Donnerstag, 21. Mai 2020

Jede Hölle hat ihr Ende

Geht es dir schlecht?
Was dagegen tun? 

Den Tag planen?
Neudeutsch: Action Plan erstellen
Jemanden anrufen? 
Rausgehen? 
Gibt es was zu arbeiten? 
Hobby pflegen? 
Lesen, Musik hören, Film schauen? 
Ablenken vom Schmerz?

Oder ist Aktivität gar nicht dein Problem? 
Es gibt so viele "handfeste" Gründe 
Die zur Verzweiflung führen können 
Krankheit, Schulden, Tod, und vieles mehr

Hab Mut, Hoffnung und Zuversicht
Gib nicht auf
So schwarz dein Tag auch ist
So erstarrt deine Seele auch scheint 
Das Leiden wird weniger werden 
Morgen, in einem Monat, in einem Jahr
Das ist meine feste Überzeugung 
Jeder dauerhafte Kampf um Wohlergehen führt zur Besserung - irgendwann 

Jede Hölle hat ihr Ende

Vielleicht treffen wir uns dort



Fragwürdig

Manchmal so fragwürdig
Das Wissen, das ich hab
Um Genesung
Um Wohlergehen 
Es wirkt so oft nicht
Stecke dann selbst fest in meiner Lustlosigkeit
Und keine Idee und kein Rat hilft
So wenig Disziplin 
So wenig Selbstüberwindung
Lehre andere andere zu unterstützen 
Und bin oft selbst so schwach
Verrückt

Manchmal so fragwürdig 
Mein Tun


Sonntag, 17. Mai 2020

Es ist wie es ist - du auch?

Sonntagabend 
Wieder ein Coronatag hinter mir
Ein schöner Tag
Schreiben, Rindsrouladen, Steffi, Karin, Tatort
Ich frage mich, ob ich diese Schwere nicht einfach bin
Mich abfinden muss mit gebremster Freude
Es ist ja durchaus erträglich 
Und Ablenkung funktioniert ganz gut
Oder sorgen die wieder erhöhten Psychopharmaka dafür 
Dass das Leben wieder zäh geworden ist
Oder doch Corona? 
Egal
Es ist wie es ist

Und du, lieber Leser? 
Warst du schon öfters hier: in Rainers Welt? 
Schreib mir doch wie's dir geht 
Dann sind wir mindestens schon zu zweit 
Und vielleicht finden wir zusammen 
Die Gebremsten
Die subtil Leidenden
Die Tiefen
Die Kämpfer
Die Klagenden
Die um Selbsterkenntnis Bemühten
Die Ruhelosen
Und gelegentlich die Humorvollen
Und die trotzdem Dankbaren
Schreib mir deine inneren Welten
r.hoeflacher@arcor.de 




Corona

Noch eine schriftliche Abenteuerreise...

Vögelzwitschern von draußen her
Balkontür offen 
Karin raschelt mit der Zeitung
Die Wohnzimmeruhr tickt gut hörbar
Die Rouladen köcheln in der Küche
Nudeln warten auf kochendes Wasser 
Wie so oft kein Gemüse 
Karin kommentiert ab und zu Gelesenes
Aus der Nachbarschaft Stimmen
Ich konsultiere meinen digitalen Begleiter 
Um nicht zu sagen Freund

Sonntagmorgenehe auf dem Sofa


Ich?:
Einer der Leidenden? 

Corona zwingt mich in die Wohnung 
Arbeitstermine alle abgesagt 
Drei EX-IN Module ausgefallen 
Urlaubstage schwinden
Corona zeigt schonungslos meine Schwächen

Träge klebe ich in den eigenen vier Wänden 
Finde keinen Grund rauszugehen 
Hobbies Fehlanzeige 
Schreiben und Telefonieren ist alles was bleibt
Schwere legt sich bleiern auf mich

Aber immer wieder durchbrechen Highlights meinen Coronaalltag
Ein schönes Telefonat 
Ein schöner Chat
Eine gelungene Mail
Ein guter Film
Kurzes Vergessen dank meinem Schreiben
Positive und freundliche Reaktionen auf mich

Und: Zeit mit Karin
Gegenwart genießen 
Gegenwart aushalten
Besser als alleine


Und du?:
Einer der Resilienten? 

Der kreative Hobbies pflegt
Der lange Spaziergänge macht
Musik, Malen, Gärtnern, Basteln, Stricken, Lesen, Aufräumen und so vieles mehr 
was möglich ist

Oder du?:
Einer der Erschöpften? 

Arbeiten im Homeoffice
Arbeiten in systemkritischen Bereichen mit Präsenzpflicht
Kinder betreuen
Angehörige pflegen
Ohne Einnahmen
Hohes Ansteckungsrisiko
Alt oder Risikogruppe

Das ist die andere Seite von Corona 
Beschämend für mich














Freund*in

Aufgestanden am Sonntagmorgen
Begebe mich auf die Abenteuerreise schreiben 
Ohne zu wissen wohin 
Ohne zu wissen, wo sie enden wird

Mal wegblicken vom Ego!? 

Zuerst ein Danke dir! 
Für deine Begleitung 
Für dein offenes Ohr für meine Klagen
Für die Gedanken und Freude, die ich mit dir teilen darf 

Du bist mir zum Freund, zur Freundin geworden 
Keiner weiß wie lange
So viele Menschen kommen und gehen 
Kommen nahe und entfernen sich wieder 
Nur sehr wenige bleiben 

Ein Freund ist ein kostbares Geschenk 

Ich werde oft ein Opfer meiner Erwartungen an Menschen 
Auch an Freunde
Druck, Zwang und Erwartungen schränken die Freiheit ein
Und Menschen wie wir mögen es nicht unfrei zu sein
Ich nicht, und du nicht 

Lass uns nahe sein
Lass uns Pausen machen
Lass uns füreinander da sein
Du und ich auf unsere Art

Die beste Weise einen Freund zu finden
Ist selbst einer zu sein. 

Lass es dir gut gehen 
Sei gesund und munter 
Ich denk an dich







Donnerstag, 14. Mai 2020

Warum Reise nach Innen?

Warum Reise nach Innen?

Mein Facebookmotto: Zwischen Streben und Sein! 

Warum mich nicht sein lassen, wie ich bin? 
Selbsterkenntnis als Beschäftigungstherapie? 
Persönlichkeitsentwicklung als Dogma? 
Der Weg nach Innen reduziert auf die Frage "Was tun?" 

Ich lebe ein gutes Leben 
Alles da, was nötig ist
Und trotzdem diese Unzufriedenheit 
Diese Suche
Diese Sucht nach Veränderung
Aber immer nur im Kopf

Immer noch Jammerlyrik? 

Nur in mir bewegt sich etwas
Im außen Geschäftliches
Und sonst nicht viel mehr an Aktivität 
Permanentcouching
Ist das schon der Weg nach Innen? 


Reise nach Innen!

Mit großen Worten angekündigt:

Reise nach Innen
Aber wie geht das? 

Freie Minute? 
Sofort Griff nach dem Smartphone 
Eine offene Mail gibt es immer
Eine WhatsApp-Nachricht passt immer
Oder Telefonieren... 
Gewohntes ist kaum zu durchbrechen. 

Reise nach Innen 
Aber wie geht das? 

Schreiben? Was? 
Meditieren? Wie? 
Lesen? Was? 
Nichtstun? Wie? 

Wie das Selbst entdecken? 
Mach ich doch eigentlich jeden Tag! 

Ich muss mich beraten lassen! 

Aber durch wen? 

Bernhard? 
Christine? 
Eberhard? 
Jessica? 
Steffi? 

Profis leider Fehlanzeige 
Frau Knosp? 



Mittwoch, 13. Mai 2020

Hab guten Mut

Hab Mut und Zuversicht
Lerne aus Vergangenem
Siehe aber: es lässt sich nicht mehr ändern
Getan ist getan. 
Du kannst versuchen 
Es zu erklären, um Verzeihung bitten
Aber es nicht ungeschehen machen

Schau in die Zukunft
Aber rechne nicht damit 
Dass alles so kommt, wie du denkst
Wie du planst 
Abenteuer erwarten dich
Selbst wenn es die kleinen Dinge sind 
Herausforderungen erwarten dich
Selbst wenn du nur kleine Kraft hast 

Freue dich auf den Tag
Leben den Augenblick
In Freude, in Trauer, mit Lustlosigkeit
ja sogar in Wut und Verzweiflung 

Dein Leben ist einzigartig 
Du bist gut so, wie du bist
Und trotzdem entwicklungsfähig

Hab guten Mut
Meistens kommt es besser, als erwartet 
Vielleicht sind die Pessimisten die besseren Realisten 
Die Optimisten machen das Leben lebenswerter 
Nicht nur für sich selbst 

Mach weiter 
Jeden Tag, jede Minute 
Selbst wenn du nichtstuend im Bett liegst
Du lebst, das bist du
Wer weiß, welche Spuren sogar das hinterlässt 
Hierseits oder Jenseits 






Sonntag, 10. Mai 2020

Gott ist endlich angekommen

Du, Gott, begleitest mich schon mein ganzes Leben 
Dank einer Mutter, die Christin war 
Sie hatte ihren Glauben nicht auf den Lippen 
Sondern im Herzen 
Und von Herz zu Herz ist der beste Weg des Glaubens 
Du warst nie der Mittelpunkt meines Lebens gewesen 
Aber trotzdem immer dabei
Seit ein paar Jahren wurde mir auch dein Sohn zum Freund 
Ich habe das Gefühl deine Bedeutung für mich wächst seit einiger Zeit kontinuierlich 
Du scheinst jetzt wirklich bei mir angekommen 
Ich brauche dich derzeit weniger für mich
Sondern möchte lernen die Kraft, die mir deine Liebe gibt
Für andere zu nutzen 
Ich weiß, leider bin ich kein Helfertyp
Aber ich habe Ehefrau, Freunde und Bekannte 
Weggefährten für die ich da sein kann
Das ist meine Art der Genesungsbegleitung
Und da ist meine Psychiatriearbeit 
Mit der ich indirekt Menschen wie mir helfe 
Durch deinen Sohn Jesus
Sehe ich wie deine Liebe durch eine göttlichen Menschen wirken kann
Jesus ist Vorbild und Freund für mich
Und jede/r von uns ist Sohn oder Tochter Gottes 
Aber es gibt nur einen Jesus 

Endlich ist es mir gelungen 
Dich, Jesus, zu empfangen 
Dich anzuerkennen 
Im Glauben dir nachzueifern
Dem Sohne und dem Vater 

Danke, danke, danke! 

Samstag, 9. Mai 2020

Selbstmitgefühl lernen

Balkon
Meine Lieblingsplaylist läuft 
Bluetooth Inear
Frau G. über mir wie immer mit ihrer Musik 
Nur 3 Minuten Nichtstun ausgehalten
Nur 3 Minuten Gedanken schweifen lassen 
Dann wieder Smartphone 
Dann wieder WhatsApp 
Jetzt Blogger
Keine 5 Minuten mit mir selbst ausgehalten
Keine 5 Minuten Einkehr

Rainer, bitte keine Klagen mehr
Sei der, der du bist
Nimm dich an, so wie du bist
Mag dich
Sei selbstkritisch, aber wohlwollend 
Hab Zweifel, aber verurteile dich nicht dafür 
Sei dein bester Freund dir selbst

Wie geht das, frage ich mich? 
Fast 60 Jahre das Klagen praktiziert
Das Haar in der Suppe gesucht

Erkenne, wenn du fies zu dir bist
Das ist der erste Schritt
Dann erinnere dich:
Du bist gut so
Du genügst

Denk es immer wieder
Sag es dir
Wiederhole es
Lass es dein Mantra sein

Und vielleicht irgendwann 
werden sie weniger:
Die Abwertungen
Die Unzufriedenheit mit dir

Deine Schwächen werden zu Besonderheiten werden 

Du wirst sie annehmen, deine Verstimmtheit
Wirst sie sein lassen können 
Für dich allein 





Freitag, 8. Mai 2020

Langfristige Anschlusshilfen für psychiatrieerfahrene Menschen

Stellungnahme des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg e.V. 

Thema: Sicherstellung langfristiger Anschlussversorgung für schwerer erkrankte seelisch leidende Menschen

Vorbemerkungen zur Unterarbeitsgruppe (UAG) Anschlussversorgung am 27.5.2020 im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg

Vorab stellt sich uns die Frage, ob die UAG nur die Patienten der psychiatrischen Kliniken in Blick hat, für die die Kliniken kein passendes Hilfsangebot außerhalb der Klinik finden oder ob es grundsätzlich darum geht für psychiatrieerfahrenen Menschen eine langfristige Anschlussversorgung sicher zu stellen, wenn diese für sie sinnvoll erscheint. Zum Beispiel im Bereich der Wohnungslosenhilfe und bei Menschen, die schwerer erkrankt und vom Hilfesystem nur schlecht berücksichtigt bei ihren Angehörigen leben, scheint uns eine Betrachtung angezeigt. Bisher lag unseres Erachtens der Fokus fast ausschließlich bei den klinischen Patienten.

Nach Lektüre der Stellungnahmen erscheinen uns folgende Bereiche für die Diskussion wesentlich:

  1. Das Entlassmanagement der Kliniken

  2. Die Struktur und die Prozesse im GPV

  3. Besondere Wohnformen

  4. Forensik


  1. Entlassmanagement

Unseres Erachtens ist das Entlassmanagement der Kliniken eine wichtige Stellschraube für die langfristige Anschlussversorgung von schwerer eingeschränkten Patienten der Kliniken. Bei der Themenauswahl anlässlich der Trialogtreffen mit der Psychiatriekoordination der Stadt Freiburg, wurden von den Angehörigen und den Psychiatrieerfahrenen die Entlassung aus den Kliniken und die folgende Anschlussversorgung aus vielen anderen Vorschlägen, als das wichtigste Thema für Freiburg ausgewählt. Unserer Erfahrung nach sind auch in anderen Regionen hier weitere Maßnahmen sinnvoll – speziell auch konkret das interne Vorgehen der Kliniken, was die Entlassung anbelangt.

Wir haben uns bisher im LVPEBW zu wenig mit dem Entlassmanagement der Kliniken beschäftigt und uns eher auf die Vorgänge im GPV konzentriert. Deswegen hier nur eine erste Sammlung der Aspekte, die wir für wichtig ansehen. Gerne sind wir bereit diesbezüglich mit den psychiatrischen Kliniken zusammen zu arbeiten, um unser Wissen im Dialog in Planung und Konzipierung des Entlassmanagement einzubringen.


    1. Die Entlassung muss so frühzeitig wie möglich Bestandteil der klinischen Behandlung sein und in den Behandlungsteams reflektiert werden, auch wenn noch kein konkreter Handlungsbedarf besteht.

    2. Das Umfeld des Patienten muss frühzeitig für den späteren Verbleib des Patienten in den Blick genommen werden. Wenn sinnvoll unter Einbezug der Angehörigen.

    3. Die Klinik muss aktiver und gut vernetzter Akteur im GPV sein.

    4. Der Patient muss jederzeit über die Aktivitäten der Klinik mit anderen Institutionen informiert sein und diesen zustimmen.

    5. Der Patient muss gut über die möglichen Angebote in der Region informiert sein, auch wenn die Beratung der Zielgruppe der UAG teilweise mit besonderen Schwierigkeiten verbunden sein könnte.

    6. Wir weisen darauf hin, dass es auch Personen der Zielgruppe der UAG Anschlussversorgung gibt, die nach der Entlassung nicht (mehr) in den Einflussbereich des GPV kommen. Teilweise werden sie nach der klinischen Behandlung zum Beispiel von der Wohnungslosenhilfe betreut oder leben wieder bei ihren Angehörigen außerhalb des Hilfesystems.


  1. Gemeindepsychiatrischer Verbund (GPV) 

Der GPV ist uns der wichtigste Ansatzpunkt, um die Anschlussversorgung sinnvoll zu gestalten. Anschließend an die bisherige Diskussion in der UAG hier unsere Gedanken dazu.

    1. Hilfeplankonferenz (HPK)

Der LVPEBW ist seit Jahren ein Befürworter der Hilfeplankonferenzen. Dies scheint uns ein sehr gutes Werkzeug für eine bedarfsgerechte Feststellung zu sein, welcher Leistungserbringer das beste Angebot für den Leistungsberechtigten vorhält. Auch mit dem neuen SGB IX halten wir es für unbedingt notwendig, dass es im GPV zumindest eine ähnliche Struktur wie die HPK gibt. Die Leistungserbringer müssen unbedingt angemessen einbezogen werden. Neben der Vermittlung von Hilfe, schafft die HPK eine hohe Transparenz innerhalb des GPVs, was auch für die Feststellung des Gesamtbedarfs an Hilfen von großer Bedeutung ist. Darüber hinaus erhöht sich auch die Transparenz für die Selbsthilfevertreter, die Vorgänge im GPV besser zu verstehen. Wichtig ist dabei, dass die Vertreter der Leistungserbringer in der HPK Entscheidungsbefugnis haben und nicht maßgebliche Entscheidungen zuerst trägerintern rückkoppeln müssen.


    1. Versorgungsverpflichtung

    1. Weiter halten wir es für sehr wichtig, dass alle Leistungsanbieter konsequent das gemeinsame Ziel verfolgen, allen Hilfesuchenden ein gemeindenahes Angebot machen zu können! Hier gilt es, dass das Spannungsverhältnis zwischen Kooperation und Konkurrenz gut ausbalanciert ist und sich nicht schädlich für den Betroffenen auswirkt. 

Wir sind einverstanden von einer Versorgungsverantwortung zu sprechen, um einen fachlich eindeutigen Begriff zu haben (siehe Stellungnahme der Liga), auch um mit dem Namen mehr an den guten Willen zu appellieren, als an die Pflicht. Es ist in der Hilfesystematik (leider?) nicht möglich, die Leistungserbringer zu verpflichten ein Angebot zu machen.


  1. Gesamtbedarf
    Nach unseren Beobachtungen, ist die Ermittlung des tatsächlichen Gesamtbedarfs im GPV nach wie vor sehr verbesserungswürdig und weiterhin müssen Anstrengungen unternommen werden, gute Verfahren zu entwickeln, die einen Überblick im GPV erlauben, wer wo welche Hilfe benötigt. Der Umstand das geschaffene Plätze auch Bedarf erzeugen, sollte bei den Überlegungen berücksichtigt werden, damit es nicht sogar in bestimmten Bereichen zur Überversorgung kommt, was zu einer unnötigen Psychiatriesierung von Betroffenen führt.



  1. Besondere Wohnformen


Für die Anschlussversorgung der Zielgruppe der UAG, sind die besonderen Wohnformen von ausschlaggebender Bedeutung. Hier kann man von unserer Seite nur immer wieder daran appellieren, dass

    1. Psychiatrieerfahrene nicht in weit entfernte Wohnformen verlegt werden.

    2. die überwiegende Mehrzahl der psychisch erkrankten Bewohner Anspruch auf Eingliederungshilfe haben, aber sehr oft in reinen (Fach-)Pflegeheimen wohnen.

    3. konsequent weiter auch nach ambulanten Lösungen für die Betroffenen gesucht wird.

    4. das Recoverykonzept in allen Bereichen der Psychiatrie angewandt wird – auch in den (geschlossenen) Wohnformen.

    5. .noch relativ junge Psychiatrieerfahrene nicht in (Alten-)Pflegeheimen wohnen müssen.


  1. Forensik

    Als letzten Punkt bemerken wir, dass die Anschlussversorgung für Psychiatrieerfahrene aus der Forensik besonders schwierig ist. Diese Menschen sind nach wie vor von der Psychiatrie vernachlässigt, was den Übergang in den ambulanten Bereich anbelangt.

Rainer Höflacher am 9.5.2020

Wehret den Anfängen (für Karin)

Aufpassen!
Nach 10 Jahren Ehe kann vieles selbstverständlich werden. 
Man kennt es nicht mehr anders. 
Jeden Tag nehme ich deine Hilfe an. 
Habe Dir schon lange keinen Blumenstrauß mehr geschenkt. 
Ich bemühe mich schon für dich da zu sein. 
Versuche meine Stimmungen im Griff zu haben. 
Dich zu unterstützen. 

Aber die Gefahr ist groß 
Dass die Liebe ihre Lebendigkeit verliert. 
Das sollte ich mir jeden Tag bewusst machen. 
Und das es der letzte gemeinsame Tag sein könnte. 

Ich habe sehr viel gelernt durch dich. 
Und lerne immer noch. 
Du bist toll, so wie du bist. 
Mein Ärger ist mein Problem 
Du sollst bleiben wie du bist. 
Und nicht so werden, wie ich es gerne hätte. 

Rainer, bleib wach und aufmerksam. 
Plötzlich ist die Liebe wie ein Taschentuch verloren. 
Und traurig und weinend hadere ich dann mit meinen Versäumnissen. 

Wehret den Anfängen. 

Danke, dass du für mich da bist. 
Danke für alles. 

Rainer, lass Taten sprechen. 

Donnerstag, 7. Mai 2020

Kein Zeichen für richtig

Kontaktverbote wurden erlassen. Ich dachte: "Jetzt erst Recht!" und wollte Psychiatrieerfahrene unterstützen. Aber alles war in Schockstarre. Keine Mails mehr außer Verordnungen, Maßnahmen und Rettungsschirme. Alle Termine abgesagt. Dann kam die Sinnkrise. Schönwetterpartizipation. Wenn's ernst wird, braucht uns niemand mehr. Dann die Erkenntnis: "Ohne Aufgaben, ohne Arbeit geht es auch. Und plötzlich Ruhe und Zufriedenheit bei entschleunigtem Leben. Erkenntnis: ich muss mein Leben ändern! Nach und nach wieder mehr Mails. Ausgefallene Termine werden zu Video- und Telefonkonferenzen. Ruhende Projekt laufen wieder an. Erste Gremien finden wieder statt.

Und jetzt: Alles wie zuvor, nur in anderem Stil.

Wo sind die Vorsätze geblieben? Die Umsetzung der Erkenntnisse? Die Veränderung? Der Weg nach Innen? 

Mir geht es gut, aber da ist eine leise Ahnung, dass das nicht unbedingt ein Zeichen für richtig sein muss.

Wie wirkt Corona auf dich? 

Mittwoch, 6. Mai 2020

Kein Grund zur Klage

Scheinbar angekommen
In einem geordneten Leben
Ehe, Arbeit, Freizeit 
Alles wohl sortiert 
Ohne Depression, Luxusprobleme
Das Schicksal verwöhnt mich
Kein Grund zu klagen
Schon seit Jahren 

Was erwartet mich noch? 
Das Alter 
Wie wird es sein? 
Mit Krankheit und Qual? 

Ich habe noch einiges vor
Mit meiner Psychiatriearbeit 
Nur die Pflege des Selbst scheint verbesserungswürdig 
Oder nicht? 
Im Rückblick schon entwickelt 
Lieben gelernt 

Wie gesagt: kein Grund zur Klage..... 



Dienstag, 5. Mai 2020

Einsamkeit

Manchen Schmerz bewahrt man im Herzen auf
Und erträgt es kaum, wenn er einen
Ab und zu
An einem frühen Morgen überfällt 

Mittwoch, 29. April 2020

Weisheit

Versuche von einem Thema immer so viele Seiten wie möglich zu sehen, selbst wenn es damit schwieriger wird dem Thema gegenüber eine Haltung einzunehmen. In letzter Konsequenz führt dieses Vorgehen dazu, dass wir erahnen, dass wir nichts wirklich wissen und uns nie ganz sicher sein können.

Der Weise weiß, dass er nichts weiß. Und trotzdem spürt man es, wenn man einem weisen Menschen begegnet. Es gibt unterschiedliche Niveaus von Erkenntnis und unterschiedlich gelungene Verarbeitung von Erfahrungswissen. 

Montag, 27. April 2020

Aus Corona lernen - der Weg nach Innen

Wenn Corona kommt und du eine Telefonkonferenzgruppe gründest nach der anderen.
Wenn Corona kommt und du hast mehr zu tun als zuvor. 
Wenn Corona kommt und du hast nach 6 Wochen den Terminkalender wieder voll. 
Wenn Corona kommt und du findest immer noch nicht zu dir. 

Dann machst du was falsch. 
Dann wird es Zeit was zu ändern. 
Niemand zwingt dich. 
Das Meiste ist Ehrenamt. 

Lass los. 
Gehe dich suchen. 
Gehe vermehrt den Weg nach Innen. 
Reduziere das Außen. 

Finde Menschen, nicht Aufgaben. 
Liebe, lebe dich. 

Lerne Nein zu sagen. 
Lerne aus Corona!

Und tue auch, was du sagst! 


Samstag, 25. April 2020

Sei positiv

Bemühe dich mal, du alter Nörgler
Sprichst von Selbstfürsorge, Selbstmitgefühl
Von Stärken und Fähigkeiten 
Von Optimusmus und Zuversicht
Glaube, Hoffnung, Liebe
Ressourcenorientierung
Von Dankbarkeit und Demut! 

Lebst eines der bestmöglichen Leben
Und pflegst deine Luxusprobleme

Schenk den Menschen ein Lächeln 
Ein liebes Wort
Eine gute Tat
Überall kannst du Spuren der Liebe hinterlassen

Pflege deine Freundschaft mit Jesus
Deine Verbundenheit mit Gott
Nicht nur um das eigene Wohlergehen zu steigern
Sondern auch um für andere da sein zu können
Bete nicht für dich, sondern für die Anderen. 

Das wollte ich dir schon lange mal sagen
Sei nicht verzagt und gekränkt 
Du bist gut so wie du bist
Aber denke daran
Du hast noch ein Stück Weg vor dir
Das gut gegangen werden will. 

Ich glaube an dich! 



Bitterkeit statt Zuversicht am Sonntagmorgen

Sonngagmorgenstimmung die 89.

Die Sonne zeichnet Rechtecke auf die Wand gegenüber 
Die Wohnzimmeruhr tickt meditativ "tick-tack, tick-tack, tick-tack" 
Verborgene Freude atmet in meiner Brust
Langsam fließt mein Atem "ein-aus, ein-aus, ein-aus" 
Nur in einer Bewusstseinsecke stört das schlechte Gewissen 
Die unerledigte Arbeit, die drängt?
Wie so oft fressen die Meerschweinchen nur am Rande meiner Wahrnehmung
Nicht mein Ding
Mein Blick wandert durchs Zimmer
Ein behagliches, gemütliches Reich wurde mir eingerichtet
Sanft schleicht die Zeit an mir vorbei

Verlockend am süßen Nichtstun gekostet
Müßiggang, sinnieren, sein lassen 
Und jetzt? 
Nach 6 Wochen baut sich wieder eine Normalität auf
Die ich nicht mehr wollte
Eine andere, aber sehr ähnliche als zuvor

Ich wehre mich noch

Will nicht wieder Sklave meiner Termine und Aufgaben sein
Niemand zwingt mich
Selbstgewähltes Korsett 
Vermutlich notwendig für meine unreife Seele
Die das Außen braucht
Die Pflicht
Die Anerkennung 
Die geschäftliche Begegnung 

Ich wehre mich - noch

Eigentlich angekommen in einem perfekten Leben
Was treibt mich noch an? 
Die Ideale begraben unter dem angenehmen Alltag
Routiniert Sinnvolles tun - auch eine Lösung
Mit fast 60 komme ich in die letzte Runde
Noch nicht auf der Zielgeraden - aber immerhin
Bemühungen werden fragwürdig 
Wohin? Mit wem? 
Immer geradeaus? 

Der Meister der großen Worte lässt grüßen 





Mittwoch, 22. April 2020

Meine "Corona-Partizipations-Mail" vom 18.4.20

Die folgende Mail habe ich am 18.4.20 losgeschickt und daraufhin 29 Rückmeldungen (Stand 22.10.20) erhalten, deren Ton und Inhalt mir sehr gut getan und mir neue Kraft und neuen Mut für meine Arbeit gegeben haben, wobei ich nach wie vor dem gegenüber sensibel bleiben will, wie sinnvoll ich mein Leben gestalte, ungeachtet meines Arbeitserfolgs. Vereinzelt wurde ich aufgrund dieser Mail auch von Profis angerufen. 

Hier die Mail:

Liebe Leute, 

vor Corona waren wir vom LVPEBW-Vorstand gefragte Menschen. Wir hatten Probleme, die vielen Gremien zu denen wir eingeladen waren überhaupt zu besetzen. Wir waren dabei und brachten uns so gut wir konnten konstruktiv ein und hatten durchaus meines Erachtens die eine oder andere gute Idee, die das Ganze voran brachte. 

Dann, mit den Corona-Beschränkungen wurde schlagartig alles anders. Alle Gremien und Veranstaltungen wurden abgesagt und wir waren ab sofort draußen. 

Die Profis hatten alle Hände damit zu tun, die Hilfen und ihre Einrichtungen zu sichern und eine neue Verordnung oder Maßnahme nach der anderen landete bei mir im Posteingang. Nur 2 Verbände kamen auf die Idee, uns zu Telefonkonferenzen einzuladen. In 4 Wochen gab es für mich nur diese beiden Telefonkonferenzen mit Profis während diese intern vermutlich von der einen zur nächsten virtuellen Konferenz hetzten. 

Mir stellte sich die Frage, werden wir überhaupt noch gebraucht. Wo war auf einmal Mitsprache, Mitwirkung, Partizipation? 

Nicht falsch verstehen. Ich möchte keine Schuld verteilen. Man kann ja sagen, ihr hättet euch eben melden müssen. Aktiv eingreifen. Vorschläge machen. 

Wie man sieht haben wir das (bis jetzt) aus  unterschiedlichen Gründen nicht getan. 

Wir haben den Rettungs-Ring geschaffen. Gut. Sind wir auch stolz drauf. Aber der hat nur indirekt eine politische Dimension. Das ist ein konkretes Hilfsangebot. Aber im engeren Sinne spielten wir politisch ab sofort keine Rolle mehr. 

Dies führten für mich zu weiteren persönlichen Fragen, ja zu einer Motivations- und Sinnkrise, in der ich mich inzwischen befinde. Aber da Krisen eine gute Chance sind, sich und sein Leben zu ändern, ist das ja nicht einmal etwas Schlechtes. Nur soviel dazu. Mal sehen.... 

Wie soll es also weitergehen mit euch bzw. Ihnen und dem LVPEBW? Kommen wir wieder in den Austausch? Können wir überhaupt noch was beitragen, frage ich zugleich mich, euch und Sie? 

Mit Corona verändert sich zumindest vorübergehend auch die Psychiatrie. Mir stellt sich die Frage, wie soll sich der LVPEBW verändern und wie verändert sich Ihre und eure Haltung und Ihr und euer Verhalten uns gegenüber. Wie soll unsere Zusammenarbeit in Zukunft aussehen? 

Wenn ich dazu einen Austausch anregen kann, wäre das vielleicht ein erster Schritt zum Finden einer Lösung von der wir alle etwas haben könnten. 

Es grüßt freundlich und herzlich 
Rainer Höflacher 


Samstag, 18. April 2020

Verändert Corona nachhaltig?

Die Welt hat sich verändert
Meine Welt hat sich verändert 

Reale Treffen mit Kollegen gibt es nicht mehr
Arbeitsgruppen, Veranstaltungen, Seminare, Gremien - Fehlanzeige 
Auch kein EX-IN 

Nach anfänglichem "jetzt erst recht" 
Kam die Lähmung
Rückzug ins Private

Alte Muster brechen auf:
Keine Kraft rauszugehen
Zeit totschlagen
Sofa, Bett, fernsehen

Wiedermal werden Pläne für ein anderes Leben geschmiedet 
Wiedermal große Worte gemacht

Bloß wieder Beschäftigungstherapie? 

Wie stark und aktiv bleiben? 

Nicht falsch verstehen:
Meine Stimmung ist gar nicht so schlecht
Ok, echte Freude ist selten im Alltagsgrau
Aber ich bin ruhig, ausgeglichen und nicht verzweifelt 
Eine neue, andere Form der Zufriedenheit 
Auch dank Karin 

Interessiertes Schnuppern am süßen Nichtstun
Der Tag vergeht auch mit Banalem
Der Tag vergeht auch ohne Pflichten
Der Weg frei für den Gang ins Innere, zu mir selbst? 

Wie die eigene Persönlichkeitsentwicklung in Strukturen bringen? 
Wie organisieren in Zeiten von Corona? 
Außer private Telefonkonferenzen

Lösungen finden, die im Einklang mit meinem Wesen sind

Ich bin kein einsamer Forscher wie Eberhard
Oder interessierter Surfer wie Bernhard
Ich lerne eher aus dem Produzieren heraus
Neue Gedanken aus dem eigenen Selbst heraus entwickeln 
Immer auch mit dem Blick auf das Weitertragen

Eigentlich bleibt nur das fragile, unberechenbare, unkonventionelle, bei mir in der Menge und zeitlich begrenzte Schreiben 

Bin ich nur im Ruhemodus oder doch am Wendepunkt? 












Mittwoch, 15. April 2020

Lieben

Was bewegen mich doch kleine Dinge
Ein falsches Wort, und dann Ärger. 
Alleinsein, und dann schwere Not. 
Mißerfolg, und dann Verzweiflung. 
Keine Aufgabe, und dann Überdruß. 

Gesundheit, Liebe, Leben ist die Quelle allen Glücks. 
Das Eigene
Und viel mehr deiner Liebsten. 

Wer seine Liebe verliert, ist der Sinnlosigkeit ausgeliefert und verliert das Leben. 
Wer seine Liebe verliert, wird stumpf und leer. 

Wach mit dem Wunsch zu lieben auf
Und schlafe mit ihm ein. 
Dann gewinnt die Welt
Und sicher auch du






Mittwoch, 25. März 2020

Bisher der schlechteste Coronatag

Hier bin ich wieder.

Heute ist bisher mein schlechtester Coronatag. 

Bisher nur rumgehängt. Lustlos Mails gecheckt und im Bett gelegen.

Mal versucht tief in mich hineinzuhören und auf einmal auf meine Angst gestoßen. Aber nur kurz den Deckel angehoben und konnte ihn gleich wieder schließen. Bin aber schon geschockt, wieviel mögliche Angst dort unten ruht. Inzwischen lebe ich wieder an der Oberfläche und verdränge wieder. Es bringt ja nichts, die Angst bewusst zu schüren, wenn man schon mal die Neigung Corona auf die leichte Schulter zu nehmen. 

Allerdings ist mir auch klar geworden, dass Karin mit ihren Vorerkrankungen in Gefahr ist und eine Ansteckung bei ihr eher zum Tode führen kann. Da mache ich mir schon Gedanken und Sorgen. 

Die Lunge ist ja bei mir eine Schwachstelle. Erkältungen führen bei mir öfters zur Bonchitis und dann dauert es lange, bis meine Lunge nicht mehr rasselt. Aber trotzdem mache ich mir wegen mir keinen großen Kopf. Auch hier die Haltung "wird schon gut gehen". 

Bin froh, dass ich jetzt ein bisschen schreibe und das Gefühl habe etwas zu tun. 

Einerseits habe ich keine Lust etwas zu arbeiten, aber es gibt auch nichts was dringend ansteht. Die Sache mit dem Konferenzangebot Rettungs-Ring hat sich zum Großteil auch für mich erledigt. Ich habe den Eindruck, die wollen was die Planung angeht ihr Ding alleine mache und mich nur als Moderator zur Verfügung zu stellen, habe ich im Moment keine großen Motivation - wie mit allem anderen auch. 

Selbst zum Telefonieren habe ich keine Lust. 

Was ließe sich jetzt noch schreiben? Und wenn ich es recht betrachte, habe ich bisher auch nur gejammert. 

Seid ich mit dem Zeldox wieder auf 80-0-80 bin und keinen Arbeitsstress mehr habe, bin ich wieder total geerdet. Meine Stimmen interessieren mich nicht mehr und der Kontakt mit Gott ist fast auf Null. Das ist das alles beherrschende Thema Corona, einwenig Psychiatriearbeit und sonst kein Interesse an was anderem - zumindest heute. 

So - jetzt reicht es. Genug geklagt am 25.3.2020.



Sonntag, 22. März 2020

Ach, ich lass jetzt das Schreiben

Wieder finde ich zu meinem Blog zurück.

Die Stunden vergehen ohne großes Erlebnis. Erstaunlich, dass ich bei guter Stimmung bin. Das ist viel auch Karin zu verdanken. Da ein paar Sätze, dort eine kurze Begegnung und die Einsamkeit hat keine Chance. 

Karin ist gerade bei ihrer Mutter. 

Ach, ich lass jetzt das Schreiben, ziehe mich an und gehe zu Fuß zu Frieda - inklusive meines Over-Ear-Bluetooth-Kopfhörer.

Bis bald, lieber Leser. Verzeih' mir. 

Samstag, 21. März 2020

Statt Modul

Die Welt ist eine andere geworden. Unfassbar, unwirklich, unbeschreiblich. Die neuen Regeln und die neue Realität kommen bis jetzt nur durch die Medien in mein Bewusstsein. Ich halte mich an die Vorschriften und bleibe zu Hause. So bemerke ich außer den leeren Klopapierregalen und den Abstandszeichen an den Supermarktkassen nichts von der neuen Welt. Nur eine selbst mir auffallende Schwere liegt auf dem Rewe-Parkplatz.

Wann werde ich wieder am Leben teilnehmen? Müssen die Anderen arbeiten oder dürfen sie? Ich bleibe zu Hause, um Karin zu schützen, ich darf zu Hause bleiben, weil mein Chef es mir erlaubt hat. Mir wird klar, dass mich im Büro gerade kein Mensch braucht. Das Modul am heutigen Wochenende ist abgesagt und vermutlich wird auch das nächste im April nicht stattfinden. Ich werde jede Menge Minusstunden sammeln und wer weiß, ob bzw. wann ich sie ausgleichen kann.

Die Zeit zu Hause vergeht noch erstaunlich schnell. Ab und zu kommt ein kleines Zwischentief und dann liege ich schon abends im Bett, checke Mails, lese mit meinem neuen Kindle, schreibe mit dem Smartphone und schon ist es an der Zeit das Licht auszumachen. Der nächste Tag steht vor der Tür.

Wird es uns endlich gelingen mal rauszugehen und einen Spaziergang zu machen? Wir sind beide Stubenhocker. Sitzen am liebsten auf dem Sofa. Karin liest, schläft, schaut Fernsehen, schreibt WhatsApp. Ich hänge die meiste Zeit am Smartphone, schaue abends Amazon Prime oder Netflix, telefoniere jetzt wieder mehr, arbeite einwenig. Und so vergeht Tag um Tag - jetzt sogar mit staatlicher Empfehlung.

Wie wird es in einer Woche sein? Wie in einem Monat? Wie in einem Jahr? 

Werden wir ein hartes Leben führen müssen? Nicht mehr vom Staat umsorgt und wohl behütet? Wird das Recht des Stärkeren gelten? Wird es noch genug Arbeit geben? Was kann man wo noch einkaufen? Strom, Wasser, Nahrung? Die Gedanken verirren sich in apokalyptische Vorstellungen. 

Genug. 

Lasst uns Tag für Tag leben. Gute Stimmung bewahren, Rücksicht nehmen, Sinnvolles tun, wenn möglich. 

Was nütze es dem Menschen, 
wenn er die ganze Welt gewönne
Und nehme doch Schaden an seiner Seele. 

Nur meine Seele retten, 
das ist es, was ich such. 
Wenn Sünder Welten hätten, 
was nützten sie im Fluch. 

Diese beiden Sprüche hingen bei meiner Großmutter im Wohnzimmer und haben mich schon als Kind fasziniert, obwohl ich kaum deren Sinn verstand. 

Sie fallen mir gerade ein, warum auch immer. 

Gute Nacht! 
Passt auf euch auf! 
Und bleibt gesund angesichts der Seuche. 






Mittwoch, 4. März 2020

Streben, Sein, Risiko, Sicherheit, Verantwortung

Ich stehe gerade vor einer wichtigen Entscheidung und habe alle Argumente auf 2 Fragen reduzieren können:

1. Streben oder Sein?
2. Risiko oder Sicherheit?

Wie stehst du zu diesen beiden Fragen, die sich ja auf einem Kontinuum bewegen? Wieviel Prozent Streben würdest du dir geben? Und wieviel Prozent Risikobereitschaft, wobei ich kein finanzielles Risiko meine, sondern ein gesundheitliches und die Konsequenzen, die damit verbunden sind. 

Von den Finanzen und der Liebe abgesehen, bin ich ein 70%iger Risikotyp und ein 85%iger Streber was meine Arbeit anbelangt.

Ich habe meine Entscheidung getroffen. Wie würde deine Aussehen? 

Allerdings wird Karin sich nicht darüber freuen, weil ich mir die Frage nach meiner Verantwortung ihr gegenüber nicht gestellt habe.


Fast ein Held

Klar bin ich tapfer, fast ein Held,
Und mach mein Maul auf, wo ich kann,
Kassiere dafür Ruhm und Geld
Und klage an.

Es ist auch wichtig aufzuschrein.
Zu viele wolln nichts hören.
Nur, würd ich mich in jedem Fall
Genauso laut beschweren?

Zum Beispiel Chile, wo ein Satz
Oft schon das Leben kostet.
Wär das Metall in meinem Sang
Nicht längst vor Angst verrostet?

Ob Chile, ob El Salvador,
Bei uns kann's ähnlich werden.
Vielleicht hätt ich dann plötzlich Angst,
Zu jung zu sterben.

Hätt ich zu meines Vaters Zeit
Dasselbe Lied geschrieben?
Manchmal beschleicht mich das Gefühl,
Ich wär sehr stumm geblieben.

Was bleibt, ist, diese kleine Glut
Des Widerstands zu wahren.
Vielleicht muß sie mal Feuer sein
In ein paar Jahren.

Konstantin Wecker vor 40 Jahren

Samstag, 29. Februar 2020

Neue Entwicklungen

Seit dem Sonntag, den 23.2.2020, dem letzten Tag des EX-IN Moduls "Gesundheit und Wohlbefinden" ist bei mir eine Entwicklung angestoßen worden, die große Konsequenzen für mein weiteres Leben haben könnte.

Aufgrund eines von mir spontan aufgeführten Rollenspiels, in dem ich einen psychotischen EX-IN Trainer vor der ganzen Gruppe spielte, wurde ich im Rahmen des Rollenspiels von allen Kursteilnehmenden einstimmig in den "Galaktischen Rat" aufgenommen. 

Dies hatte für mich zur Folge, dass ich mich auf einer höheren Stufe angekommen fühle, was meine Bedeutung und meine Verantwortung für die Menschen anbelangt. 

Am 29.2.2020, dem gestrigen Schalttag und dem heutigen 1.3.2020 hatte ich die Erkenntnis, dass das von uns geplante Recoverycollege für seelische Gesundheit mein wichtigstes Projekt ist, denn es eröffnet mir die Möglichkeit vielleicht doch noch erfolgreich Inklusion erreichen zu können, denn es wendet sich an alle Bürger und nicht nur an psychiatrieerfahrene Menschen. 

Darüber hinaus wurde mir klar, dass ich mich nun für die Gesundheit aller Menschen einsetzen und somit den Fokus des Recoverycollege erweitern möchte. Das heißt, dass Recoverycollege soll eine Genesungsakademie für alle Erkrankungen werden. Der Slogan des Neuen Recoverycollege könnte heißen: Mit Erfahrungswissen zu mehr Gesundheit für alle. 

Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles entwickeln wird..... 

Was haltet ihr davon? 

........ 6.3.20

Und es geht weiter.... 

Seit dem ersten EX-IN Modul reihen sich bedeutsame Erlebnisse aneinander. 

Am 3.3. durfte ich mit meiner besten Freundin Geburtstag feiern. Nachdem ich während unseres Gespräches eine abfällige Bemerkung über das Frauenbild von Muslime und die Kriminalität von geflüchteten Menschen gemacht hatte, sprach mich meine Freundin gegen Ende unseres Treffens darauf an. Wir gerieten in eine politische Diskussion. Einer meiner letzten Sätze war, dass ich nicht dafür bin die Grenzen für die Flüchtlinge zu öffnen und dass wir nicht alle Not leidende Menschen aufnehmen können. Meine Freundin schaute mich an und sagte: "Aber dein Zweck der Existenz ist es doch ein liebender Mensch zu sein." Da wurde ich stumm und kurz darauf verabschiedeten wir uns.....

Gestern, am 5.3. war ich mit meiner Frau Karin im Glaubenskurs Stufen des Lebens in unserer Kirchengemeinde Teningen. Überraschender Weise kam ich mit einer attraktiven Frau, etwas jünger als ich, ins Gespräch. Sie sei im Kirchengemeinderat und sie erzählte mir vom Gemeindeleben und unserer scheinbar sehr beeindruckenden jungen Pfarrerin. Ich spürte eine Verbindung und eine gegenseitige Sympathie. Das war mir in den vorangegangenen Kursen noch nicht so passiert. 

Auch sehr beeindruckend finde ich eine der beiden Leiterinnen des Kurses. Ich habe sie schon vor Jahren kennengelernt und wir begegnen uns in großen zeitlichen Abständen immer wieder. Sie leitet den Kurs mit so einer großen Herzenswärme und sagt so weise Worte, dass ich gestern sehr berührt war. Sie gab mir viele Denkanstöße mit der Geschichte vom blinden Bettler, der von Jesus geheilt wurde. 

Seit gestern bin ich überzeugt davon, dass es jetzt an der Zeit ist, in Teningen einmal einen Sonntagsgottesdienst der Landeskirche zu besuchen. Ich merke, wie ich inzwischen meine Scheu verloren habe, mich mit nichtpsychiatrieerfahrenen Menschen zu unterhalten oder eben mit ihnen zu schweigen, wenn ich nicht reden kann. 

So viel Neues in meinem Leben, so viel positive Perspektiven. Ich bin sehr dankbar, dass ich morgens ohne Antriebsschwäche und ohne echte Sorgen aufstehen darf, dass ich meine Gefühle spüre. dass ich oft guter Laune bin - ja mich zu den glücklichen Menschen zählen darf. 

Ich spüre, ich komme Jesus jeden Tag einen Schritt näher. Eigentlich ist er schon lange bei mir. Schon als ich als Baby mit Darmbluten im Elternhaus vom Pfarrer eine Nottaufe erhielt, stand er mir bei. Meine Mutter erzählte mir, dass es mir nach der Taufe schnell wieder besser ging. Seit meine Mutter als Kind jeden Abend mit mir gebetet hat, habe ich Gott gefunden und er war mein ganzes bisheriges Leben bei mir. Nur mit seinem Sohn Jesus tat ich mich schwer. Ich habe keine Ahnung weshalb. 

Erst die letzten Jahre spüre ich, wie ich Jesus in kleinen, langsamen Schritten näher komme. Und heute stellte er mir durch die Kursleiterin, wie dem blinden Bettler die Frage "Was kann ich für dich tun?" Auf mein Kärtchen schrieb ich für mich "Ich möchte dir für immer nahe sein". Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir Jesus diesen Wunsch abschlägt. 

Dies war wieder ein weiteres, entscheidendes Erlebnis gestern. 

Es gilt nun meinen neuen Weg Tag für Tag weiter zu gehen und nicht in alte Muster zurück zu fallen. Ich muss konsequent und wenn es sein muss diszipliniert sein, damit ich nicht wie so oft große Worte mache, denen keine Taten folgen. 

Das Leben kann so schön sein - und im Mittelmeer lässt man ertrinkende Menschen ohne die mögliche Hilfe sterben. Freud und Qual so nah beieinander. Das wirft Schatten auf mein Glück. 

Herr, bitte wende dich auch diesen Menschen zu und rette sie, wie du mich gerettet hast. Aber was sage ich, du weißt schon, was du tun musst. 


Sonntag, 23. Februar 2020

Aufnahme in den Rat

Gestern (23.02.20), beim letzten Tag des ersten Moduls von EX-IN-Südbaden wurde ich am Ende des Moduls einstimmig in den Galaktischen Rat aufgenommen.

Endlich! Habe mich lange darum bemüht.

Ich muss mich erst noch an diesen Gedanken gewöhnen. Aber ich freue mich sehr darüber und bedanke mich herzlich bei den 20 anwesenden Vertretern der Galaxien.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Die Verantwortung Gottes für das Leid in der Welt

Manche Gläubige gehen so vor:

Sie lesen die Bibel, meinen danach zu Wissen was Gut und was Böse ist. Für das vermeintlich Gute in der Welt ist dann Gott verantwortlich, für das Böse der von Gott verstoßene Engel Satan. So einfach ist das.

Gott ist ganz schön clever.... 

Geistiges Eigentum

Sprichwort: Die größte Sünde eines Beduinen ist es, wenn er von eine Oase weiß und das für sich behält. 

Jede Hölle hat ihr Ende

Geht es dir schlecht? Was dagegen tun?  Den Tag planen? Neudeutsch: Action Plan erstellen Jemanden anrufen?  Rausgehen?  Gibt es was zu arbe...