

Euer Rainer

Montag, 1. Juni 2020

Von Birgit

Weisheit erlangen wir nur,
wenn wir aufhören danach zu suchen, 
und beginnen das Leben zu leben,
das der Schöpfer für uns vorgesehen hat. 

Gruppenwachstum im Garten

Auf einer Terrasse, die zur Ruhe einlädt Im Stuhlkreis  Mit Blick auf einen bunten Blumengarten Mit verteilten Schätzen Hören wir einander z...