Samstag, 21. März 2020

Statt Modul

Die Welt ist eine andere geworden. Unfassbar, unwirklich, unbeschreiblich. Die neuen Regeln und die neue Realität kommen bis jetzt nur durch die Medien in mein Bewusstsein. Ich halte mich an die Vorschriften und bleibe zu Hause. So bemerke ich außer den leeren Klopapierregalen und den Abstandszeichen an den Supermarktkassen nichts von der neuen Welt. Nur eine selbst mir auffallende Schwere liegt auf dem Rewe-Parkplatz.

Wann werde ich wieder am Leben teilnehmen? Müssen die Anderen arbeiten oder dürfen sie? Ich bleibe zu Hause, um Karin zu schützen, ich darf zu Hause bleiben, weil mein Chef es mir erlaubt hat. Mir wird klar, dass mich im Büro gerade kein Mensch braucht. Das Modul am heutigen Wochenende ist abgesagt und vermutlich wird auch das nächste im April nicht stattfinden. Ich werde jede Menge Minusstunden sammeln und wer weiß, ob bzw. wann ich sie ausgleichen kann.

Die Zeit zu Hause vergeht noch erstaunlich schnell. Ab und zu kommt ein kleines Zwischentief und dann liege ich schon abends im Bett, checke Mails, lese mit meinem neuen Kindle, schreibe mit dem Smartphone und schon ist es an der Zeit das Licht auszumachen. Der nächste Tag steht vor der Tür.

Wird es uns endlich gelingen mal rauszugehen und einen Spaziergang zu machen? Wir sind beide Stubenhocker. Sitzen am liebsten auf dem Sofa. Karin liest, schläft, schaut Fernsehen, schreibt WhatsApp. Ich hänge die meiste Zeit am Smartphone, schaue abends Amazon Prime oder Netflix, telefoniere jetzt wieder mehr, arbeite einwenig. Und so vergeht Tag um Tag - jetzt sogar mit staatlicher Empfehlung.

Wie wird es in einer Woche sein? Wie in einem Monat? Wie in einem Jahr? 

Werden wir ein hartes Leben führen müssen? Nicht mehr vom Staat umsorgt und wohl behütet? Wird das Recht des Stärkeren gelten? Wird es noch genug Arbeit geben? Was kann man wo noch einkaufen? Strom, Wasser, Nahrung? Die Gedanken verirren sich in apokalyptische Vorstellungen. 

Genug. 

Lasst uns Tag für Tag leben. Gute Stimmung bewahren, Rücksicht nehmen, Sinnvolles tun, wenn möglich. 

Was nütze es dem Menschen, 
wenn er die ganze Welt gewönne
Und nehme doch Schaden an seiner Seele. 

Nur meine Seele retten, 
das ist es, was ich such. 
Wenn Sünder Welten hätten, 
was nützten sie im Fluch. 

Diese beiden Sprüche hingen bei meiner Großmutter im Wohnzimmer und haben mich schon als Kind fasziniert, obwohl ich kaum deren Sinn verstand. 

Sie fallen mir gerade ein, warum auch immer. 

Gute Nacht! 
Passt auf euch auf! 
Und bleibt gesund angesichts der Seuche. 






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